Projekt „KigaPlus“ nimmt Fahrt auf. Erste Anfragen für regelmäßige Randzeitenbetreuung

„Nicht alle haben Opa und Oma“

Ute Winkelhüsener (hinten links) und Patrizia Reykovski (rechts) stellen als pädagogische Fachkärfte eine qualifizierte Betreuung der Kinder innerhalb des Randzeiten-Projekts „Kiga Plus“ im Bewegungskindergarten St. Ludgerus sicher.

Coesfeld. Gestartet ist das Pilotprojekt offiziell im Januar 2014.

Innenminister Ralf Jäger zeichnete es wenig später bereits mit als „Innovationsidee 2013“ aus. Nun nimmt „KigaPlus“, das Kooperationsprojekt des Familienzentrums Anna Katharina, der Wirtschaftsförderung des Kreises Coesfeld (wfc), der Stadt Coesfeld und diverser Partnerunternehmen, tatsächlich Fahrt auf. „Im Mai ist die Spontanbetreuung für Kinder in Randzeiten nach 16.30 Uhr erstmals in Anspruch genommen worden, mittlerweile war dies drei Mal der Fall“, freut sich Gabriele Hürländer, die Verbundleiterin des Familienzentrums. Und, ebenfalls erfreulich: Für das Kindergartenjahr 2015/16 habe es schon erste Anfragen für eine feste Randzeitenbetreuung gegeben. Nun gibt es weitere Neuerungen: einen kostenlosen Bringdienst und günstigere Betreuungspreise.

„KigaPlus“ ist ein Betreuungsangebot für Kinder von null bis sechs Jahren. Wahrgenommen werden kann es von allen Eltern – vergünstigt von Beschäftigten der Partnerunternehmen und Projektförderer (siehe „Zum Thema“). Jeweils montags bis donnerstags von 16.30 bis 20 Uhr sowie freitags von 15.30 bis 20 Uhr bieten die Erzieherinnen Patrizia Reykovski und Ute Winkelhüsener im Bewegungskindergarten St. Ludgerus die Betreuung von bis zu neun Mädchen und Jungen an – unabhängig vom Wohnort und dem sonstigen Betreuungsplatz. Heißt: Auch Eltern, deren Kinder noch gar keinen Kindergarten besuchen oder zum Beispiel vormittags in einem anderen Kindergarten betreut werden, können auf „KigaPlus“ setzen, wenn die Familie kurz- oder mittelfristig für den späten Nachmittag die Betreuung mal nicht selbst sicherstellen kann.

Die Gründe dafür können vielschichtig sein: eine kurzfristig einberaumte Besprechung in der Firma, ein dringender Arztbesuch, ein Trauerfall oder eine akute gesundheitliche Beeinträchtigung zum Beispiel. „Nicht alle haben Opa und Oma, die schnell einspringen können, wenn es kurzfristig erforderlich ist“, sagt Ulla Sommer, die Leiterin des Bewegungskindergarten St. Ludgerus. Für alle Kinder innerhalb der Anna-Katharina-Gemeinde bietet das Familienzentrum neuerdings sogar einen kostenlosen Bringdienst (von Kindergarten zu Kindergarten) an.

Neben der Spontanbetreuung, die kurzfristig bei Anmeldung bis 12 Uhr noch für den selben Tag möglich ist, besteht auch die Möglichkeit einer regelmäßigen Randzeitenbetreuung – die etwa dann für Eltern relevant sein kann, wenn die berufliche Situation an einzelnen Tagen für eine Lücke zwischen Arbeitszeit und Kindergartenzeit sorgt.

„Wichtig ist uns dabei der Austausch mit den Eltern, um die individuellen Bedürfnisse des Kindes zu erfahren“, betont Ulla Sommer. Verbundleiterin Gabriele Hürländer macht deutlich: „Das Wohl des Kindes steht an erster Stelle. Eine Gesamtbetreuungszeit von mehr als 45 Stunden ist auch bei uns nicht möglich. Wir können die Betreuungszeiten aber so an den individuellen Bedarf anpassen, dass wir das Gefühl haben, dass es für das Kind eine gute Lösung ist.“ Hier sei einfach der Einzelfall zu prüfen. „Wir sind als Familienzentrum auch sehr eng mit den Coesfelder Tageseltern vernetzt. Auch die Betreuung durch Tageseltern kann eine gute Lösung sein“, so Hürländer. Das Kind täglich von 7 bis 20 Uhr im Kindergarten betreuen zu lassen, sei dagegen keine Option.

Für das Kindergartenjahr 2015/16 wurde die Randzeitenbetreuung nun mit ins Anmeldeverfahren aufgenommen. Erste Anfragen habe es schon gegeben.

Auf drei Jahre ist das Projekt „KigaPlus“ dank der Förderung angelegt. „In dieser Phase wird sich zeigen, ob das in Coesfeld dauerhaft möglich ist und ob es den Bedarf gibt“, sagt Gabriele Hürländer.

Tag der offenen Tür:

Sonntag, 23. November, von 15 bis 17 Uhr in drei Kindergärten der Anna-Katharina-Gemeinde: Herz Jesu, „Die Arche“ und St. Ludgerus. Im St-Ludgerus-Kindergarten stellen Mitarbeiter auch das Konzept des Projekts „KigaPlus“ vor.​

Zum Thema:

Partner und Förderer:

Kooperationspartner der Pfarrgemeinde Anna Katharina bei dem auf drei Jahre angelegten Projekt „KigaPlus“ sind die Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld (wfc), die Stadt Coesfeld, die Stadtwerke, J.W. Ostendorf, Parador, Scholz, Sparkasse Westmünsterland und VR-Bank Westmünsterland. Das Projekt ist für weitere Partner offen.

Randzeitenbetreuung:

Die Randzeitenbetreuung ist montags bis donnerstags von 16.30 bis 20 Uhr, freitags von 15.30 bis 20 Uhr möglich. Anmeldungen bei Gabriele Hürländer, Verbundleiterin Familienzentrum Anna Katharina, Telefon (02541) 2425, Mobil (1051) 42654434.

Spontanbetreuung:

Eine Spontanmeldung ist täglich möglich, auch kurzfristig, bei einer Anmeldung bis 12 Uhr sogar für den selben Tag. Anmeldung über den „Bewegungskindergarten St. Ludgerus“, Telefon (02541) 2142.

Kosten:

3 Euro pro Stunde für Kinder, deren Eltern Beschäftigte eines der Partnerunternehmen oder Projektförderer sind; sonst 5 Euro pro Stunde. Abgerechnet wird pro angefangenen 30 Minuten (die Mindestbetreuungszeit beträgt 30 Minuten).​

SL-Ausgabe vom 19.11.2014

​Von Raphael Haag

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