Coesfelder Bruder Otto erhält Unterstützung für sein Projekt von der Kolpingsfamilie

Missionar in Papua-Neuguinea

Bruder Otto vor über 40 Jahren in seiner Anfangszeit in dem Ort Mingede in Papua-Neuguinea.

Coesfeld. Es duftet nach Erdbeerkuchen und frisch gebrühtem Kaffee, dort, wo die fünf Kolpingbrüder und -schwestern gemütlich beisammen sitzen.

Unter normalen Umständen wären sie jetzt sicher fleißig bei der Arbeit für die Kolpingsfamilie Coesfeld-Zentral. Doch heute machen sie aus zwei guten Gründen eine Ausnahme: ein ganz besonderes, gutes Werk haben sie kürzlich erst vollbracht. Dass Bruder Otto mit am Kaffeetisch sitzt, hängt unmittelbar damitmen.

Das besondere Werk, für das sich die Kolpingsfanilie eingesetzt hat, kommt nämlich Bruder Otto zugute, der als Missionar des Steyler-Ordens im Hochland von Papua-Neuguinea tätig ist. Dort betreut der 74-jährige gebürtige Coesfelder eine Autowerkstatt, in der Einheimische in handwerklichen Tätigkeiten ausgebildet werden. „Unsere Arbeit ist sehr vielfältig“, erklärt Bruder Otto, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Helmut Vennebörger heißt. „Wir haben sowohl Schreiner als auch Schlosser in unserer Werkstatt und bauen im Grunde alles, was im Dorf gebraucht wird.“

Wenn er von seiner Tätigkeit in seiner Missionsstation, errichtet auf 1 500 Höhenmetern und als die erste im Hochland, bleibt kein Zweifel, dass er sich keine schönere Beschäftigung vorstellen kann. „Die Arbeit, die wir dort verrichtet, ist nicht zu vergleichen mit der, die in den Werkstätten hier gemacht wird.“ Alles werde von Hand produziert, wenngleich auch ein paar Maschinen zum Einsatz kommen. Ausgerechnet eines dieser Geräte ging kürzlich kaputt, Ersatzteile waren auf Neuguinea nicht zu bekommen. Die benötigte Hilfe kam dann aus Coesfeld.

„Solche Werkzeuge stehen

bei uns im Museum!“

Obwohl Bruder Otto seit 46 Jahren in Neuguinea lebt und nur alle vier Jahre für drei Monate Heimaturlaub macht, ist der Kontakt zu ehemaligen Schulkameraden und daheim gebliebener Verwandtschaft noch sehr eng. Und eben durch diese Freunde und Bekannte hat der Missionar einen engen Kontakt auch zur Coesfelder Kolpingfamilie. Zum Beispiel zu deren Kassierer Josef Koners, mit dem er gemeinsam die Volksschule St. Jakobi (Overbergschule) besuchte. Oder mit Pressewart Heinrich Wenzel. „Da Bruder Otto ein Cousin meiner Frau ist, stehen wir in regelmäßigem Kontakt“, berichtet Wenzel. „Zufällig unterhielten wir uns über seine Werkstatt und ich erkundigte mich nach der Ausstattung dort. Da erzählte er mir von der reparaturbedürftigen Maschine und dass sie stattdessen mit der Handblechschere arbeiteten.“ Man könne sich kaum vorstellen, was für eine mühselige Arbeit das sei mit so einem „Ding“. „Werkzeuge wie eine solche Schere, mit denen sie in Neuguinea arbeiten, die stehen bei uns im Museum!“

Damit war gleichsam der Startschuss für Heinrich Wenzel gesetzt, sich der Sache anzunehmen und Ersatzteile für die Maschine zu beschaffen. Die Suche gestaltete sich nicht ganz einfach, da solche Teile kaum noch zu bekommen seien. Aber im Internet wurde Wenzel dann fündig. „Es war ein solches Glück, dass er sich auf dem Gebiet so gut auskennt“, wirft Bruder Otto ein. „Naja“, erwidert Wenzel bescheiden, „ich hab mich halt dahinter geklemmt …“

Mit Erfolg! Nachdem das passende Utensil gefunden war, beriet der Vorstand der Kolpingsfamilie. „Es wurden 161 Euro benötigt“, so Josef Koners, Kassenwart der Kolpinggesellen und ehemaliger Schulkamerad von Bruder Otto. Finanziert werden sollte dies aus den Erlösen der Altkleider und Altpapiersammlungen für „Eine Welt“, deren Spenden normalerweise überwiegend nach Ghana gehen. Diesmal machte der Vorstand eine Ausnahme. „Die Spende wurde bejaht – natürlich nur mit Zustimmung der Chefin“, grinst Koners und blickt in Richtung der 1. Vorsitzenden Hedwig Blome.

