Markus Köchling: "Die Zoowelt ist mein Zuhause!"

Auf einer seiner zahlreichen Reisen besuchte Markus Köchling auch ein Artenschutz-Projekt in Kenia. Artenschutz liegt dem 26-Jährigen sehr am Herzen. Zoos leisten dazu einen großen Beitrag. „Gäbe es noch keine Zoos, müsste man sie dringend erfinden“, stellt er fest.

Coesfeld. Mit erhobenem Daumen und breitem Grinsen posiert Markus Köchling neben einer Transportbox für die Kamera. Aus der Transportbox reckt die scheinbar ebenfalls gut gelaunte weiße Trampeltier-Stute Leila ihren Kopf in Richtung des Fotografen. Ein Schnappschuss, den der gelernte Tierpfleger gern mit seinen Freunden auf Facebook teilt. „Guten Morgen aus Würburg“, wünschen er und das Trampeltier – seine Freunde zeigen sich begeistert. Wie immer, wenn er Erfahrungen aus seiner Arbeitswelt in dem Sozialen Netzwerk teilt. „Wo soll´s denn hingehen?“, „Gute Fahrt!“ und „Ihr könnt ja einen Zwischenstopp bei mir einlegen“ sind normale Reaktionen auf diese Bilder. Das ist so, weil Markus Köchling den Beruf ausübt, den bestimmt viele seiner Freunde früher als Kind als ihren Traumjob betrachtet haben. Er ist Tierpfleger im Zoo – und noch einiges mehr.

„Eigentlich habe ich zwei Vollzeitjobs“, erzählt der gebürtige Coesfelder. Zum einen ist er im Erlebnis-Zoo Hannover als Tierpfleger tätig und hier für den Afrika-Bereich mitverantwortlich. Zum anderen hat er sich in den letzten Monaten eine eigene Firma aufgebaut: Zoo- und Tierparkservice Markus Köchling.

Köchling führt nicht nur Tiertransporte durch

Die Aufgaben dieser Firma sind es, die ihn mit einem Trampeltier auf einen Autobahnparkplatz bringen. Er pendelt ständig zwischen Hannover, Coesfeld und all den Orten, an denen seine Hilfe gebraucht wird hin und her. „Man kann eigentlich sagen, dass ich die meiste Zeit auf der Autobahn im Stau verbringe“, lacht der 26-Jährige.

Im März war Markus Köchling mit Kamelstute Leila unterwegs – bei einer Pause gab es für ihn Kaffee und für sie etwas Heu.

Mit seinem eigenen Unternehmen führt Köchling hauptsächlich Tiertransporte durch. So hat er Trampeltier Leila zum Beispiel Anfang März vom Kamelhof Sternberger Burg, der bei Schwerin liegt, quer durch das Land bis ganz in den Süden Deutschlands zum Bodensee-Zoo gebracht. Mit dabei war ein Freund von ihm. „Viele meiner Freunde finden meinen Job total interessant und kommen gerne mal mit“, zeigt sich Köchling erfreut. Außerdem lässt sich so die Arbeit mit dem Vergnügen verbinden: „Nachdem wir das Kamel beim Zoo abgeliefert hatten, haben wir noch zwei Tage Snowboard-Urlaub in Österreich gemacht.“

