Lukas Kauling aus Coesfeld verbringt ein ökologisches Bildungsjahr auf Norderney

Nach der Schule Seeluft schnuppern

Die tägliche Aufgabe: Lukas Kauling dokumentiert die Arten des Seeplanktons in den Proben mithilfe eines Mikroskops.

Coesfeld/Norderney. Es riecht nach Seegras und Meerwasser, zahlreiche Mikroskope und Probegefäße markieren den Raum und inmitten dieser Utensilien, die der Gewässergütebestimmung der Nordsee dienen, sitzt Lukas Kauling vor einem sogenannten Titrator, mit dem er den Salzgehalt der Norderneyer Küstenregion bestimmt.

Für den Coesfelder ist diese Arbeitsatmosphäre zum Alltag geworden, denn seit Herbst 2010 befindet er sich in einem Institut der NNA-Alfred-Töpfer-Akademie auf Norderney, um dort ein freiwilliges ökologisches Jahr zu absolvieren.

Erfahrungen fernab

der Schule sammeln

Für den 20-jährigen, der im Juli 2010 erfolgreich sein Abitur erwarb, stand von vornherein fest, dass er nach der Schule erst mal etwas Abstand benötigt: „Ich wollte nach der 13-jährigen Paukerei endlich mal etwas Praktisches machen und ein paar Erfahrungen fernab von Schule oder Studenten-Campus sammeln“, sagt er. Daher machte er sich auf die Suche nach verschiedenen Angeboten, die sich speziell an Schüler richten, die zunächst einmal eine Auszeit nehmen wollen, in der sie sich beruflich orientieren können.

Bei seiner Suche stieß Lukas Kauling auf die Internetseite der NNA-Alfred-Töpfer-Akademie in Niedersachsen, die jährlich 230 Plätze für ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) in Norddeutschland anbietet. Lukas packte schnell das Interesse: „Ich fand die Idee, sich während eines ökologischen Bildungsjahres sinnvoll für den Naturschutz einzusetzen, klasse, vor allem weil ich mich auch zuvor schon immer für Biologie und Umwelt interessiert habe. So konnte ich nach dem Abitur eine Auszeit nehmen, dabei meine Interessen festigen und mich orientieren. Es stand relativ schnell fest, dass ich mich bei der NNA-Alfred-Töpfer-Akademie für ein FÖJ bewerben wollte.“

Den Hobby-Wassersportler

zog es ans Meer

Nur wo genau? Das wusste der Coesfelder zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, denn die Freiwilligen haben die Wahl zwischen 179  Arbeitsstellen in verschiedenen Teilen Niedersachsens.

Der suchende Blick des Hobby-Wassersportlers richtete sich besonders auf Stellen am Meer: „Ich wollte das FÖJ gerne mit dem Surfen in Verbindung bringen, sodass ich gezielt nach Orten in Küstennähe gesucht habe. Nach kurzer Zeit habe ich dann die FÖJ-Stelle auf Norderney entdeckt. Ich entschloss mich für eine von drei dortigen Arbeitsgruppen des NLWKN, des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Deren Leitaufgabe ist das  „Flussgebietsmanagement Übergangs- und Küstengewässer“. Im Fokus der Arbeit stehen dabei Langzeituntersuchungen zu ökologischen Veränderungen in Küstengebieten. „Alternativ hätte ich auch auf der Hallig Hooge in Schleswig Holstein arbeiten können“, merkt Lukas Kauling an. „Aber für mich bietet Norderney neben des interessanten Aufgabenfeldes auch den Vorteil, dass ich mich dort zusammen mit  meinem Freund Benedikt Küpers aufhalten kann, der zur gleichen Zeit seinen Zivildienst auf der Insel ableistet. So war schon mal sicher, dass ich nicht alleine war und eine Menge Spaß war vorprogrammiert.“

So bewarb sich der ehemalige Liebfrauenschüler im Februar 2010 bei der NNA-Akademie – und nach kurzer Zeit erhielt er die Bestätigung, dass er im Spätsommer desselben Jahres den Weg Richtung Insel antreten und seine Arbeit am 1. Oktober beginnen könne. „Natürlich war ich aufgeregt und ich wusste nicht zu 100 Prozent, was mich erwarten würde, aber die Vorfreude überwog, weil ich endlich mein Surfbrett im Dauereinsatz sah und mich wirklich auf das Inselleben freute“, schildert der 20-jährige die ersten Eindrücke nach der Bestätigung.

