Geschossfänge neuester Generation

Schützenvereine Merfeld und Horst in Rosendahl haben „Zwillingsbrüder“

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Über den Geschossfang der Zukunft freut sich Markus Terhardt (rechts), Vorsitzender des Schützenvereins Merfeld, zusammen mit Oberst Karl Jasper (links) bei der Präsentation des neuen, in „Münsterland-Grün“ gestrichenen Geschossfangs, der Anfang Juni erstmals in Merfeld beim Vogelschießen eingesetzt wird.

Kreis Coesfeld. Sicherheit vor, während und nach dem Schießbetrieb und Schutz der Umwelt – das sind die Ziele, die die Schießstandrichtlinien des Bundesinnenministeriums von 2012 verfolgen und dementsprechend auch Änderungen an manchem Schützenvereins-Schießstand im Kreis Coesfeld erfordern. Und so haben schon mehrere Vereine den Geschossfang („Kugelfang“) ihrer Schießstände grundlegend umgerüstet und anstelle von dicken Holzbrettern schräg gestellte hochfeste Stahlblech-Lamellen in die Geschossfänge eingearbeitet beziehungsweise sich komplett neue Geschossfänge zuglegt.

„Das ist der Geschossfang der Zukunft – mit dem sind wir genehmigungstechnisch für die nächsten Jahre bestens aufgestellt“, sagt Markus Terhardt, Vorsitzender des Schützenvereins Merfeld, und blickt auf den neuen Geschossfang des Vereins, der in Stahl-Lamellenbauweise gefertigt ist. „Der Geschossfang kann mit Kleinkaliber, Schrot und Königspatronen beschossen werden – und damit allen schützenvereinsrelevanten Projektilen“, so Terhardt.

„Die Geschosse treffen beim Vogelschießen im 45-Grad-Winkel auf diese Lamellen aus superfestem Hardox-450-Stahl. Was dann von den Geschossen übrig bleibt, sammelt sich am Boden des Geschossfangkastens beziehungsweise hinter der Spezialfolie, die mit einem Holzrahmen zwischen dem Vogel und den Stahllamellen in den Geschossfang geklemmt wird.“

Der Geschossfang der Schützenvereine Horst und Hannövershook-Höven wurde im Februar bei Schnee getestet.

Dass der Verein überhaupt einen neuen Geschossfang bekommen hat, liegt in letzter Instanz an dem anstehenden Neubau der Bundesstraße 67n. „Die neue Straße führt künftig direkt an unserem Schießplatz entlang, so dass wir den Standort, von dem aus geschossen wird, und somit auch die Vogelstange mehrere Meter in unseren Wald hinein verlegen mussten.“ Der Wald – das ist eine rund 2500 Quadratmeter große Parzelle, die der Schützenverein im Zuge der kommunalen Neugliederung Mitte der 1970er Jahre von der Stadt Dülmen zum Eigentum erhalten hat.

In Abstimmung mit der Waffenbehörde des Kreises Coesfeld – sie ist bei der Kreispolizeibehörde angesiedelt – und dem Schießstand-Sachverständigen Jörg Kretschmer entstand das Konzept, dass nun keine neue stationäre Vogelstange gebaut wird, sondern stattdessen ein Teleskoplader dafür genutzt wird, den Geschossfang auf die nötigen zehn Meter Höhe und in die erforderliche Neigung zu bringen.

Darüber hinaus hat sich der Verein einen neuen, transportablen Schützenstand mit Betonboden, Geländer und Rampe gebaut. „Der Schützenstand wiegt eine Tonne – da bewegt sich beim Schießen nichts“, schmunzelt Markus Terhardt.

Den gut eine Tonne wiegenden Geschossfang gebaut hat Berthold Lembeck. Der Hauptmann des Schützenvereins Horst in Rosendahl hatte bereits Erfahrung: Er hatte in der Firma seines Arbeitgebers in Heek auch schon den neuen Geschossfang gefertigt, den sich sein eigener Schützenverein und der Schützenverein Hannövershook-Höven gemeinsam angeschafft haben. Er wird bei den anstehenden Schützenfesten wie der Geschossfang in Merfeld von einem Teleskoplader in die Höhe gebracht.

„Mittlerweile haben wir auch schon Anfragen aus Ascheberg und dem Bereich Iserlohn nach solchen Geschossfängen“, so Berthold Lembeck, dem schon Modifikationen vorschweben: „Bislang haben wir die Blechschürzen neben dem Kasten angeschweißt. Wir könnten sie auch so fertigen, dass man sie an den Geschossfang anschrauben kann. Das würde Transport und Einlagerung der Geschossfänge vereinfachen“, so der 46-Jährige. Diese Aspekte sind für die St.-Antoni-Bruderschaft und die St.-Martini-Bruderschaft Nottuln nicht von Belang – bei ihrer gemeinsamen Vogelstange handelt es sich um eine stationäre Anlage.

Beide Bruderschaften haben sich 2014 den ersten Stahl-Lamellengeschossfang im Kreis Coesfeld zugelegt. „Unser Vorstandsmitglied Franz Humberg hat ihn gebaut – das sparte Kosten“, berichtet Michael Sendes, Vorsitzender (Direktor) der St.-Antoni-Schützenbruderschaft.

Der neue Geschossfang der Schützenbruderschaft St. Johanni e. V. Buldern ist dunkelgrün lackiert und informativ beschriftet – mit dem Namen und mit dem Gründungsjahr des Vereins.

Auch beim Schützenverein Hiddingsel, der ebenfalls 2014 einen Stahl-Lamellengeschossfang bekam, konnten durch Engagement vereinseigener Kräfte die Kosten im Rahmen gehalten werden: „Dirk Schürjann und seine Mitstreiter haben da ganze Arbeit geleistet“, freut sich Vorsitzender Peter Emming. Und auch Stefan Ricker, Vorsitzender der Schützenbruderschaft St. Johanni Buldern, konnte sich auf die Fachleute in seinem Verein verlassen: „Eine ganze Reihe Mitglieder haben da super zusammengearbeitet“, so Stefan Ricker. Während der bisherige Geschossfang der Johannischützen bei Günther Püth in der Werkstatt mit Stahl-Lamellen aufgerüstet wurde, galt es auch, die Vorrichtungen für das Hochziehen des Geschossfangs an der Vogelstange auf die höhere Belastung einzurichten. „Unter anderem mit einem neuen Stahlseil“, so Manfred Sokolowski, erster Schießwart der Johannischützen. Kosten belaufen sich meist auf vierstellige Summen Gleichgültig, ob die Vereine ihre bisherigen Geschossfänge in Eigenleistung mit Stahl-Lamellen und Geschosstrichter nachgerüstet haben, sie mit eigener Man-Power einen Geschossfang selber ganz neu gebaut oder sich einen Geschossfang mit Stahl-Lamellen haben extern neu bauen lassen: Die Kosten belaufen sich zumeist auf vierstellige Summen. Einer der ausschlaggebenden Punkte, die die Anschaffung von Stahl-Lamellengeschossfängen nahe legte: das Schießen mit Schrotmunition. „Im Raum Hamm wird bei Schützenfesten nicht mit Schrot geschossen – dort hat noch kein Schützenverein einen Stahl-Lamellengeschossfang“, so Schießstand-Sachverständiger Herbert Holtmann.

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