Garten wird zur Horror-Show samt Zombies, Gespenstern und vielem mehr ...

„Nichts für schwache Nerven“

Coesfeld. Gedärme in Gläsern, abgehackte Finger, Grablichter, eine Guillotine und ein Sarg – das gibt es nur in Horrorfilmen? Wer dies denkt, der irrt sich gewaltig. Denn: In Coesfeld verwandelte sich am Halloween-Abend ein ganz gewöhnlicher Garten in eine Horror-Show ...

Noch ahnen die Kinder und Erwachsenen, die vor dem Gartentor warten, nicht, was sie dort drinnen erwartet. „Herzlich willkommen“, begrüßt Anton die Besucher mit krächzender Stimme. Er, in seiner Rolle als Verwalter des Anwesens, führt die Besucher über sein Grundstück. „Wir sind gerade erst neu eingezogen und konnten noch nicht alles Gerümpel unserer Vormieter beseitigen“, sagt er und zeigt verächtlich auf eine silberne Figur eines Hahnes, die in einem Blumentopf steckt. „Sie waren schrecklich gewöhnliche Leute“, ergänzt er. „Ihr werdet schon sehen, was wir aus dem Haus gemacht haben.“ Und schon öffnet sich das Gartentor und gibt den Blick frei auf einen Garten, der mit einem Garten überhaupt nichts mehr zu tun hat: Gräber, eine Guillotine, abgehackte Köpfe, Ratten und dazwischen geistern lebendige Zombies herum. Aus dem Garten ist ein Gruselkabinett geworden.

Geisterbahn-Feeling

mitten in Coesfeld

Seit zwölf Jahren ist dieses Halloween-Highlight ein echter Magnet für die Nachbarskinder im Süden Coesfelds. Damit die Besucherzahlen aber im Rahmen bleiben, soll der genaue Ort geheim bleiben. Einer der Gastgeber, am 31. Oktober als „der Tod“ verkleidet, berichtet von er Motivation, Halloween so zu zelebrieren: „Wir wollen Kindern und Erwachsenen ein besonderes Erlebnis schenken. Vor etwa zwölf Jahren klingelten an Halloween Kinder bei uns. Wir öffneten die Tür, gaben ihnen Süßigkeiten und sie erzählten uns, dass wir das erste Haus waren, das aufgemacht hat“, sagt „der Tod“. „Das fanden wir so traurig, dass wir uns gesagt haben: Im nächsten Jahr machen wir etwas Besonderes für die Kinder, die hier klingeln.“

Mittlerweile sind die Grusel-Gäste im Garten es Spukhauses angekommen. Gleich an der Pforte begrüßt ein Mann in langem dunklen Mantel die Gruppe. Sein Gesicht ist bleich, sein Mund zu einer Grimasse verzogen und auf seinem Kopf thront ein großer schwarzer Hut. In seiner Hand hält er einen langen Holzstab mit eingeschnitzten Totenköpfen. Wer das wohl sein mag? Noch ein Blick, schnell kommt die Erkenntnis: Dies ist der Tod. Er wird die Gruppe begleiten, still um sie herumschleichen. Ob man seinen Fängen noch entkommen kann? Doch die Besucher werden schnell aus ihren Gedanken gerissen. Plötzlich ertönt ein Schrei und rote Augen durchbrechen die Dunkelheit. Die Besucher zucken zusammen, bis sie erkennen, dass das nur eine kleine Puppe war.

Als die Aktion das erste Mal startete, packte gleich die ganze Familie mit an. Es wurden Requisiten gebaut, Schaufensterpuppen vorbereitet, Kostüme genäht und Geschichten ausgedacht. So entstand eine richtige Leidenschaft: „Andere schmücken ihr Haus zu Weihnachten, wir machen das zu Halloween.“ Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Garten wird zur Grusel-Show – „nicht nur Grusel, sondern Horror“, verbessert „der Tod“.