Nach einer Abschiedsfeier mit seinen Freunden begab sich Lukas Ende August auf die Insel und konnte dort sogleich in eine Wohnung einziehen, die vom NLWKN gestellt wurde, wovon Lukas sehr begeistert war: „Manchmal müssen sich die FÖJ-Teilnehmer die Wohnung auch auf eigene Faust suchen. Ich hatte einfach Glück, dass sie gestellt wurde, denn so blieb mir mancher Stress erspart.“ Nachdem der Coesfelder sich auf der Insel eingelebt hatte, begann wenige Tage nach seiner Ankunft die Arbeit im Labor  für Naturschutz auf Norderney, was nur wenige Meter von seiner Wohnung entfernt liegt.

Sofort musste Lukas

kräftig mit anpacken

Von Lukas wurde direkt ab der ersten Woche voller Einsatz verlangt: „Ich durfte von Anfang an kräftig mit anpacken und Proben analysieren. Der Aufgabenbereich ist ziemlich abwechslungsreich und ich war wirklich positiv überrascht.“ Vorrangig wirkt der ehemalige Biologie-Leistungskurs-Teilnehmer bei der Gewässergütebestimmung mit, wobei er einmal in der Woche Meerwasserproben von der Dauerstation am Hafen entnimmt und diese dann auf verschiedene Parameter analysiert: Er untersucht dann den PH-Wert, die Temperatur, die Salinität, den Clorophylgehalt und die Planktonarten der Proben im Labor und gibt sie in eine Datenbank ein, sodass später genaue Aussagen über die Gewässerqualität gemacht werden können. „Falls wir zum Beispiel eine erhöhte Salinität verzeichen, kann dies eventuell auf eine Verunreinigung der Nordsee durch Einspeisungen von Fabriken hinweisen oder wenn wir auf viele Schwermetalle stoßen, kann einer der Gründe im erhöhten Schiffsverkehr liegen. Falls sich also kritische Werte ergeben, senden wir, als Behörde, die Daten an umliegende Projekte, die sich dann weiter mit spezifischen Problemen beschäftigen und kritischen Probeergebnissen auf den Grund gehen“, erläutert der 20-Jährige das Konzept der Analysearbeiten.

Lukas hat mittlerweile schon ein richtiges Fachwissen rund um die Nordsee erworben doch auch für ihn war aller Anfang schwer – aber machbar: „Zunächst war alles ein wenig kompliziert, aber nach einiger Zeit bekam ich Routine und die Analyse lief sehr schnell ab. Im Frühling und Herbst fahren wir sogar mit einem Forschungsschiff auf die See und entnehmen Proben an weiteren 35 Stellen, die wir dann im Sommer und Winter analysieren. Das macht das Projekt ebenfalls sehr interessant, weil man viele unterschiedliche Arbeitsorte aufsucht und das Leben auf dem Schiff gehörte bisher zu meinen Highlights“, schildert der 20-jährige begeistert.

Ein weiteres Aufgabenfeld für ihn ist die Mithilfe bei der Kartierung des Seegrases. Dies sei sehr wichtig, um Veränderungen im Watt zu erkennen und festzuhalten. Hierbei müssen Lukas Kauling und seine Kollegen vom Flugzeug aus alle Seegraswiesen in einer Karte markieren. „Die Kartierung macht besonders Spaß, weil das Fliegen ein wenig Abenteuer mit sich bringt und man einen großen Teil der Nordsee aus der Luft sieht, was als normaler Tourist zum Beispiel unmöglich ist“, so der Ökologie-Interessierte.

Austausch mit anderen

Freiwilligen und Zivis

Auch mit den Arbeitsbedingungen ist Lukas sehr zufrieden: „Ich arbeite in einem guten Team aus Biologen, technischen Assistenten und Praktikanten. Die Arbeit beginnt um 7 Uhr und endet gegen 16 Uhr, sodass mir noch genügend Zeit bleibt, um nach der Arbeit noch eine Runde zu surfen oder um einfach das Strandleben zu genießen.“

Außerdem verbringt er viel Zeit mit anderen Freiwilligen und den Zivildienstleistenden auf der Insel, wozu auch ein weiterer Coesfelder zählt: Benedikt Küpers, der ebenfalls seit Oktober 2010 auf der Insel ist, um dort seinen Zivildienst im Seehospiz abzuleisten.

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