Gedenken mitten im Alltag

Sieben Stolpersteine zum Andenken an Coesfelder Juden geplant

+
Gruppenmitglieder Matthis Tasler (von links), Rainer Wermelt und Birgitta Siepelmeyer wollen die Gedenkkultur in Coesfeld noch weiter bereichern.

Coesfeld. Wer über Coesfelds Straßen läuft, dem wird im kommenden Jahr der ein oder andere besondere Stein ins Auge fallen. Die sogenannten Stolpersteine stellen eine besondere Form des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus dar: Vor den letzten freiwillig gewählten Wohnorten von Coesfelder Juden sollen sieben Steine mit den Namen der jeweiligen Bewohner als Gedenkplakette in den Boden eingebaut werden. Die Beschäftigung mit dem Thema geschieht für die Fußgänger, die darüber metaphorisch „stolpern“ unerwartet und spontan. Ein Moment des Innehaltens, des Gedenkens – mitten im Alltag.

Es fing alles vor etwa eineinhalb Jahren an. Damals bildete sich aufgrund der Frage, warum es denn in Coesfeld keine Stolpersteine gäbe, kurzerhand eine eigene Facebook-Gruppe. In vielen Orten in der Umgebung, wie Rosendahl, Gescher oder Dülmen gibt es sie schon länger. Das Projekt Stolpersteine stammt von dem Künstler Gunter Demnig. 

Die mit Messing beschlagenen 10 mal 10 Zentimeter großen Betonklötze mit dem Namen von einzelnen Bürgern der Stadt erinnern an das Schicksal der verfolgten Juden während des Nationalsozialismus.

Dabei sehen die Organisatoren dies nicht als Konkurrenz zu anderen Gedenkmöglichkeiten. „Wir hoffen, mit den Stolpersteinen die Gedenkkultur noch weiter bereichern zu können. Durch sie hoffen wir, das historische Bewusstsein in den Alltag zurückzuholen“, betont Gruppenmitglied Rainer Wermelt „Wenn man die Namen sieht, wird einem wieder vor Augen gebracht, dass normale Mitbürger der Stadt auf einmal ihrem Zuhause entrissen wurden“, sagt Mitorganisatorin Birgitta Siepelmeyer. Gruppenmitglied Matthis Tasler ergänzt: „Dass die Steine vor dem letzten freiwilligen Wohnort angebracht werden, schafft eine persönliche Verbindung. Schließlich lagen dort einmal die Wurzeln der Familien und ihr Lebensmittelpunkt.“

Coesfeld soll nun – was die Stolpersteine betrifft – nicht länger ein weißer Fleck auf der Karte sein. Nachdem die grundsätzliche Verlegung von den Stolpersteinen per Ratsbeschluss freigegeben wurde, widmet sich die Gruppe nun der konkreteren Organisation. So steht momentan vor allem die Recherche im Vordergrund. Sieben Steine sollen vor allem in den Straßen rund um der Synanoge, in der Weber-, Mühlen- und der Kleinen Viehstraße verlegt werden. Wenn Künstler Gunter Demnig dann im kommenden Jahr Coesfeld besucht, um die Steine anzubringen, würde sich die Gruppe wünschen möglichst viele Angehörige der Coesfelder Juden zu finden und zu einer Gedenkstunde einzuladen. Insgesamt rund 25 Leute, mit einem aktiven Kern von circa 14 Leuten haben sich für das Projekt zusammengefunden und bringen sich mit ihren jeweiligen Stärken ein. Finanziert werden die Steine und ihre Verlegung über Spenden. Dafür ist geplant ein Spendenkonto einzurichten. Außerdem ist die Gruppe in Gesprächen mit der Bürgerstiftung, die Interesse an den Stolpersteinen zeigte.

Vorbei ist das Projekt mit der Verlegung allerdings noch lange nicht. „Die Steine müssen schließlich auch in Stand gehalten werden“, erklärt Wermelt. „Am liebsten würden wir da die Schulen mit an Bord holen. So könnte das Projekt beispielsweise in den Geschichtsunterricht integriert werden oder eine Patenschaft übernommen werden.“ Auch in eine der Coesfelder Stadtführungen könnten die Stolpersteine eingebaut werden. Über Gedenktafeln für weitere verfolgte Opfer des Nationalsozialismus wie beispielswiese Roma und Homosexuelle denken die Organisatoren ebenfalls nach. „Da besteht allerdings die Schwierigkeit an zuverlässige Informationen zu kommen und viel Recherche ist erforderlich“, stellt Tasler fest.

Wer Interesse hat, sich an dem Projekt zu beteiligen, kann eine E-Mail an stolpersteine-coesfeld@gmx.de schreiben. Auch über Hinweise zu den Angehörigen der Coesfelder Juden freuen sich die Organisatoren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare