Daniel Heuermann arbeitet und reist ein Jahr lang quer durch Australien

Stets auf der Suche nach neuem Job

Sonne, Strand, Meer und Weihnachten. In kurzer Hose und ohne das familientraditionelle Raclette verbrachte Daniel Heuermann die Feiertage in Hobart, der Hauptstadt der australischen Provinz Tasmanien.

Coesfeld/Hobart. Sonne, Strand und Meer. Unter diesen Bedingungen läuft in Deutschland im Moment nicht viel – höchstens mal ein Sommerurlaub.

In Australien wird so aber Weihnachten gefeiert. „Ich trage schon seit knapp vier Wochen eine kurze Hose. Eine richtige adventliche Stimmung kam da bei mir nicht auf. Aber ich will mich nicht über das Wetter beklagen“, lacht Daniel Heuermann.

Der 20-Jährige bereist seit dem 21. Oktober den fünften Kontinent Australien. Nachdem er 2009 sein Abitur erfolgreich absolviert und seinen Zivildienst abgeleistet hatte, entschied er sich gegen den sofortigen Start ins Studium. „Ich wollte einfach was sehen von der Welt, bevor es wieder mit dem Lernen losgeht. Aber es musste Australien sein.“ Diese Erkenntnis kam, nachdem der bekennende Pfadfinder zusammen mit seiner Pfadfindergruppe den Weltjugendtag 2008 in Sydney besuchte. „Das war total genial“, erzählt Daniel, „Australien gefiel mir unglaublich gut. Die Menschen, die Stimmung – einfach alles.“

Trotz diesem positiven ersten Eindruck empfiehlt der Coesfelder Reisenden heute eher Melbourne als Sydney: „Sidney ist wie jede andere europäische Hauptstadt. Melbourne hingegen hat ein ganz eigenes Flair, das kann man gar nicht richtig beschreiben. Das muss man erlebt haben.“

Mit einem sogenannten „Working Holiday“ Visum bewegt sich Daniel Heuermann vorraussichtlich noch bis April frei durch Australien – immer auf der Suche nach einem neuen Job. „Das ist total super. Man reist quer durch das Land und finanziert sich die Reise mit Gelegenheitsjobs“, schwärmt der 20-Jährige von seinem Visum.

Heiligabend im

Hostel gefeiert

Hauptsächlich hat Daniel bisher in Bars gearbeiten, aber es gibt auch die Möglichkeit, zwei bis drei Stunden in Hostels zu arbeiten um dann dort kostenlos zu nächtigen. So unterschiedliche Jobs zur Auswahl stehen, so unterschiedlich ist auch die Bezahlung: „Im Schnitt bekommt man ungefähr 15 Dollar die Stunde, das sind circa zehn Euro. Allerdings bekommt man auch manchmal für die härteste Arbeit einen miserablen Lohn und umgekehrt bekommt man bis zu 25 Dollar die Stunde für die einfachsten Jobs.“ Und wenn man einmal knapp bei Kasse ist, arbeite man auch mal sieben Tage die Woche als Erntehelfer. „Man braucht ja das Geld, sonst bleibt man auf der Stecke“, so Daniel Heuermann.

Zurzeit befindet sich der Coesfelder in Hobart, der Hauptstadt der Provinz Tasmanien an der Ostküste Australiens. „Das ist auch eines der beiden Hauptziele gewesen, die ich mir vor der Reise gesteckt habe. Tasmanien und die Westküste wollte ich unbedingt sehen.“

In Hobart verbrachte Daniel auch Weihnachten – fernab von seiner Famile, die er aber natürlich angerufen hat. Zusammen mit seinen Mitgästen im Hostel feierten sie Heiligabend. „Das war total witzig. Ich hatte mich dort mit einem Mädchen verabredet, dass ich im Flugzeug getroffen habe. Wir gingen unterschiedliche Wege, aber Heiligabend haben wir uns im Hostel getroffen.“

Trotzdem sei es schwer, Weihnachten in einer fremden Kultur zu feiern. „Ich glaube, das war das erste Weihnachten, wo ich nicht Raclette gegessen habe“, lacht Daniel. Zu essen gab es aber trotzdem etwas. Jeder Gast hat etwas aus seinem jeweiligen Heimatland gekocht. So habe ein Franzose einen Schokokuchen gemacht und Daniel das klassische deutsche Heiligabend-Essen serviert: Kartoffelsalat mit Bockwürsten. Doch nicht nur beim Essen unterscheidet sich Weihnachten in Australien mit dem in Deutschland. „Bei diesen Temperaturen kommt keine richtige adventliche Stimmung auf. Und auch der Schmuck ist nach meinem Geschmack viel zu kitschig“, erzählt Daniel Heuermann.

Nach Silvester will der Pfadfinder erst einmal weiter Tasmanien bereisen, bevor er sich in Richtung Westküste aufmacht.

Eine Gitarre für nur

20 Euro erstanden

Bei so einem Abenteuer dürfe man nicht allzu langfristig planen, man wisse ohnehin nie, wo man morgen arbeite und schlafe, so Daniel: „Man kann allerhöchstens eine Woche im Vorraus planen. Es kann so viel passieren: Deine Mitfahrgelegenheit meldet sich nicht, das Geld geht dir aus. Andererseits findet man auch immer neue Leute und neue Jobs.“ Um durch das Land zu reisen, müsse man halt flexibel sein. Hauptsächlich reist der Coesfelder mit Mitfahrgelegenheiten und öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Fähre durchs Land.

Seine Hobbys übt Daniel Heuermann auch „down under“ aus: „Ich habe mir hier für unglaubliche 20 Dollar eine Gitarre gekauft und ich habe sogar schon einen deutschen Pfadfinder getroffen!“

Die Logistik macht Daniel etwas zu schaffen. Er reist mit einem großen Wanderrucksack, einem kleinen Tagesrucksack, seiner Gitarre und einer Kühltasche durchs Land. „Ich habe immer hinten einen Rucksack, vorne einen und alle Hände voll“, lacht der Coesfelder.

Trotzdem würde Daniel Heuermann, der nach seinem Aufenthalt Architektur studieren möchte, sein modernes Abenteuer gegen nichts tauschen wollen. „Es ist eine unglaubliche Erfahrung. Man sieht so viel schöne Natur und die Menschen sind alle unglaublich entspannt und nett. Sogar eine Frau von der Bank endete ihren Satz mit: That‘s all right, Darling!“

Alle Erlebnisse von Daniel Heuermann sind auch in dessen Blog nachzulesen: www.fuzzytravel.com/daniel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare