60-jähriges Priesterweihejubiläum

Zum Priesterjubiläum: Robert Lenfers blickt auf ein reiches Leben zurück

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In Robert Lenfers’ Wohn- und Arbeitszimmer dreht sich seit 2003 die Welt als Granitkugel auf einem Wasserspiel. Regelmäßig wird destilliertes Wasser ergänzt.

Coesfeld. Gut – „beim Treppensteigen schau ich als erstes nach dem Geländer“, schmunzelt Robert Lenfers. „Aber ansonsten bin ich für meine 86 Jahre noch recht fit, vor allem im Kopf – und dafür bin ich dankbar.“ Am 2. Februar feiert der zweitälteste Priester in Coesfeld sein 60-jähriges Priesterjubiläum und lädt dazu die ganze Gemeinde ein (siehe Kasten unten).

Als Emeritus lebt der gebürtige Lüdinghausener seit 2003 in der Rekener Straße und kann vom Balkon aus die Kirchturmspitze der Anna-Katharina-Kirche sehen. „Das ist gut zu Fuß zu machen“, erklärt Robert Lenfers, der bis heute zwei bis dreimal die Woche eine Werktagsmesse und in der Regel die Sonntagsmesse in St. Joseph Stevede liest. „Ich bin ein aktives Mitglied im Seelsorgeteam der Gemeinde – aber seit elf Jahren predige ich nicht mehr selbst“, sagt er. „Das übernehmen dann andere.“ Gleichwohl gibt er den Gläubigen in seinen Gottesdiensten immer etwas mit: „Mein Ziel ist, dass sie mit einem Lächeln aus der Messe rausgehen – wenn sie sich schon die Mühe machen, in die Kirche zu kommen ...“

Aus erst angepeilten fünf wurden schließlich 30 Jahre

Ein positiver Blick auf die Dinge und auf die Menschen, Zuwendung, jeden einzelnen sehen und wertschätzen, kommunikativ sein, teambewusst, sachorientiert und engagiert, offen – Dinge und Eigenschaften, die ihn auch wohl ausgezeichnet haben als Direktor und damit Chef von Haus Hall. Ein Job, „den ich eigentlich nur fünf Jahre lang machen wollte“, sagt Robert Lenfers. „Ich war 38 Jahre alt, als mich Generalvikar Reinhard Lettmann fragte, ob ich Direktor von Haus Hall werden möchte. Ich dachte mir: ,Ich mach das für fünf Jahre – dann werde ich Pfarrer in einer Gemeinde’. Doch je länger ich in Haus Hall war, desto weniger wollte ich weg.“

42 Priesteramtskandidaten in seinem Weihejahrgang

Vorher hatte er nach dem Abitur in Lüdinghausen in Münster und München Theologie studiert und 1960 in Münster die Priesterweihe erhalten – zusammen mit 41 weiteren jungen Männern. „Davon leben aktuell noch 20 – und zu unseren Treffen kommen noch zwölf. Die anderen sind verstorben oder nicht mehr mobil.“ Nach einer kurzen Zeit in Gemen im Gemeindedienst war er in Borken St. Remigius zehn Jahre Kaplan (dort Kanonikus genannt).

Eine Menge Beichtdienste in Borken

„Ich hatte unheimlich viele Beichtstuhldienste – es war eine Menge zu tun. Aus vielen umliegenden Gemeinden kamen die Gläubigen – sie wollten ungern in der Heimatgemeinde beichten.“ Daneben hatte er ein volles Lehrerstundenkontingent Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen zu geben, war Kolpingpräses, packte die Sanierung des Kolpinghauses an, absolvierte auch nächtliche priesterliche Einsätze im Krankenhaus, wirkte im Sozialen Seminar und in der Landjugend, zelebrierte werktags die 6-Uhr-Frühmesse. 

„Im Religionsunterricht konnte ich den Schülern erklären, was im Zweiten Vatikanischen Konzil passierte. Aber auf Dauer fühlte ich mich nicht genügend ausgebildet, und so bat ich im Generalvikariat um Stellenversetzung“, so Robert Lenfers. Dies erfolgte – ihm wurde die Leitung von Haus Hall angetragen. „Damals, 1971, lebten dort 520 Menschen mit Behinderung stationär“, so Robert Lenfers, der als Direktor viel veränderte. „Die Anlage wuchs in den 30 Jahren deutlich. Allein die Zahl der Mitarbeiter verdreifachte sich auf rund 900. Fast alle kannte ich mit Namen – das war mir wichtig“, so Robert Lenfers, der wochentags immer um 6.30 Uhr die Messe las und nach dem Frühstück um 8 Uhr ins Büro ging. „Auch als gutes Beispiel“, wie er sagt.

