Seit 1985 marschieren in der dritten Kompanie Schützenschwestern mit

Ein schleichender Prozess

Die von Marcel Bußmann (Mitte) geführte dritte Kompanie besteht mittlerweile zu einem großen Teil aus Schützenschwestern.

Lette. Manchmal ist Emanzipation ein schleichender Prozess. Manchmal geht alles ganz schnell. Und fast immer standen mutige Frauen am Anfang einer Veränderung traditioneller Normen.

Mut hat es die ersten vier Frauen auch gekostet, die sich 1985 bei der dritten Kompanie des Allgemeinen Schützenvereins Lette einreihten. „Die Männer fanden das gar nicht witzig“, schmunzelt die damals 18-jährige Birgit Wittkamp, die zusammen mit Silke Fischinger, Susi Kranz (geborene Gozemba) und Martina Hellermann (geborene Frieling) zu den Vorreiterinnen gehörte. „Wir wurden sogar mit Gackern begrüßt!“

Doch was am Anfang mit Häme begann, fand nach und nach mehr Akzeptanz, bis schließlich 1994 die nächsten sechs Frauen nachzogen. Unter ihnen Margret Schemmer: „Wir wollten auch mitmarschieren!“, so Schemmer heute. „Und außerdem konnten wir ein paar Mark sparen...“

Heute machen die Frauen einen großen Teil der dritten Kompanie aus – geführt wird diese aber nach wie vor von einem Mann, von Marcel Bußmann. Auch eigene Traditionen haben sich längst durchgesetzt, wie Birgit Wittkamp berichtet: „Sonntags treffen wir uns immer bei einer der Frauen, um die Stöcke zu schmücken.“ Und selbst Regenten gab es bereits unter den Frauen. 2007 nämlich, schoss Claudia Eversmann als erste Frau den Vogel ab, Margret Schemmer wurde 1997 erste Bierkönigin.

Darüber, dass es eines Tages eine reine Frauenkompanie in Lette geben wird, machen sich Birgit Wittkamp und Margret Schemmer keine Illusionen: „Das wollen wir auch gar nicht, wir laufen gerne mit und haben unseren Spaß.“ Seit dem Jubiläumsschützenfest 2008 haben die Frauen sogar eine einheitliche Tracht, denn die Klüsener Bauunternehmung GmbH hatte in dem Jahr T-Shirts zur Verfügung gestellt, die die „Schützenschwestern“ seitdem gerne tragen. Neue Mitglieder für die dritte Kompanie sind übrigens jederzeit willkommen, wie die Schützenschwestern betonen: „Ob männlich oder weiblich ist dabei egal – wir würden uns auch über Kegelclubs oder ähnliches freuen. Hauptsache ist, dass wir weiter einen dritten Zug beim Sternmarsch stellen können...“

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