Am Pictorius-Berufskolleg entstanden zwei Frisbee-Fangkörbe und neue Spiele

Sport – ganz kreativ

Die kreativen Entwickler der vier neuen Ball-Spielformen mit dem Frisbee-Fangkorb am Pictorius-Berufskolleg: Schüler der GTG 1-10 (Abitur, Gestaltungstechnik) mit Referendarin Alexandra Fritsche (links) und Anleitungslehrerin Elke Hemling (stehend, 3. von rechts).

Coesfeld. Projekte, in denen die Verzahnung bildungsgangübergreifender Fächer groß geschrieben wird, sind am Pictorius-Berufskolleg in Coesfeld nicht neu.

„Dass im Sportunterricht neue Sport-Spielformen entwickelt wurden, bei denen Sportgeräte verwendet werden, die wiederum von anderen Schülern in unserer Werkstatt selbst gebaut wurden – diese Art der Zusammenarbeit hat es hier so noch nicht gegeben“, freut sich Klaus Schneider, stellvertretender Schulleiter des Pictorius, über das jüngste Projekt. Insgesamt fünf ganz neue Spielformen entstanden dabei, vier davon von Schülern selbst kreativ entwickelt. Begleitet hat das in der vergangenen Woche abgeschlossene Projekt Referendarin Alexandra Fritsche, die zu diesem Thema in der kommenden Woche ihre zweite Staatsexamensarbeit einreichen wird.

Die erste Idee hatte Winfried Zurkuhlen. Der Lehrer für Sport/Gesundheitserziehung und katholische Religion am Pictorius war auf der Suche nach einer neuen Spielform mit Frisbee und Fangkorb, ähnlich dem Disc-golf (auch Frisbeegolf), bei dem – analog zu klassischem Golf – versucht wird, von einem festgelegten Abwurfpunkt mit möglichst wenigen Würfen eines Frisbees ein Ziel zu treffen. Wichtigste Vorgabe für Zurkuhlens Vorhaben: Es sollte ein Mannschaftssport sein, der am Pictorius im Sportunterricht gespielt werden kann. „Bei meinen Sportklassen im dualen Bereich Metalltechnik kam der Wunsch auf, mit dem Frisbee im Sportunterricht eine Alternative zu Ultimate-Frisbee zu spielen“, sagt Zurkuhlen. „Und wir haben ja einen permanenten Bildungsauftrag, zu den Traditionssportarten wie Fußball und Handball auch alternative Sportarten anzubieten.“ Er wendete sich mit seiner Idee an seinen Kollegen Manfred Braukmann.

Der wiederum tüftelte in der Werkstatt im Rahmen des Fachpraxisunterrichts eifrig mit acht Schülern aus dem Metallfachbereich. Das Ziel: Zunächst einmal zwei Frisbee-Fangkörbe zu bauen, die als Grundlage für das Mannschaftsspiel benötigt werden. In Anlehung an den Fangkorb beim Discgolf entstanden in zwölf Unterrichtseinheiten schließlich Spielgeräte, die als Ziel für die Würfe mit dem Frisbee gedacht sind. In der Höhe sind sie flexibel verstellbar, weil der Korb an der 2,10 Meter hohen Stange dank einer Klemmvorrichtung wahlweise tiefer oder höher befestigt werden kann. Je nach Altersklasse und individuelle Fähigkeiten der Schüler.

„Zwölf Kettenglieder sind in Schlaufen an einem Stahlring befestigt. Sie sollen den Frisbee bremsen. Insgesamt haben wir zwischen 30 und 40 Meter Kette verbaut“, erklärt der technische Lehrer Manfred Braukmann. Über sie fällt der Frisbee schließlich in den Fangkorb, per Biegemaschine aus acht Millimeter dicken Stahlstäben gefertigt, unten im Durchmesser identisch einem 26-Zoll-Fahrradreifen. Der Clou: Dank eingebauter Rollen sind die Körbe sogar beweglich und können in der Halle oder auch auf dem Schulhof genutzt werden.

„Team-Frisbee“ heißt das Mannschaftsspiel, das Winfried Zurkuhlen dazu konzipierte. „Es eignet sich in der Schule für nahezu alle Gruppen sehr gut. Einen Frisbee werfen kann jeder, zumal zunächst ein bis zwei Doppelstunden für die Grundlagen des Werfens vorgesehen sind“, so Zurkuhlen. „Den Schülern ist heute generell der Wettkampfgedanke sehr wichtig. Der ist hier absolut gegeben. Zudem ist das Klingen der Kettenglieder ein anspornendes Geräusch – und ein schönes Erfolgserlebnis nach einem gelungenen Wurf.“

Erfolgserlebnisse und klingende Kettenglieder gibt es auch bei den vier weiteren so genannten „Kleinen Spielen“, die im Sportunterricht der Klasse GTG 1-10 (Abitur, Gestaltungstechnik) seit Mitte März von 17 Schülern auf Anregung von Referendarin Alexandra Fritsche entwickelt wurden. Sie hatten als einzige Vorgabe, dass bei den Spielformen eben jene Frisbee-Fangkörbe genutzt werden sollen. „Fall Down Frisbee“, „Wallball“, „Hol dir einen raus!“ und „Turmball“ heißen die Spiele, bei denen jeweils gar nicht mit einem Frisbee geworfen wird, sondern mit Hand- beziehungsweise Softbällen, die ebenso von den Kettengliedern gebremst werden.

„Das hat uns riesig Spaß gemacht“, sagt Schülerin Lisa Weßelmann stellvertretend für ihre Klassenkameraden. „Wenn demnächst auch andere Klassen unsere Spiele spielen würden, wäre das richtig cool“, ergänzen Britta Nientiedt und Max Ewers.

„Die Schüler haben die vier Spielformen in vier kleinen Gruppen selbst entwickelt“, erläutert Alexandra Fritsche. „Gerade im Bereich Gestaltungstechnik ist es wichtig, kreativ zu sein und eigene Ideen zu verwirklichen. Das war bei diesem Projekt prima möglich.“ Im Deutsch-Unterricht wird nun noch ein Handbuch zu den Spielen entworfen, das im Grafik/Design-Unterricht gestaltet wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare