Noch bis Mitte September im Puppen- und Spielzeugmuseum Coesfeld

Stephan Albrinck zeigt Eisenbahn von 1927

Stephan Albrinck beim Starten der 84 Jahre alten Eisenbahn. Der Originaltrafo war nicht mehr vorhanden und wurde durch einen modernen von Märklin ersetzt.

Coesfeld. Eine ungewöhnliche Geschichte hat die 84 Jahre alte H0-Eisenbahn hinter sich, die zurzeit im Puppen- und Spielzeugmuseum Coesfeld zu besichtigen ist: Es war im Jahre 2002.

Stephan Albrinck und seine Mutter Margarete gingen nach dem Umbau im Haus die Treppen zum Dachgeschoss hoch. Sie wollten endlich wissen, was in dem geheimnisvollen Kämmerlein noch alles an alten Schätzchen verborgen war. „Wir waren nach dem Tod meines Vaters 1989 schon einmal kurz oben und hatten die Tür einen Spalt aufgemacht. Da jedoch alles zugestellt war, gingen wir nicht hinein und schlossen die Tür wieder ab“, erinnert sich der Coesfelder, der seit mehreren Jahren als Kommissar im Wach- und Wechseldienst bei der Polizei in Coesfeld arbeitet und mit im Haus seiner Mutter lebt. Viele Jahre lang geschah nach dem „Kämmerleinblitzbesuch“ nichts.

„2002 haben wir dann umgebaut. Nach dem Tod meines Vaters sprach meine Mutter davon, dass sie von einer alten Eisenbahn gehört, diese aber noch nie gesehen habe. Im Rahmen des Umbaus wollten wir nun den Raum im Dachgeschoss aufräumen.“ Vorsichtig öffneten Mutter und Sohn die Tür des Kämmerleins: Mit Plastik abgedeckte Automaten, alte Schallplatten und Röhren kamen unter anderem ans Tageslicht. Vorsichtig kämpften sich beide durch Unmengen alter Utensilien hindurch. „Dann entdeckten wir schließlich unter Stroh ganz in der allerletzten Ecke eine Reihe von Schachteln und Kartons“, so Stephan Albrinck. „Meine Mutter sagte noch: ‚Vorsicht, da könnte die alte Garteneisenbahn drin sein!’ Behutsam näherten wir uns dem Fundort und entdeckten dann die geheimnisvolle Eisenbahn, die noch keiner von uns vorher zu Gesicht bekommen hatte.“

Staunend erblickten sie die in Originalkartons gelagerte Lok von Märklin aus dem Jahre 1927 mit 13 Waggons und weiterem Zubehör. „Darunter waren noch Dokumente von 1933, als mein Großvater Arnold Ersatzteile bestellt hatte, alles handschriftlich verzeichnet. Mit der Eisenbahn hatten mein Vater Günther und sein Bruder Arnold (Spitzname ‚Bubi’), der mit 13 Jahren an Diphtherie gestorben war, im Krieg öfter gespielt.“

Das Erbstück sei dann nach dem Krieg von seinem Großvater versteckt worden, weil es noch nationalsozialistische Symbole enthielt, so der 42-Jährige weiter, der von seinem zunächst als Techniker, dann als Selbstständiger arbeitenden Vater den Automatenbetrieb zwei Jahre übernommen und weitergeführt hatte und nach einer Ausbildung zum Polizeihauptwachtmeister seit Oktober 1990 im Streifendienst tätig ist. Die Faszination der alten Eisenbahn ließ ihn nicht mehr los.

„Erstmals habe ich sie zu Weihnachten 2003 aufgebaut. Der Originaltrafo war nicht mehr vorhanden und auch nicht mehr zu bekommen, so dass ich mir einen modernen Trafo von Märklin kaufen musste.“ Seitdem baut Stephan Albrinck jedes Jahr seine alte Eisenbahn Anfang Dezember mit der Spur H0 ohne Platte um den Weihnachtsbaum herum in einem Doppelkreis auf, wobei neben der Lok und den 13 Waggons auch ein großer Bahnhof, ein Bahnübergang und verschiedene Figuren aus Plastolit zum Einsatz kommen. Damit erfreut er dann auch seine Neffen und Nichten, die ihn zu Weihnachten häufig besuchen.

Seit Pfingsten nun freuen sich ebenfalls die zahlreichen Besucher im Puppen- und Spielzeugmuseum, Walkenbrückenstraße 25, über die historische Eisenbahn, die immer mittwochs, samstags und sonntags von 14.30 bis17.30 Uhr bis voraussichtlich bis Mitte September besichtigt werden kann. Auch Sonderöffnungen und -führungen sind möglich, wobei aufgrund der großen Nachfrage eine frühzeitige Anmeldung unter Telefon (02541) 70912 erforderlich ist. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht

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