Veredlungstag des Bauernverbands in Coesfeld

Schweinehaltung vor großem Wandel: Das sagt Bulderner Tierarzt Dr. Torsten Pabst

+
Am Donnerstag referierte auch Dr. Torsten Pabst zum Thema Ferkelkastration

Coesfeld/Buldern. Alle Plätze in der Bürgerhalle Coesfeld waren Donnerstag belegt beim diesjährigen Veredlungstag des Deutschen Bauernverbands. Im Mittelpunkt stand die Zukunft der Schweinehaltung in Deutschland. Tierarzt Dr. Torsten Pabst aus Buldern referierte dabei als Vertreter des Bundesverbands praktizierender Tierärzte e. V. zum Thema Ferkelkastration.

Hintergrund ist der Stichtag 1. Januar 2021. „Ab dann darf gemäß deutschem Tierschutzgesetz Ferkelkastration nur noch unter völliger Schmerzausschaltung erfolgen“, so Dr. Pabst.

Das Fleisch von etwa einem Fünftel der männlichen Schweine, die unkastriert bis zum üblichen Schlachtgewicht von 120 Kilogramm gehalten werden, hat erfahrungsgemäß einen Geruch, der das Fleisch unvermarktbar macht. Daher werden alle männlichen Mastschweine im Ferkelstadium kastriert – seit 2011 unter vorheriger Gabe eines starken Schmerzmittels. „Das reicht künftig nicht mehr aus“, so Dr. Pabst.

Wie lauten die Alternativen? „Ich würde die zweifache Impfung mit dem Mittel Improvac empfehlen. Die können Landwirte selber vornehmen und kostet pro Schwein drei bis vier Euro. Die Fleischqualität ist damit so wie bei weiblichen Tieren“, schildert Pabst aus praktischen Versuchen.

Die Schlachtindustrie befürwortet dieses Procedere aktuell nicht: „Obwohl es sich bei dem Präparat keineswegs um ein Hormon handelt, äußert die Schlachtindustrie die Befürchtung, dass die Verbraucher die Verwendung des Mittels als ,Hormongabe’ ablehnen und sich dies auf dem Fleischkonsum auswirkt“, so Pabst.

Weiterhin möglich ist die Vollnarkose der Ferkel per Spritze durch Tierärzte – mit entsprechenden Folgen für die Kosten der Kastration. Und möglich ist auch eine Lokalanästhesie, die die Landwirte selber vornehmen dürfen, die aber in Deutschland nicht zugelassen ist: „Denn diese Lokalanästhesie erzeugt bei den Schweinen ein Gefühl des Brennens, entspricht also auch nicht den Forderungen des Tierschutzes in punkto Schmerzfreiheit. Die Lokalanästhesie ist daher politisch nicht gewollt“, so Dr. Pabst. Eine Vollnarkose mit Narkosegas können Landwirte nach Zwölf-Stunden-Schulung und mit speziellen Apparaturen vornehmen.

Unterm Strich gibt es also mehrere Verfahren, Kastration für die betroffenen Tiere schmerzfrei vorzunehmen. „Wegen der damit verbundenen Kosten ist aber anzunehmen, dass künftig Ferkel vermehrt aus dem Ausland nach Deutschland kommen, denn dort gelten nicht so hohe Tierschutzstandards wie in Deutschland. Schon jetzt kommen rund 25 Prozent der Ferkel aus Nachbarländern Deutschlands“, so Dr. Pabst.

Da Landwirte am liebsten nicht kastrieren würden, so Dr. Pabst, wäre eine Option, männliche Tiere vor der Geschlechtsreife zu schlachten, wie es in Spanien oft Usus ist: „Dann wiegen die Tiere 90 Kilogramm – zu wenig in den Augen der Schlachtindustrie, die dann nicht mehr die gewohnt großen Koteletts gewinnen könnte“, so Dr. Pabst. Denkbar wäre, dass generell verboten wird, kastrierte Tiere zu schlachten.

Angesichts dieser Optionen drängt es, so Dr. Pabst, dass sich alle Beteiligten um eine baldige Regelung bemühen..

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare