Dechant Johannes Hammans hat „Post von St. Laurentius“ bekommen

Post aus dem Himmel, Abteilung Heilige

Coesfeld. „Himmel – Abteilung Heilige – Unterabteilung Märtyrer.“ Mit diesem Absender ist der Brief versehen, der am 1.

Dezember im Briefkasten von Pastor Johannes Hammans, Dechant der Anna-Katharina-Emmerick-Gemeinde, gelandet ist. Ganz offiziell verschickt, mit Briefmarke und Poststempel, hielt Hammans das Schreiben zunächst für einen ganz gewöhnlichen Brief – jedenfalls so lange, bis er den Inhalt des Umschlags in den Händen hielt. „Was der (Pastor Hammans) sich in den Kopf gesetzt hat, das zieht er auch durch, ohne Rücksicht auf Verluste“, heißt es da am Ende der ersten Seite.

Gekonnte Darstellung

der Umstrukturierungen

„Im ersten Moment habe ich gedacht: ‚Verdammt, das macht dich fertig‘“, erinnert sich Hammans an seine erste Reaktion. Da habe er die zwei dicht beschriebenen Seiten erstmal wieder in den Umschlag gesteckt und an die Seite gelegt. Zufrieden sei er damit aber nicht gewesen, schließlich war bereits klar, dass es um den Umbau der Anna-Katharina-Emmerick-Kirche (vorher St.-Laurentius-Kirche) und die Umstrukturierungen in der Gemeinde ging. „Ich habe den Brief dann doch wieder hervorgeholt und nach dem zweiten Lesen habe ich herrlich gelacht“, erzählt Hammans, wie es weiterging.

Denn derjenige, der sich da mit seiner Kritik an den Pastor gewendet hatte, war niemand anderes als der ehemalige Namenspatron der Kirche – der heilige Laurentius höchstpersönlich. Detailliert und auf höchst humorvolle und charmante Art und Weise beschreibt der Heilige, was im Moment viele Gemeindemitglieder beschäftigt: der Umbau der „alten“ Pfarrkirche in eine neue, modernere Version und damit verbunden die Umbenennung zur Anna-Katharina-Emmerick-Kirche.

„Plötzlich war ich abgesetzt, sang- und klanglos, obwohl ich ja ein Heiliger bin und Anna-Katharina ‚nur‘ eine Selige. Ich habe nichts gegen Anna-Katharina (sonst wäre ich ja kein Heiliger), aber ärgern tut es mich doch“, heißt es zu Beginn des Briefes. Erst aus der Kirchenzeitung habe er von den Maßnahmen erfahren, das Ganze sei eine Nacht- und Nebelaktion gewesen und auch St. Ludgerus, dessen Kirche abgerissen werden soll, sei zutiefst enttäuscht, heißt es weiter.

Der erste, der den Brief, nach Hammans in den Händen hielt, war Kantor Ralf Blasi. „Er war gerade bei mir und gemeinsam haben wir uns das Geschriebene auf der Zunge zergehen lassen“, so Hammans. „Da hat jemand auf wirklich gekonnte Art und Weise seine Kritik und seine Frustration zum Ausdruck gebracht“, lobt der Pastor. Seit Wochen versucht er inzwischen, den wahren Verfasser des Briefes ausfindig zu machen. In allen möglichen Gruppen der Gemeinde hat er davon erzählt, den Text vorgelesen und immer wieder auf eine verräterische Reaktion seiner Zuhörer gewartet. „Aber leider hat sich bisher niemand verraten“, schmunzelt Hammans. Vermutungen hat er schon so einige angestellt.

„Es muss auf jeden Fall jemand sein, der Ahnung hat, denn er kennt sich in der Gemeinde und in der Kirche aus. Außerdem muss der Verfasser humanistisch gebildet sein, weil er auch des Lateinischen mächtig ist“, verrät Hammans über seine bisherigen Überlegungen.

Erster Verdächtiger

hat sich nicht geoutet

Auch einen ersten Verdächtigen gab es schon, dieser habe sich aber auch auf konkretes Ansprechen nicht geoutet. Bis es weitere Hinweise gibt, geht die Suche wohl weiter.

Was demjenigen droht, der sich möglicherweise als Verfasser outen wird? „Meine absolute Anerkennung“, versichert Hammans. „Es ist klar, dass solche gewaltigen Umbrüche, wie wir sie in der letzten Zeit erlebt haben, immer auch mit Frustration und Trauer verbunden sind, aber hier hat jemand einen Weg gefunden, auf seine eigene Weise damit umzugehen. Er beschreibt, wie ihm das Leid abgeht, sich auf etwas Neues einzulassen und macht sich gleichzeitg dazu auf den Weg. Er ist ehrlich, bleibt dabei aber unheimlich charmant.“ Vielleicht droht dem Schreiber übrigens doch etwas: „Ich könnte mir vorstellen, dass uns jemand mit einem solchen Talent in Zukunft beim Pfarrbrief helfen könnte...“, überlegt Hammans.

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