Kulinarische Treffen des Internationalen Frauenforums im Pfarrzentrum Anna Katharina schlagen Brücken

Von Pörkölt und Pelmeni

Elisabeth Gasznar (Zweite von links) ist dieses Mal die Küchenchefin. Sie hat auch das ungarische Menü vorbereitet, das gemeinsam gekocht wird. Fotos: Anna Tiffe

Coesfeld. Der Geruch von deftigem Essen steigt in die Nase, wenn man an diesem Montag im Juni die Türen zum Pfarrheim der Anna-Katharina-Gemeinde in Coesfeld öffnet und die Räumlichkeiten betritt.

Frauen laufen geschäftig umher; einige wirbeln in der Küche, andere decken einen großen Tisch im Nebenraum. Hier und da kann man Gesprächsfetzen aufschnappen, nicht immer ist die Sprache Deutsch. Elisabeth Gasznar ist heute Küchenchefin. Die gebürtige Ungarin hat ein Menü mit Köstlichkeiten aus ihrem Heimatland zusammengestellt. Dieses Menü wird gemeinsam gekocht. Tisch- und Esskulturen kennenlernen – darum geht es bei dem Treffen, das vom Internationalen Frauenforum initiiert wurde und ein bis zwei Mal im Jahr stattfindet.

„Anfang 2014 haben wir mit der russischen Küche angefangen“, erzählt Ursula Bockhoff, Mitinitiatorin des Internationalen Frauenforums. Etwa 15 Frauen kommen hier zusammen, um gemeinsam zu kochen, sich auszutauschen und die Esskulturen anderer Länder kennenzulernen. Jedes Mal übernimmt eine andere Frau die Rolle der Küchenchefin, bereitet ein landestypisches Menü vor und leitet das gemeinsame Kochen.

„Diejenige, die dran ist, erzählt dann viel über das eigene Land“, sagt Bockhoff. „Russland und Ecuador waren zum Beispiel schon an der Reihe. Alle kochen zusammen, helfen schnibbeln, quatschen und decken den Tisch. Und man kann auch viel Spaß beim Zugucken haben“, schmunzelt Bockhoff. Dabei lernen die Frauen aus Coesfeld und Umgebung nicht nur landestypische Speisen kennen. Auch die Tischkultur ist nicht überall auf der Welt gleich. „Iraner zum Beispiel essen hauptsächlich mit Löffel und Gabel“, sagt Bockhoff.

Beim jüngsten Treffen wurden in der Küche des Pfarrheims zahlreiche ungarische Köstlichkeiten vorbereitet. Elisabeth Gasznar hat sich als Hauptspeise typisch ungarisches Gulasch – Pörkölt – mit Spätzle ausgesucht. „Es gibt auch Fleisch vom Rind, damit auch für die Musliminnen etwas dabei ist“, verrät Gaszmar. Auf solche Feinheiten muss beim Vorbereiten und Kochen geachtet werden, wenn viele Kulturen und Religionen vertreten sind.

Während sie kocht, gibt Gasznar einen Einblick in die Besonderheiten der ungarische Küche. „Es gibt Ähnlichkeiten mit der österreichischen Küche. Die Speisen sind sehr deftig, auch wenn immer viel frisches Gemüse verwendet wird.“

Wird es mal hektisch, dann wechseln die Köchinnen schon einmal in ihre Muttersprache. „Eigentlich soll aber Deutsch gesprochen werden“, so Bockhoff. „Sprache ist das A und O. Deshalb ist es wichtig, dass das, was in den Sprachkursen gelernt wird, auch angewendet wird.“ Dafür bieten die monatlichen Treffen des Internationalen Frauenforums beste Gelegenheit – auch wenn bei den ein- bis zweimal jährlich stattfindenden Koch-Treffen andere Sinne in den Vordergrund rücken, mit denen die fremde Kultur kennengelernt werden kann.

Ludmilla Tropmann hat Anfang 2014 ein russisches Menü für das erste Koch-Treffen zusammengestellt. „An erster Stelle steht in der russischen Küche, dass reichlich gekocht wird“, erzählt sie. „Ich habe russische Pelmeni zubereitet. Das sind Teigtaschen mit Fleischfüllung. Diese Speise ist beliebt – mittlerweile kann man Pelmeni sogar schon fertig im deutschen Supermarkt kaufen.“ Nach einem reichhaltigen russischen Essen kommen dann Tee, Kaffee und Gebäck auf den Tisch. Was Ludmilla Tropmann besonders wichtig ist: Gastfreundschaft. „Alle sind willkommen.“

Dass Zugang zu fremden Kulturen auch auf kulinarischem Gebiet möglich ist, das zeigen die Treffen. „Je besser man eine Kultur kennt, desto besser läuft das Zusammenleben“, sagt Ursula Bockhoff.

Das Koch-Treffen klingt in gemütlicher Runde an dem in den ungarischen Nationalfarben gedeckten Tisch bei frischem Pörkölt aus – und dann steht nur noch die Frage aus, welche Frau das nächste nationale Menü zusammenstellt.

Für Fragen steht Initiatorin Ursula Bockhoff unter Telefon (02541) 83628 zur Verfügung.

SL-Ausgabe vom 24.6.2015

Von Anna Tiffe

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