Nichts für schwache

Nerven

Weiter geht die Tour. Es geht vorbei am Hausmonster – zur Guillotine. Den Besuchern läuft ein Schauer über den Rücken. Auf dem Boden liegt schon „der Kopf“ (natürlich aus Plastik ...) eines früheren Opfers, von Ratten angefressen. „Der Vorbesitzer“, sagt Anton gleichgültig und deutet auf den Mann. „Er wird heute noch geköpft. Er war uns im Weg.“

Dass die Tour nichts für schwache Nerven ist, wissen die Gastgeber: „Hier haben sich auch schon Leute in die Hose gemacht“, schmunzelt „der Tod“. Deswegen dürfe auch kein Kind unter sechs Jahren an dem Rundgang teilnehmen. Trotzdem stehen die Nachbarskinder regelmäßig Schlange. Kein Wunder, bei dem, was geboten wird.

Das nächste Highlight der Gruseltour ist der „Leichenschmaus“ – ein Tisch, auf dem der „Kadaver eines Menschens“ liegt, samt Gehirn (Pudding) und Darm (Bratwurst ...). Echt ekelig sieht das trotzdem aus. „Sobald ihr weg seid, werden wir diese Leiche verspeisen“, verkündet Anton und hebt langsam eine Haube, die auf dem Tisch liegt. Heraus springt ein schreiender Zombie, der für den nächsten Schreck sorgt. Viel Zeit zum Erholen bleibt nicht. Anton führt die Gruppe zum ehemaligen Gartenhaus. Durch eine Scheibe erkennt man einen Sarg, in dem ein blasser Junge liegt. „Das ist mein Cousin Graf von Schreckenstein“, sagt Anton. „Er ist leider durch eine Silberkugel gestorben.“ Oder etwa doch nicht? Plötzlich kommt Leben in ihn, langsam setzt er sich auf und starrt die Besucher durchdringend an. Und der Spuk ist noch nicht vorbei: Hinter einem Vorhang springt ein Gespenst hervor.

Premiere für „den Graf von

Schreckenstein“

Nils, der Graf von Schreckenstein spielt, ist dieses Jahr zum ersten Mal als Darsteller dabei. „Es ist echt lustig, die Leute zu erschrecken“, sagt er grinsend. Auch Lea macht das Erschrecken Spaß. Sie ist der Zombie, der sich unter der Haube des Tisches versteckt, und vom vielen Schreien schon ganz heiser. „Ich mag Halloween sehr gerne und die Show macht mir immer wieder Spaß“, sagt sie. Aber sie erschreckt nicht nur gerne andere Leute, sondern wird auch gerne erschreckt: „Das ist immer so ein Nervenkitzel. Man weiß, dass es passiert, aber man erschrickt trotzdem.“

Am Ende der Tour führt Anton die Besucher zum Ausgang. „Durch das silberne Tor kommen Sie hinaus“, verabschiedet sich Anton. „Falls Sie es schaffen...“ Damit verlässt er die Besucher. Langsam, Schritt für Schritt, gehen diese auf das Tor zu. Spannung liegt in der Luft. Das war es doch noch nicht? Irgendetwas Unerwartetes wird bestimmt passieren. Richtig! Die ersten Besucher haben es bereits durch das Tor geschafft. Plötzlich springt „der Tod“ auf. Er hatte neben dem Ausgang gesessen und versperrt nun den Besuchern mit seinem Stock den Weg, doch natürlich schaffen es alle hinaus.

Trodzdem geht ein spürbares Aufatmen durch die Gruppe. „Das war richtig cool“, sagt der achtjährige Philipp, der sich mit seinen drei Freunden in den „Grusel-Garten“ wagte. „Am besten fand ich den Kopf, der aus dem Tisch kam“, ruft sein Freund Joris. „Und der elektrische Stuhl!“, ergänzt Moritz. Ob sie denn gar keine Angst hatten? „Nein, es war lustig. Nur manchmal habe ich mich erschrocken ...“

SL-Ausgabe vom 5.11.2014

Von Greta Lüking

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare