Schwester Sophia Rohling nutzt die Deutsche Katholische Blindenbücherei

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Direkt neben dem Sessel in ihrem Zimmer steht das Daisy-Abspielgerät im Regal.

Dülmen/Coesfeld. Nicht mehr sehen zu können – für die meisten kaum vorstellbar, um nicht zu sagen: eine Horrorvorstellung. Auch für Schwester Sophia Rohling bedeutete es eine große Umstellung, als die Makula-Degeneration in ihren Augen immer stärker wurde. „Es ist schon eine Einschränkung, oh ja“, sagt die 86-jährige Clemensschwester, die zusammen mit sechs weiteren Schwestern seit 2014 im Heilig-Geist-Stift in Dülmen lebt und damit gar nicht weit von ihrem Geburtsort Coesfeld, wo sie mit sieben jüngeren Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof in der Bauerschaft Brink aufwuchs.

„Ein befreundeter Priester gab mir den Tipp, dass ich mich an die Deutsche Katholische Blindenbücherei wenden könnte. Ich tat es, und seit fünf Jahren lasse ich mir Daisy-CDs mit den verschiedensten Büchern und aufgelesenen Texten schicken. Man ruft da an, und am nächsten Tag ist die CD schon da. Ganz kostenlos von der Post geschickt“, schildert Schwester Sophia. Aktuell liegen bei ihr „Die Passion“ von Clemens Brentano und eine Monats-CD mit Texten der Zeitschriften Lux Vera, L’Osservatore, Feierstunden und St. Raphael. „Ich bekomme und höre auch CDs mit dem Stundenbuch der Kirche mit Gebeten, Bibeltexten und Gesängen.“ 

Das Daisy-CD-Abspielgerät, das bei ihr im Zimmer im Regal neben dem Sessel steht, „ist einfach zu bedienen – dazu braucht man nicht viel IQ“, schmunzelt sie. Neben den bei CD-Abspielgeräten üblichen Bedientasten gibt es auch die Funktionen „langsamer“ und „schneller“ – wenn Texte inhaltlich sehr dicht oder alternativ einfach zu erfassen sind. „Und das Gerät ,merkt’ sich die Stelle, an der man das Abspielen beendet hat. Auch wenn man zwischendurch eine andere CD eingelegt hat, spielt es die erste CD weiter von der Stelle, an der man aufgehört hatte. Ziemlich komfortabel.“ 

Während sie das Daisy-CD-Gerät bereits seit fünf Jahren nutzt, steht der Flachbett-Scanner mit Sprachausgabe erst seit ein paar Monaten bei ihr auf dem Schreibtisch. Wie beim Daisy-Gerät übernahm auch bei dem Vorlesegerät die Krankenkasse die Kosten. 

Schwester Sophia freut sich sehr über diese Hilfsmittel. „Ich habe noch nie so viel gelesen beziehungsweise gehört, ich hatte ja keine Zeit. Früher habe ich nie Romane gelesen – jetzt höre ich sie. Aber auch beispielsweise geschichtliche Dokumentationen“, sagt sie. Wobei sie sich dann und wann auch zügeln müsse. „Ich pflege auch übers Telefon noch viele Kontakte, das möchte ich nicht vernachlässigen.“ Und zu Weihnachten „habe ich immer 50 bis 60 Karten von Hand geschrieben. Nachdem mein Augenlicht vor drei Monaten erheblich schlechter geworden ist, klappt das in diesem Jahr nicht mehr. Daher gibt’s diesmal nur einen Rundbrief.“ 

Ihre Kontakte sind weit verstreut. Denn nachdem sie 1955 in den Orden eingetreten war, wirkte die ausgebildete Krankenschwester zwei Jahre als stellvertretende Stationsleiterin an der Uniklinik Münster. In der Caritas-Akademie in Köln machte sie eine Ausbildung zur Pflegedienstleitung und wirkte dann 21 Jahre in Oldenburg und 19 Jahre in Meschede in Krankenpflegeschulen, 38 Jahre davon als Leiterin. Nach dem Eintritt in ihren Ruhestand kam sie mit 67 Jahren nach Duisburg-Friemersheim und wirkte dort acht Jahre in der Seniorenseelsorge, bevor sie wieder nach Meschede ging.

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