Plattdeutsch-Kurs für Kinder

Mit Omi up Platt küen

Der Heimatverein Lette bringt Kindern Plattdeutsch bei. [aF]Foto: Kübber[eF]

Coesfeld. „Gueden Dagg, wu geiht et di?“, fragt Felix in die Runde.

Die anderen Kinder am Tisch müssen nicht lange überlegen, was sie antworten sollen. „Mi geiht et guet!“, sagt jeder von ihnen sofort. Dann fragt jemand anderes, auf welche Schule die anderen gehen, was deren „Moder“ und „Vader“ machen und noch mehr. Smalltalk geht eben auch auf Platt. Fünf Kinder nehmen momentan am Plattdeutsch-Kurs für Kinder vom Heimatverein Lette teil. Neue Teilnehmer sind immer willkommen.

„Das Angebot besteht nun schon seit drei Jahren“, erklärt Maria Huda, die seit zwei Jahren den Kurs leitet. Der Kurs sei entstanden, weil der Heimatverein es sich zur Aufgabe gemacht habe, das lokale Kulturgut zu erhalten. „Solche Angebote sind wichtig, weil die Sprache im Alltag nur noch wenig gesprochen wird“, meint Huda, die viele Jahre an der Letter Grundschule unterrichtet hat.

Die Resonanz der Kinder ist sehr gut. Einige nehmen sogar an mehreren Kursen teil. „Ich bin seit zwei Jahren dabei“, erzählt die 11-jährige Pia. „Ich wollte mich mit meinen Großeltern auf Platt unterhalten können und das klappt auch schon ganz gut.“ Auch der 9-jährige Felix konnte sich schon mit seinem Opa auf Platt unterhalten. „Weihnachten habe ich Platt gesprochen!“, strahlt er. Der Schüler möchte auch weiterhin am Kurs teilnehmen, denn: „Es macht eigentlich alles Spaß!“ Und das ist auch das Ziel von Maria Huda. „Es gibt keine Hausaufgaben oder Vokabeln“, lacht sie. „Den Kindern soll es gefallen. Deswegen gibt es auch immer Phasen, in denen sie Malen können.“

„Kinder sollen Verständnis

für diese Zeit bekommen“

Besonderen Spaß haben die Kinder auch immer dann, wenn sie das Heimatmuseum besichtigen. Da der Kurs im Heimathaus Lette, in dem sich auch das Museum befindet, stattfindet, wird der Unterricht manchmal dorthin verlegt. „Wir sprechen immer wieder über die Geschichte von Lette und deshalb bieten sich die Besichtigungen des Heimatmuseums an“, meint Huda, die in Nottuln aufgewachsen ist. „Die Kinder sollen ein Verständnis für die Zeit früher bekommen.“ Deshalb werden im Unterricht auch Gedichte wie „De Kiepenkerl“ behandelt.

Maria Huda liegt viel daran, Plattdeutsch an jüngere Generationen weiterzugeben. „Das ist die Sprache unserer Vorfahren. Es wäre doch wirklich schade, wenn sie einfach so verschwinden würde. Außerdem finde ich, dass Plattdeutsch eine sehr schöne Sprache ist.“ Sie habe als Kind immer mit ihren Eltern auf Platt geredet. „Das verlernt man dann nie mehr!“, freut sie sich.

Der Rentnerin macht die Arbeit mit den Kindern viel Spaß. „Nachdem ich in den Ruhestand gegangen bin, wollte ich unbedingt noch etwas mit Kindern machen. Dieser Kurs ist die perfekte Möglichkeit dafür“, sagt die ehemalige Grundschullehrerin. Für den Kurs benutzt sie Materialien der Bezirksregierung Münster. Wegen der guten Resonanz gibt es mittlerweile sogar auch einen Kurs für Erwachsene, den Gerold Wilken leitet. Das Angebot von Maria Huda richtet sich an Kinder im dritten und vierten Schuljahr, die gerne Plattdeutsch erlernen möchten. Alle vierzehn Tage trifft sich die Gruppe dienstags von 16 bis 17 Uhr im Heimathaus Lette. Interessierte können sich bei Maria Huda unter (02546) 507 melden.

Einen ganz besonderen Grund, Platt zu lernen, weiß die 9-jährige Carolin: „Mama und Papa können nichts Geheimes mehr auf Platt reden, weil ich es jetzt verstehe!“, lacht sie und die anderen Kinder stimmen zu. 

 „Mönsterlänner Platt“Auch für Anfänger im Kaminzimmer des Heimathauses

Lette/Coesfeld. „Meiner Frau und mir macht es sehr viel Spaß und die Räumlichkeit ist schön im Heimathaus eingebunden. Man lernt die Sprache von Grund auf, weil wir auch entsprechendes Material haben“, so Heinz-Herbert Gausepohl aus Coesfeld zur Plattdeutschgruppe des Heimatvereins Lette, der sich außerhalb der Ferien in der Regel dienstags im Kaminzimmer des Heimathauses Lette von 19.30 bis 21 Uhr trifft. „Wir sind Herrn Wilken sehr dankbar, dass er das initiiert hatte und auch weiter begleitet.“ Als Standardwerk dient das Lehrbuch „Dat Mönsterlänner Platt“ von Rita und Rudolf Averbeck, ein Übungs- und Lesebuch mit Texten verschiedener Autoren aus dem Münsterland (einer davon ist August Wibbelt) mit einer verständlichen Grammatik, das auch für Interessierte ohne Plattdeutsch-Vorkenntnisse geschrieben ist. Gerold Wilken, Vorsitzender des Heimatvereins Lette, hatte die Idee zu diesen regelmäßigen Plattdeutschtreffen, die seit März dieses Jahren laufen. Er leitet die Gruppe, und auch seine Frau Christel ist aktive Teilnehmerin.

„Die Atmosphäre ist

locker und entspannt“

„Mein Anliegen war, dass die plattdeutsche Sprache lebendig gehalten wird“, erklärt Wilken seine damalige Intention zur Gründung. Man sei sehr flexibel und berücksichtige auch die Wünsche der Teilnehmer. „Geschichten verschiedenster Art, beispielsweise über Bräuche, Hobbys und auch Dönekes werden besprochen.“ Selbst das Buch „De Struwwelpeter“ wird bei Bedarf mal hervorgeholt, und andere Kleinschriften kommen ebenfalls zum Einsatz. Dabei ist die Atmosphäre locker und entspannt, und auch das Lachen kommt nicht zu kurz. „Wir lesen alles querbeet.“ Natürlich werde auch viel frei gesprochen und erzählt. „Beispielsweise berichtet jemand, was gemacht wurde oder erzählt aus dem täglichen Einerlei. Meistens sind wir sechs Personen.“

Interessierte können gerne noch hinzukommen, auch Jugendliche sind stets zu den Abenden willkommen. Die Teilnahme in dieser Gruppe ist gebührenfrei. Nähere Informationen sind bei Gerold Wilken unter der Telefonnummer (02546) 7206 erhältlich.

SL-Ausgabe vom 30.10.2013

Von Simon Lesting und Reinhold Kübber

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