„Tanzen ist das Schönste!“

Moissi Prost macht einen langsamen Abgang als Tanztrainer

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Noch viel Tanzblut steckt in Moissi Prost. Mit seinen 74 Jahren möchte der Coesfelder als Tanztrainer deutlich kürzer treten.

Coesfeld. 45 Jahre trainierte Dieter Prost – vielen besser bekannt unter Moissi – die Tanzgarde des Allgemeinen Schützenvereins Lette. Jetzt tritt der 74-Jährige in die zweite Reihe zurück. Und überlässt den jungen Leuten Hannah Ahrberg und Monika Köhne den Vortritt. Seinen ehemaligen Tanzschülerinnen schenkt er vollstes Vertrauen. Moissi bleibt ihr Ansprechpartner. Seinen Abgang wollte er selbst bestimmen. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, so Moissi mit Blick auf sein Alter.

Seine Körpersprache und sein Gangbild verraten viel – vor allem eins: geboren, um Tänzer zu sein. Die Leidenschaft für den Tanz hat er von seiner Mutter mitbekommen. Als er sieben war, starb sie. Moissi wuchs bei seinen Großeltern mütterlicherseits auf. „Tu das, was du tun kannst“, hat seine Oma Paula Lamers ihm damals auf Platt gesagt. „Sie hat mich in meiner Begeisterung für den Tanz unterstützt“, betont Moissi. Der junge Coesfelder ging zum Ballett. Unvorstellbar!

Unvergesslich ist für ihn ist der Auftritt in der heutigen Bürgerhalle in Coesfeld. Damals fand dort einmal im Jahr ein bunter Nachmittag der Freilichtbühne Coesfeld stand. „Ich sollte einspringen beim Volkstanz ,Sauerländer‘, da war es um mich geschehen“, sagt Moissi mit leuchtenden Augen. Mit drei anderen Kumpels aus seiner Abschlussklasse ging er zur Freilichtbühne. „Sie war alles für uns“, so Moissi. Alles sog er auf wie ein trockener Schwamm: Sprachschule, Schauspielschule und vieles mehr. Lernte Menschen kennen, die in künstlerisch prägten wie Erika Benson. „Sie konnte Leute begeistern“, gestikuliert Moissi stark mit seinen Armen, als er dies sagt. Dieses Gefühl, für etwas zu brennen, vermittelte er auch in den vergangenen Jahrzehnten seinen zahlreichen Tanzschülern. „Ein Schauspieler hat die Sprache und Gestik, um zu zeigen, was er empfindet. Der Tänzer hat nur den Körper und die Mimik. Dabei muss er noch ein bisschen übertreiben, dass auch die letzte Reihe die Empfindungen erkennt“, so Moissi. Dabei lässt er nichts auf die Perfektion und die genaue Umsetzung seiner Choreographie kommen. Dies hat er sich von seiner damaligen Regisseurin Margarete Schmitt Jon abgeschaut. „Ihre Schule war eisern, aber vorteilhaft“, so Moissi.

Kfz-Mechaniker statt Berufstänzer geworden

Einfluss genommen auf sein künstlerisches Leben hat nicht nur sie, sondern auch sein Mentor Pieter van der Sloot. Dem Tänzer, Choreograf und Ballettpädagoge wurde 2001 für seine herausragende künstlerische und pädagogische Arbeit das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. „Ich sollte hauptberuflich Tänzer werde, hatte er mir geraten“, erzählt Moissi voller Stolz. Doch er entschied sich anders. „Es ist kein segensreicher Beruf und man wird schnell verheizt“, findet Moissi, der an der Freilichtbühne Coesfeld auch als Regieassistent fungierte. Statt hauptberuflich Tänzer zu werden, wurde er Kfz-Mechaniker.

Tanzen stand immer an erster Stelle

„Das Gemeine von mir war, dass das Tanzen immer im Vordergrund stand. Nicht immer schön, aber ich bin so gestrickt“, entschuldigt sich Moissi sich insbesondere bei seiner Familie. Seine Frau Marlies teilt seine Leidenschaft für Theater und Tanz. Die Kinder nicht! Zuviel Zeit hat ihr Vater aus ihrer Sicht für sein Hobby geopfert. Den Enkelkindern geht es anders. In der Rolle des Großvaters ist er ganz anders – weicher – geworden.

Videodreh mit Udo Lindenberg in Berlin

„Ich bin nicht harmlos gewesen“, gesteht Moissi und sagt: „Tanzen ist Disziplin!“ Dies haben die Mitglieder der Tanzgruppen, die er trainiert hat, hautnah erfahren. Neben der Tanzgruppe des Allgemeinen Schützenvereins Lette studierte er ab 1982 mit den Tänzerinnen der Tanzgarde der Karnevalsgesellschaft Die-La-Hei Choreografien ein. Im Laufe der 17-jährigen Tätigkeit blieb ihm ein Ereignis besonders haften. Die Begegnung mit Udo Lindenberg in Berlin. Kurz vor dem Mauerfall war die Tanzgarde der Die-La-Hei in Berlin. Hier lernten die Seniorinnen der Tanzgarde, gerade 15 Jahre und älter, den Manager des Musikers durch Zufall kennen. Sie erzählten, dass sie bei einem Video von Udo auftreten sollten, und der Manager vorbeikommen würde. „Gegen die jugendliche Euphorie anzukommen war nicht einfach“, erinnert sich Moissi, der seine Schützlinge vor Enttäuschungen bewahren wollte. Der Manager kam und das Video wurde gedreht. „Udo war für sie das Größte. Tanzen war Nebensache für sie“, so der Trainer, der über sich selbst sagt: „Singen kann ich nicht!“ Dabei schießt ihm direkt das Stück „Der Soldat Klaus“ der Freilichtbühne Coesfeld in den Kopf, bei dem er ein Solo singen sollte. Doch beim Lied „Frühtau zu Berge“ hatte er alleine keinen Ton hinbekommen. „Es war gewöhnungsbedürftig“, sagt Moissi über seine Sangeskunst.

Rhythmusgefühl ist das A und O beim Tanzen

Seine Stärke ist das Rhythmusgefühl. Und das sei das A und O beim Tanzen. Als Trainer sieht und sah er sich als jemanden, der Fähigkeiten aus seinen Schülern „kitzelt“. Jüngst beim Training der Tanzgruppe des Allgemeinen Schützenvereins Lette. Dort stiegen die Neuen bei einer Formation auf die Schultern der Älteren. Als diese Darbietung öffentlich gezeigt wurde und der Applaus kam, bekamen nicht nur die Tänzerinnen Gänsehaut, sondern auch Moissi. „Es ist der schönste Lohn!“

Das Männerballett in Goxel und auch die Jazztanz-Gruppe der VHS, die er seit Jahren betreut, wird er weiter trainieren. Mit ihnen möchte er alt werden!

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