Seniorchefin Edith Eckert-Richen hat 40-Stunden-Woche und vielfältige Aufgaben

Mit 71 noch am Schweißgerät

Die Aufgaben von Edith Eckert-Richen sind vielfältig und für eine Frau ungewöhnlich, zumal als Seniorchefin: So biegt die 71-Jährige noch Drähte, fährt häufig den Gabelstapler (siehe Foto) und arbeitet in der Pulverbeschichtung.

Coesfeld. Um 7 Uhr ist sie bereits in ihrer Firma.

Tag für Tag, manchmal auch samstags und sogar sonntags. Vielleicht nichts Ungewöhnliches für eine Frau. Ungewöhnlich jedoch ist, dass diese Frau bereits 71 Jahre alt ist. Und noch ungewöhnlicher ist wohl, dass sie als Seniorchefin des Familienbetriebs „Eckert Drahtwaren GmbH“ selber nicht nur als Gabelstapler-Fahrerin, sondern noch eine Vielzahl anderer Tätigkeiten verrichtet, beispielsweise als Drahtbiegerin und Schweißerin. Auch als Bürokraft, hier allerdings ohne PC-Bezug: „Der PC ist nicht meine Welt, da habe ich meinen Sohn für.“

Edith Eckert-Richen hatte die damals durch familiäre Fehlplanung angesammelten 1,5 Millionen DM Bankschulden der Firma mit eiserner Disziplin, enormem Fleiß und durch geschicktes Firmenmanagement wieder in die Gewinnzone gebracht.

Im Keller mit Heimarbeit

fing 1966 alles an

Sie erinnert sich für die Streiflichter, wie alles begann und sich entwickelte: „1963 haben wir gebaut, drei Jahre später dann in unserem Einfamilienhaus im Keller mit einem Elektroschweißgerät Türchen für Legehennenbatterien in Heimarbeit gemacht“, so die Seniorchefin. „Mein Ex-Mann war bei der Post, die Firma lief auf meinem Namen. Es kamen immer mehr Aufträge hinzu. 1974 sind wir dann ins Industriegebiet ‚Am Wasserturm’ gezogen. Von Anfang an war es mein Bestreben, die Firma aufrechtzuerhalten.“

Die Draht- und Blechverarbeitung stand zunächst im Produktionsmittelpunkt, unter anderem mit verzinkten und verchromten Käfigteilen und Entfettungskörben, wobei insbesondere für den Ladenbau und den Industriebedarf produziert wurde.

„Danach kam unser zweites Standbein hinzu. Seit 1991 sind wir in der Kunststoffbeschichtung für Ladeneinrichtungen tätig“, so die 71-Jährige. „Zuletzt kam als drittes Standbein der Vertrieb von Pokalen hinzu, außerdem Gravuren in allen Materialien und Textilbeschriftung mit Plottern und Sticken für Arbeitsmützen, Schutzwesten, beispielsweise für Firmen und Vereinslogos und Stickereien für Taufkleider.“

Die gelernte Verkäuferin, die gebürtig aus Essen stammt und nun immer noch als Allround-Frau tagtäglich ihren harten Dienst verrichtet, ist froh, dass sich ihre Firma diese drei Standbeine verschafft hat. „Dadurch haben wir uns in Krisenzeiten immer über Wasser halten können. Lief es mal in dem einen Bereich schlechter, konnte dies durch die beiden anderen ausgeglichen werden. Insbesondere die Kunststoffbeschichtung boomt.“ Edith Eckert-Richens Lieblingsspruch lautet: „Bewahr dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus geht das Leben.“ An diesen hält sie sich strikt. „Den hat mir mein Großvater Adam Becker, der Schmiedemeister war, mit auf den Weg gegeben. Das ist die Devise, mit der ich 71 Jahre gut durchs Leben gekommen bin. Da wir ein Familienbetrieb sind, ist es unsere Stärke, dass wir samstags und sonntags auch bei Termindruck hin und wieder arbeiten können, um unsere Kunden zufriedenstellen zu können.“ Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die agile Seniorchefin locker auf eine durchschnittliche Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche kommt.

Ihr tatkräftig zur Seite stehen in leitender Funktion Sohn Jochen, ein gelernter Werkzeugmacher, der seit knapp 20 Jahren das Familienunternehmen als Juniorchef führt, alle Vorrichtungen und Matrizen selbst fertigt und auch für den gesamten EDV-Bereich vom Angebot bis zur Rechnung zuständig ist, außerdem Tochter Ulrike Wilkowski als Teilzeitkraft für den Bereich Buchhaltung und Lohn- und Gehaltsabrechnung. Vier weitere Vollzeitkräfte und fünf Teilzeitkräfte komplettieren den Kleinbetrieb.

„Dreimal pro Jahr gönne

ich mir eine Woche Urlaub“

„Dreimal pro Jahr gönne ich mir jeweils eine Woche Urlaub“, erklärt Edith Eckert-Richen, die neben ihrem Hobby Reisen noch das Tanzen als Ausgleich zum stressigen Beruf ausübt. „Einmal monatlich gehe ich zur Volkstanzgruppe in St. Jakobi. Hinzu kommen öffentliche Auftritte.“ Doch damit nicht genug: Seit März ist sie Vorsitzende des Heimatvereins Coesfeld, dem sie seit 25 Jahren angehört, davon acht Jahre als stellvertretende Vorsitzende. Und: „Ich bin noch stellvertretende Vorsitzende der Senioren-Union der CDU in Coesfeld und Beisitzerin im CDU-Vorstand der Kreis- und Bezirkssenioren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare