Interview mit Rosemarie Niemeyer, Norbert Hagemann und Margret Goß

„Projekt für Familien und die ganze Stadt“

Hatten die Idee, ein „Bündnis für Erziehung“ zu schaffen: Rosemarie Niemeyer (von links), Norbert Hagemann und Margret Goß (es fehlt: Lutz Wedhorn).

Coesfeld. 28 Einrichtungen aus Coesfeld haben sich jetzt zu einem „Bündnis für Erziehung“ zusammengeschlossen.

Kernziel ist es, Eltern in ihrem Erziehungsverhalten zu unterstützen und ihnen Tipps und Hilfen für eine liebevolle, richtungsweisende Kindererziehung zu geben. Die Idee, ein solches Bündnis zu schaffen, hatten die CDU-Ratsvertreter Rosemarie Niemeyer, Norbert Hagemann und Margret Goß sowie Lutz Wedhorn bereits vor über eineinhalb Jahren. Wie das Projekt ins Rollen kam und Schwierigkeiten die Initiatoren überwinden mussten, verrieten Rosemarie Niemeyer, Norbert Hagemann und Margret Goß im Interview mit Streiflichter-Mitarbeiterin Annika Bünder.

Streiflichter: Was gab den Ausschlag für die Überlegung, in Coesfeld ein „Bündnis für Erziehung“ zu initiieren?

Rosemarie Niemeyer: Der Ausgangspunkt war, dass heute einige Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder manchmal einfach überfordert sind. Wir haben uns damals mit Raymund Zapfe, der früher als Jugendamtsleiter in Haltern tätig war, zusammengesetzt und uns angehört, welche Probleme in Familien existieren. Zwar gibt es viele Angebote für Familien, aber gerade von Eltern, die bei der Erziehung Unterstützung bräuchten, werden diese oft nicht genutzt. Wir haben dann überlegt, wie ein Projekt aussehen könnte, das eben genau diese Familien anspricht.

Streiflichter: Und was genau ist jetzt das Besondere an dem „Bündnis für Erziehung“? Was unterscheidet das Projekt von anderen Angeboten zur Verbesserung der Erziehungsfähigkeit von Eltern?

Rosemarie Niemeyer: Das Projekt ist niederschwellig und präventiv. Niederschwellig, weil zunächst die Erzieher und Lehrer in Kindergärten und Kindertagesstätten sowie Schulen im Rahmen des „KESS“-Programms an fünf Abenden geschult werden. Dann wiederum trainieren die Erzieher und Lehrer mit Eltern, die Unterstützung bei der Erziehung brauchen. Das Projekt greift also direkt vor Ort und bei den Familien, die Bedarf haben. Präventiv ist das „Bündnis für Bildung“, weil wir die Eltern sehr früh erreichen. Es gilt: Je eher wir die Eltern ansprechen und helfen, ihre Kinder liebevoll und begleitend aufzuziehen, desto eher werden die Kinder selbstständig, selbstsicher und lebenstüchtig.

Streiflichter: Wie sind Sie denn vorgegangen, um das „Bündnis für Erziehung“ auf den Weg zu bringen?

Norbert Hagemann: Zunächst wurden Einzelgespräche geführt. Frau Goß ist in die Kindergärten und Kindertageseinrichtungen gegangen, Frau Niemeyer in die Schulen. Dort wurde den Leitern jeweils die Ideen für das Bündnis dargestellt.

Rosemarie Niemeyer: Und dann gab es zwei Veranstaltungen. Zunächst haben wir alle Erzieher eingeladen und nochmals in großer Runde über unser Vorhaben informiert, anschließend Vertreter der Schulen.

Norbert Hagemann: Dann mussten wir Sponsoren suchen, weil wir den Haushalt der Stadt schonen wollten. Das war gar nicht so einfach. Aber schließlich konnten wir die Sparkassenstiftung für das Projekt gewinnen.

Margret Goß: Als wir dann das Konzept für das „Bündnis für Erziehung“ beim Ausschuss „Jugend und Familie“ vortrugen, hat schließlich die Mehrheit zugestimmt. Viele Vertreter aller Parteien waren sich einig, dass das ein wichtiges Projekt ist.+

Rosemarie Niemeyer: Die Stadtverwaltung hat sich bereit geklärt, alle Kooperationsaufgaben zu übernehmen. Und die ganze Zeit über haben uns die Mitarbeiter der Familien Bildungsstätte sehr, sehr engagiert unterstützt – allen voran Ulrike Wißmann, die FBS-Leiterin. Die „KESS“-Schulungen werden übrigens auch in der FBS stattfinden.

Norbert Hagemann: Insgesamt war das ein sehr langer Weg, denn es gab einige Schwierigkeiten zu überwinden und wir mussten jede Menge Gespräche führen. Das war sehr zeitintensiv. Aber letztendlich hat ja alles gut geklappt.

Streiflichter: Was erwarten Sie jetzt vom „Bündnis für Erziehung“?

Rosemarie Niemeyer: Erstmal sind wir unheimlich froh, dass schon 28 Einrichtungen dem Bündnis angehören. Wir wollen aber ein noch größeres Netzwerk schaffen und weitere Institutionen und Einrichtungen für Kinder für das Bündnis gewinnen.

Margret Goß: Auf längere Sicht gesehen erhoffen wir uns auch, dass wir an anderen Stellen Einsparungen machen können – bei Heimplätzen, Beratungen und ähnlichem. Denn wir sind überzeugt davon, dass wenn wir die Erziehungsfähigkeit der Eltern stärken und damit die Grundlage für gesunde Elternhäuser schaffen, es weniger erzieherische Probleme sowie deren Folgen geben wird. Deshalb ist das „Bündnis für Erziehung“ ein Projekt für Familien und damit auch für die ganze Stadt.

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