„Es ist schön, wieder einmal hier zu sein und ich bin sehr glücklich über die Spende“, freut sich Bruder Otto. Sie sei in erster Linie der Anlass seines Besuchs in der „Kolping-Kaffeetafel“, um „Danke zu sagen“.

Praktischer Einsatz lag

Bruder Otto am Herzen

Dass er damals, 1964, nach Papua-Neuguinea kam, war eigentlich nur Zufall. Ursprünglich wollte ich nach Bali, wurde jedoch nicht dafür bestimmt.“ Im folgenden Jahr habe er sich dann erneut für die Missionierung beworben, allerdings ohne ein Land anzugeben. „Als Missionar ist man bereit, in jedes Land zu gehen.“ So kam er nach Mingede. „Eigentlich war es perfekt. Englisch hatte ich bereits in der Schule gelernt und somit war die Sprache keine Hürde für mich.“

Auch mit der dort gesprochenen Umgangssprache „Pidgin“ kam er schnell zurecht. All die übrigen circa 800 Sprachen der einzelnen Dörfer Papua-Neuguineas spreche er allerdings noch nicht, sagt er und lacht. Als Bruder Otto vor fast 50 Jahren in seiner Missionsstation ankam, „wollten sie mich in die Verwaltung stecken. Aber ich habe um einen praktischen Beruf gebeten, da mir das sehr viel mehr liegt“, erinnert sich der 74-Jährige. Diesen Gefallen tat man ihm. So konnte er die Arbeit auf handwerklich-praktischem Gebiet, wie er sie mit der Gesellenprüfung zum Bauschlosser in der Heimat schon begonnen hatte, in seiner Missionarstätigkeit weiterführen und im Laufe der Jahre die Werkstatt mit ihren zwischen zehn und 15 Beschäftigten aufbauen. Unter ihnen sei auch eine Frau. „Sie ist für das Schriftliche zuständig“, sagt Bruder Otto. „Richtet sie dir nicht auch eine E-Mail-Adesse ein?“, fragt Wenzel und schmunzelt dabei. „Mit den Computern ist es dort schwierig“, weiß Bruder Otto – und erinnert sich an die Briefwechsel von früher, bei denen es häufig bis zu zehn Wochen dauerte, dass ein Brief überkam.

Ansonsten sei Papua-Neuguinea ein Land, „das in jeder Hinsicht gesegnet ist. Es gibt Küsten, Berge, Flüsse und Seen. Alles nah beieinander“, schwärmt der Steyler-Missionar. Das Klima sei dort wie hier im Hochsommer und in den Nächten kühle es angenehm ab im Hochland. Er erklärt: „Wir brauchen dort keine Vorräte, da alles im Garten wächst und man es frisch vom Feld holen kann.“ Trotzdem sei das Leben dort noch recht primitiv.

Arbeitslosigkeit und

hoher Drogenkonsum

Seit der Unabhängigkeit des Staates 1973 und der vollen Souveränität 1975 komme es in Papua-Neuguinea immer häufiger zu Stammeskämpfen, berichtet Bruder Otto und hält kurz ein. Brennende Häuser seien dabei nicht selten. „Es gibt heutzutage – leider – keine Stammesführer mehr, jeder ist sein eigener Führer und alle bekriegen sich gegenseitig.“ Es gebe zwei weitere schwerwiegende Probleme: Zum einen die hohe Arbeitslosigkeit. „Die Kinder gehen zwar in die Schule und bekommen eine gewisse Bildung, aber es ist einfach keine Arbeit da – in den Großstädten wie Port Moresby noch weniger als in den Dörfern.“ Zum anderen das Marihuana, das dort „wie Unkraut“ wachse. Vor allem Jugendliche verfielen der Droge vielfach.

Trotzdem oder gerade deshalb erfüllt Bruder Otto die Tätigkeit als Missionar in diesem Land so sehr, in seiner Werkstatt, die den Einheimischen eine Zukunft bietet. Man merkt ihm aber an, wie sehr er es genießt, alte Freunde und Bekannte wieder zu treffen, vor allem bei so köstlichem Erdbeerkuchen. „Ich möchte hier entspannen und neue Kräfte sammeln.“ Das deutet schon an: An Ruhestand in Deutschland denkt er nicht. Er möchte die neuen Kräfte nutzen, um noch etwas zu bewegen in Papua-Neuguinea.

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