Doch Markus Köchling bietet seinen Kunden noch viel mehr als nur Tiertransporte an. „Neben den europaweiten Tiertransporten mache ich zum Beispiel auch ein bisschen im Bereich Zoodesign. Ich gebe Ideen für die Gestaltung von Gehegen und plane diese in Zusammenarbeit mit den Zoos und Architekten“, so der junge Unternehmer. Außerdem sieht er sein Unternehmen als eine Art Börse. „Zoo A ruft bei mir an und sagt, dass sie bestimmte Tiere gerne abgeben wollen, und Zoo B meldet sich, um zu erfahren, wo sie genau solche Tiere gerade bekommen können. Ich bringe die beiden dann zusammen“, beschreibt Köchling. So habe er sich bereits ein sehr großes Netzwerk aufgebaut. „Das ist auch total wichtig. Ich kann so sehr gut zwischen den Zoos vermitteln und eine Kontaktstelle sein“, weiß er. Darüber hinaus bietet er noch Futtermittelberatung, Unterstützung bei der Zuchtplanung, betriebswirtschaftliche Beratung, Schulungen im Bereich Arbeitssicherheit, Beratung bei Kommunikations-Maßnahmen und Hilfe bei Artenschutz-Projekten an. Doch sein Geschäftsfeld ist nicht fest abgesteckt. „Die Zoos kommen immer wieder mit neuen Aufgaben und Problemen auf mich zu und ich bemühe mich dann, diese zu lösen“, freut sich der Coesfelder. So entwickle sich der Aufgabenbereich seines Unternehmens immer weiter. Ein großes Anliegen ist ihm der Artenschutz. Deshalb ist er auch Mitglied in der ZGAP.

Doch wie ist er eigentlich dort hingekommen? Schon früh wurde sein Leben durch die Nähe zum Tier geprägt. „Meine Großeltern hatten einen Bauernhof und mit meinem Vater und meinem Bruder habe ich Kaninchen gezüchtet“, berichtet Köchling. Noch heute ist er für die Pressearbeit des Coesfelder Kaninchenzuchtvereins verantwortlich. „Außerdem hatte ich in meiner Jugend eigentlich alles an Tieren, das man sich kaufen kann“, lacht er rückblickend. Der Wunsch Tierpfleger zu werden, habe daher schon seit frühesten Kindertagen bestanden. „Und da gab es auch wirklich nie ein Fragezeichen!“ Mit 16 ist Köchling dann nach Wuppertal gezogen, um dort seine Ausbildung zum Tierpfleger zu machen. „Ich hätte nach meinem Hauptschulabschluss auch weiter zur Schule gehen können, aber ich wusste ja schon ganz genau, wohin ich will“, erklärt er. Nach der Ausbildung arbeitete er im Zoo in Metelen und wechselte dann nach Hannover und war dort für die Elefanten verantwortlich. Um seinen Meister zu machen, ging er 2012 für drei Jahre nach Berlin.

Dass er nun auch mit seinem eigenen Tierpark-Service Erfolg hat, hat er vor allem seinem Drang zu verdanken, immer wieder Neues zu lernen. „Ich habe auf eigene Kosten sehr viele Fortbildungen verschiedenster Art gemacht“, erzählt der 26-Jährige. So sei er auch befugt, Tiere mit einem Blasrohr in Narkose zu schießen. Mittlerweile kann er sich Bachelor Professional of Animal Care and Management nennen. „Während ich meinen Meister gemacht habe, habe ich bei mehreren Tiertransporten ausgeholfen und konnte so viele Erfahrungen sammeln“, sagt Köchling. Die Idee, diesen Service selbst anzubieten, sei dann recht schnell entstanden.

Bei seinen zwei Jobs bleibt ihm kaum Freizeit

Auch im Kreis Coesfeld ist Markus Köchling gefragt: In Havixbeck kümmerte er sich im letzten Jahr zum Beispiel um einen wilden Hengst. „Er war so wild, dass da kein Tierarzt mehr dran wollte“, erinnert er sich. „Ich habe ihn dann in Narkose geschossen und ihm die Hufe gemacht.“ Welchen Service er bietet, zeigt auch ein Beispiel, das er scherzhaft als „Erdmännchen-Parship“ bezeichnet. „Ein Stammkunde hat mich gefragt, ob ich ihm ein paar männliche Erdmännchen für seine Zuchtgruppe besorgen kann“, meint Köchling. „Und ich wusste, dass die Erdmännchen im Tier- und Freizeitpark Gut Eversum bei Olfen Nachwuchs bekommen hatten. Also bin ich hingefahren, habe das Geschlecht der Jungtiere bestimmt und zwei mitgenommen.“ Wenn er bei seinen Stammkunden ist, hilft er gerne bei Problemen weiter und gibt Tipps – auch wenn er dafür nicht extra bezahlt wird. „Das gehört einfach dazu.“

Gemeinsam mit Inga Mrosek kennzeichnet Köchling ein Erdmännchen auf Gut Eversum mit einem Microchip.

