Die Pfarrgemeinden St. Lamberti, Anna-Katharina und St. Johannes haben Messdienerzuwachs bekommen

„Ministrantendienst ist keine Männerveranstaltung“

Im Advent wurden in der Anna-Katharina-Gemeinde wieder viele neue Messdiener und Messdienerinnen eingeführt. Mit im Bild drei Gruppenleiterin und Kaplan Fabian Tilling (obere Reihe, links).

Coesfeld. „Mir fällt kein Argument ein, das dagegen sprechen könnte, dass Frauen und Mädchen Messdienerinnen werden sollten“, sagt Fabian Tilling.

Er ist Kaplan der Coesfelder Anna-Katharina-Gemeinde und kann sich nicht viele Argumente dafür vorstellen, dass Frauen bis vor etwa einem Vierteljahrhundert nicht zum Ministrantendienst zugelassen wurden. Bleibt die simple Vermutung: „Vielleicht konnte man sich nichts Neues vorstellen.“

Auch Walbert Nienhaus, Pastoralreferent in der Gemeinde St. Lamberti, hat eine Vermutung, wieso Mädchen und Frauen erst vor etwa 25 Jahren Messdienerinnen werden durften. „Eventuell wurde anfänglich die Gefahr gesehen, dass die Jungenarbeit verdrängt werden könnte. Oder dass die Mädchen den Dienst besser machen könnten“, sagt Nienhaus – nach jahrelanger Erfahrung kann er die vermeintlichen Sorgen und Ängste nicht bestätigen. „Frauen und Mädchen haben die männlichen Messdiener nicht verdrängt. Zusammen leisten sie einen guten Dienst.“

In der Pfarrgemeinde St. Johannes in Lette unterscheidet sich die Gruppenzusammenstellung der Messdiener von anderen Gemeinden. „Wir haben stets gemischte Gruppen. Das ist ein bewusster Ansatz“, sagt Markus Lammerding. Er ist Messdienerleiter und Mitglied im Vorstand der Gemeinde – und er hat schon einige Jahre Messdienerarbeit in St. Johannes miterlebt. Das Konzept der gemischten Gruppen habe nur positive Effekte.

Verteilung in Lette schon

lange bei 50 zu 50

Aber wie war die Situation vor etwa einem Vierteljahrzehnt, als Ministrantinnen im Kreis Coesfeld Region Einzug in die katholischen Kirchen erhielten? Obwohl die Aufzeichnungen über die Messdienerzahlen in St. Johannes nur zehn bis fünfzehn Jahre zurückreichen, kann Markus Lammerding sagen: „Die Verteilung der Frauen und Männer ist seit Ende der 1980er Jahre etwa gleich. Ungefähr im Verhältnis 50:50.“

Natürlich habe es seit Beginn des Messdienerinnendienstes auch Schwankungen gegeben, trotzdem bestätigt auch Nienhaus diese Einschätzung: „Mal gibt es einen Jahrgang, bei dem ein Drittel Mädchen und zwei Drittel Jungen Messdiener werden. Aber insgesamt gab es etwa gleich viele Mädchen und Jungen im Ministrantendienst.“ Aufgrund der Schwankungen in den Jahrgängen sei keine Tendenz zum Jungen- oder Mädchenüberschuss abzulesen, sagt auch Fabian Tilling.

Im Jahr 2012 zum Beispiel durfte sich die Anna-Katharina-Gemeinde über 41 neue Messdienerinnen und Messdiener freuen. „Davon sind 27 Jungen und 14 Mädchen.“ Insgesamt sind in der Pfarrgemeinde 173 Messdiener tätig. 77 Frauen und 96 Jungen übernehmen den Dienst am Altar. 13 Messdienerinnen und Messdiener haben im Jahr 2012 den Dienst in St. Johannes begonnen. „Da gibt es eine ausgeglichene Verteilung“, weiß Markus Lammerding. Und nicht nur hier sei die Verteilung ausgeglichen - sondern auch in der Leiterrunde der Gruppenstunden.

Auch die Gruppenleiterrunde der St.-Lamberti-Gemeinde hat etwa gleich viele Mädchen wie Jungen in ihrer Mitte. „Insgesamt gibt es in unserer Gemeinde rund 140 Messdienerinnen und Messdiener. Davon sind 80 Jungen“, sagt Walbert Nienhaus. In den vergangenen Jahren konnte die Gemeinde St. Lamberti sich jährlich über einen Messdienerzuwachs von rund 15 Kindern freuen.

„Sie machen die

Messen feierlicher“

Freuen deshalb, weil Messdienerinnen und Messdiener für die Gemeinden sehr wichtig sind. „Sie machen die Messen feierlicher“, erzählt Kaplan Tilling. „Und die Kinder sind motiviert. Sie erleben Gemeinschaft in der Messdienergruppe.“

Außerdem stehe nicht nur der Dienst am Altar im Vordergrund, sondern auch die Jugendarbeit, so Nienhaus. „Und nicht zuletzt wächst dabei auch die persönliche Spiritualität als Messdiener.“ Dass die Jugendlichen stets sozial engagiert sind, haben sie am Wochenende bewiesen: Da fanden die Sternsingeraktionen in den Gemeinden statt. Nienhaus: „Die Jugendlichen sind hoch motiviert, etwas für andere Jugendliche zu tun. Da sage ich nur: Hut ab!“ Und Markus Lammerding findet: „Es ist super, dass das Ganze nicht mehr nur eine Männerveranstaltung ist!“

Streiflichter-Ausgabe vom 9.1.2013

Von Anna Tiffe

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