„Schönster Job, den der Bischof zu vergeben hat“

Neben den Veränderungen in baulicher, pädagogischer, organisatorischer und konzeptioneller Hinsicht bezogen auf Haus Hall engagierte sich Robert Lenfers auf Caritas-Diözesanebene, aber auch beim Caritas-Fortbildungsinstitut in Freiburg und im Bereich Pflegesatzverhandlungen mit den Krankenkassen. „Direktor von Haus Hall zu sein ist der schönste Job, den der Bischof von Münster zu vergeben hat“, fasst Robert Lenfers heute zusammen. 

2007 erreichten Robert Lenfers und seine Schwester Mechthild Lenfers nach zwölf über die Jahre verteilten Fußwallfahrtsetappen Santiago de Compostela in Spanien.

Auch Urlaub saß drin: In zwölf Etappen pilgerte er zusammen mit seiner Schwester Mechthild, die in Dülmen als Chirurgin im Krankenhaus arbeitete, nach Santiago de Compostela. Welche Bedeutung Robert Lenfers für Haus Hall hatte, zeigt sich darin, dass ihm zu Ehren zu seiner Verabschiedung von Haus Hall 2001 ein 280-seitiges, im Lambertus-Verlag Freiburg erschienenes Buch überreicht wurde. Darin Texte von verschiedensten Autoren aus ganz Deutschland über ihn und seine Arbeit. „Das hat mich bewegt“, freut sich Robert Lenfers.

Wasserspiel-Brunnen für ihn als Abschiedsgeschenk

Ein weiteres Geschenk, das er zum Abschied erhielt, ist ein Wasserspiel-Brunnen, der seit 2003 in seinem Wohn- und Arbeitszimmer in Coesfeld steht. Dabei handelt es sich um eine polierte Granitkugel mit aufmarkierten Erdkontinenten, die sich auf einem durch eine Pumpe erzeugten Wasserfilm dreht. „Das ist eine Nachbildung des Wasserspiels, das bei Haus Hall vor dem Hauptgebäude steht. Zu einem meiner Jubiläen dort hatte ich um Spenden für dieses Wasserspiel gebeten. In der großen Ausführung wiegt die Granitkugel 600 Kilogramm“, erklärt Robert Lenfers. Immer wieder muss das Wasser des Wasserspiels ergänzt werden. „Destilliertes Wasser – sonst gibt’s Kalkflecken.“

Gründungsvorsitzender der Bürgerstiftung Coesfeld

Als einer, der sich mit Stiftungen auskennt – das 1855 vom Bischof von Münster gegründete Haus Hall ist eine Stiftung – „sprach mich Heinrich-Georg Krumme vor einigen Jahren dann an in Sachen Bürgerstiftung Coesfeld. Und so wurde ich Gründungsvorsitzender der BürgerstiftungCoesfeld, die ich somit fünf Jahre leitete“, so Robert Lenfers. Ein Vorteil dabei: Seine vielfältige Vernetzung, auch als Mitglied des Rotary-Clubs Coesfeld, in den er bald nach seiner Ernennung zum Direktor von Haus Hall 1971 eingeladen worden war. Auf diese Weise kannte er Coesfeld und eine Reihe Coesfelder schon recht gut, als er 2001 mit 68 Jahren in den Ruhestand ging. „Die Gemeinde hier gefiel mir damals schon, und mit Johannes Hammans hatte ich schon gute Kontakte, weil wir mal überlegt hatten, ob das Haus Hall in Coesfeld einen Kindergarten eröffnet – was dann zu guter Letzt damals nicht in die Tat umgesetzt wurde.“

„Sich selber annehmen ist schon Dienst für Gott“

Was ihm wichtig ist? „Es hat Bedeutung, wenn ich mich mit meiner Person, meinem Können und meinen Macken annehme. Das ist auch ein Dienst für Gott, wenn ich mich selber annehme“, nennt Robert Lenfers eine seiner Grundauffassungen. Eine weitere Auffassung von ihm: „Mir persönlich hat der Pflichtzölibat nicht geschadet, vielmehr hat er mir für Arbeit in der Seelsorge freie Zeit gegeben, weil ich keine Familienpflichten hatte. Aber ich denke, die Kirche wird auf Dauer gut daran tun, den Pflichtzölibat abzuschaffen. Es wäre aber wünschenswert, wenn es weiter eine Wertschätzung freiwilligen zölibatären Lebens geben würde.“

Dankgottesdienst

Zur 60-jährigen Wiederkehr seines Weihetags lädt Robert Lenfers zur kirchenmusikalischen Andacht am Sonntag, 2. Februar, 16 Uhr, in die Pfarrkirche Anna Katharina ein. Unter der Leitung von Kantor Ralf Blasi werden Sänger und Instrumentalisten aus der Kantate 147 von Johann Sebastian Bach vortragen. Darin die Choräle „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ und „Jesus bleibet meine Freude“. Auch zum anschließenden Umtrunk im Pfarrzentrum lädt Robert Lenfers ein.

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