Aufgrund seiner zwei Jobs ist Markus Köchlings Terminplan extrem voll. Wirkliche Freizeit gibt es da fast nicht. „Ich denke, ich habe mittlerweile einfach ein anderes Verständnis von Freizeit“, lacht er. „Wenn ich zu einem Kunden irgendwo in Deutschland fahre, heißt das eigentlich immer, dass ich zu einem Freund fahre. Die Zoowelt ist mein Zuhause. Und wenn wir uns dann abends nach der Arbeit mit einem Glas Wein vor ein Gehege setzen, dann genieße ich das richtig.“ Eigene Tiere hat er nicht mehr: „Dafür bin ich viel zu viel unterwegs.“

Bei allem, was zu seinen regulären Aufgaben als Tierpfleger im Laufe der Zeit dazugekommen ist, ist ihm sehr wichtig, dass er die Nähe zum Tier nicht verliert. „Ich wollte immer mit Tieren arbeiten und daran hat sich nichts geändert. Wenn ich nicht mehr direkt am Tier wäre, würde mir etwas fehlen“, ist sich Markus Köchling sicher. Unabhängig davon, wie sich sein noch recht junges Unternehmen entwickelt, wird der Tierbegeisterte deshalb wohl auch in Zukunft noch mit Trampeltieren auf den Straßen unterwegs sein.

Zum Thema: Köchling engagiert sich für Artenschutz

„Gäbe es noch keine Zoos, müsste man sie dringend erfinden“, meint Markus Köchling. In erster Linie geht es ihm dabei nicht darum, Familien ein schönes Ausflugsziel zu bieten. Er schätzt besonders die vielen Artenschutzprojekte, die Zoos aktiv unterstützen. „Hinter einem Zoo steckt viel mehr als das, was die Leute sehen“, ist er überzeugt.

So fließe das Eintrittsgeld nicht allein in die jeweiligen Zoos. Auch Millionen-Projekte des Artenschutzes werden durch sie mitfinanziert. Aber Zoos kämpfen nicht nur mit Geldmitteln für den Artenschutz. Durch ihre Zuchtprogramme tragen sie maßgeblich dazu bei, bedrohte Tierarten zu schützen.

Doch auch Markus Köchling persönlich engagiert sich für den Artenschutz. „Ich bin gerne Tierschützer und Artenschützer“, macht der Coesfelder deutlich.

Köchling ist Mitglied der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP). Ein wichtiges Projekt dieses Vereins ist in Kooperation mit anderen Organisationen die jährliche Ernennung eines Zootiers des Jahres. Aktuell ist dies der Leopard. „An der ZGAP gefällt mir besonders, dass sie sich um Tierarten kümmert, die nicht wirklich im Fokus der großen Tierschützer stehen“, erläutert der 26-Jährige. „Das Javanische Pustelschwein kennt zum Beispiel so gut wie niemand, obwohl es sehr bedroht ist.“

Durch die Aktion „Zootier des Jahres“ wird ein neues Projekt in Indonesien zum Schutz der bedrohten Javaleoparden unterstützt. Zuerst verfolgen die Beteiligten das Ziel, per Kamerafallen die Leopardenpopulation zu erfassen und die Bevölkerung über das Projekt zu informieren.

Auf seinen zahlreichen Reisen hat Markus Köchling schon einige Artenschutzprojekte besucht und hat hier auch mitgearbeitet. „Das macht immer besonders viel Spaß, weil die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, alle das gleiche Ziel verfolgen!“, zeigt er sich begeistert. So arbeitete er zum Beispiel in einem Elefantencamp der Tong-Bay-Stiftung in Thailand mit.

Unterstützen kann man die ZGAP nicht nur, indem man Mitglied wird und aktiv mitarbeitet, sondern auch mit Spenden – zum Beispiel mit dem Betreff „Zootier des Jahres“ an die IBAN DE21 6206 3263 0054 5500 41. Weitere Infos gibt es im Internet auf www.zgap.de.

Kommentare