Mitglieder des St.-Lamberti-Seelsorgeteams absolvieren Praktika in „normalen Jobs“

Angeleitet von Alexander Upgang, Leiter Abteilung Kleinteilefertigung und Azubi-Betreuer, arbeitete Daniel Gewand (links) an der Bandsäge und längte Vierkantstahlstäbe sowie U-Eisen ab.

Coesfeld. Seelsorge ist in den wenigsten Fällen körperliche Arbeit. Wie aber ergeht es Menschen, die viel körperlich arbeiten? Dies wollten neun Mitglieder des Seelsorgeteams der St.-Lamberti-Gemeinde in Erfahrung bringen. Unter der – auch ein wenig selbstironisch gemeinten – Überschrift „Endlich mal richtig arbeiten“ absolvier(t)en sie (Tages-)Praktika bei unterschiedlichsten Firmen und Unternehmen und schnupperten in „normale Jobs“ hinein.

Daniel Gewand, seit zwei Jahren Pastoralreferent in St. Lamberti, kommt aus einer Tischler-Familie. „Viel Handwerkliches habe ich früher aber nicht gemacht. Daher entschied ich mich auch für ein Tagespraktikum bei der Firma Krampe Fahrzeugbau“, erklärt er.

Am Mittwochmorgen um 9 Uhr, nach drei Stunden Praktikum, hat er im Industriepark Nord Westfalen, wo die Firma Kramper seit zehn Jahren ansässig ist, schon einiges vorzuweisen: Von Vierkanteisen hat er mit einer Bandsäge über 70 knapp zwei Meter lange Stäbe abgelängt und von U-Eisen rund 50 Träger für Anhäger-Unterfahrschutz abgesägt – inklusive zusätzlicher Gehrungsschnitte.

„Ich bin gerne Pastoralreferent. Aber das hier macht auch Spaß – man sieht, was man gemacht hat“, lacht der 35-Jährige, der bei seinem Praktikum von Metallbaumeister Alexander Upgang angeleitet und betreut wird.

Am Mittwoch ist er einer von zwölf Praktikanten während der Sommerferien in dem 100-Mann-Unternehmen. „Die anderen Praktikanten gucken sich den Betrieb an mit der Überlegung, hier eine Ausbildung zu machen“, erklärt Alexander Upgang. Dann zeigt er Daniel Gewand, wie er die Stahlstäbe mit einer Bandschleifmaschine entgratet. Später geht’s in den Fahrgestellbau und in die Endmontage. Hier zeigt Alexander Upgang Daniel Gewand, wo am fertigen Produkt die Teile, die er morgens konfektioniert hat, zu sehen sind.

„Hier bei Krampe ist das Praktikum nicht so stressig wie vor kurzem die Stunden auf dem Bierwagen beim Public Viewing während des Fußball-WM-Spiels Deutschland gegen Südkorea. Da hatten wir vor lauter Arbeit sofort nach Spielbeginn keine Chance, groß mal hochzugucken“, berichtet Daniel Gewand. „Vom Spiel habe ich daher nichts mitbekommen.“

Tagespraktikum als Gärtner

Der Pfarrdechant der St. Lamberti-Gemeinde Johannes Arntz absolvierte sein Tagespraktikum vor vier Wochen beim Gärtner Michael Horn in Billerbeck. Einen Tag lang half er bei der Pflege von Kindergartenaußenanlagen und dem Friedhof. „Das war auf jeden Fall eine ganz tolle Aktion“, zeigt sich Arntz begeistert. „Ich habe viel gelernt, zum Beispiel, wie man rückenschonend fegt.“ Außerdem war es für den Pfarrdechant eine ganz neue Erfahrung, den ganzen Tag körperlich zu arbeiten: „Abends war ich wirklich platt und hatte keine Energie mehr, um noch was anderes zu machen.“ Insgesamt haben neun Mitglieder des Seelsorgeteams St. Lamberti jeweils mindestens ein Tagespraktikum absolviert.

Ein Tag in der Apotheke

„Man muss auf jeden Fall sehr genau und sorgfältig arbeiten“, erzählt Pastoralreferentin Christiane Mussinghoff, die für einen Tag hinter die Kulissen der Adler-Apotheke schaute. „Hinter dem Beratungstisch passiert noch viel mehr, das man üblicherweise nicht sieht.“ Im Labor stellt das Team der Adler-Apotheke Medikamente nach Rezeptur zusammen. „Wir haben gerade zum Beispiel eine Salbe für ein Kind, das Neurodermitis hat, angerührt“, so Mussinghoff. Besonders beeindruckt sei sie davon, wie vielseitig der Arbeitsplatz Apotheke sei. „Man hat mit technischen, chemischen und wirtschaftlichen Aspekten zu tun. Die Arbeit ist also sehr abwechslungsreich – genau wie die einer Pastoralreferentin.“

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