Die Maria-Montessori-Schule ist die einzige Schule in Coesfeld, an der selbst gekocht wird

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Über 500 Essensportionen bereiten die Köchinnen Martina Krümpel und Maria Brambrink wöchentlich zu.

Coesfeld. Montagmorgen, 9.30 Uhr, in der Maria-Montessori-Schule. Während für die Kinder der Schulmorgen quasi gerade erst begonnen hat, herrscht in der Schulküche schon reger Betrieb. Damit das Essen auch pünktlich um 12.30 Uhr für die Kinder auf dem Tisch steht, müssen die Köchinnen Martina Krümpel und Maria Brambrink drei Stunden vorher mit den Vorbereitungen beginnen. Denn in der Montessori-Schule wird – im Gegensatz zu den sechs anderen Coesfelder Grundschulen, die von Caterern beliefert werden – jeden Tag frisch in der eigenen Küche gekocht. „Vor dreieinhalb Jahren wurde diese Küche eingerichtet“, sagt Martina Krümpel, Hauswirtschaftsleiterin der Montessori-Schule. „Vorher wurde die Schule von einem Caterer beliefert und das Essen war immer ein großes Streitthema. Seitdem wir selbst kochen, ist das nicht mehr der Fall.“

Anton (links), Matteo, Josua, Marleen und Malou warten hungrig auf ihr Mittagessen. Heute stehen Apfelpfannkuchen auf dem Speiseplan.

Heute steht Apfelpfannkuchen und zum Nachtisch Joghurt mit Fruchtpüree auf der Speisekarte. Zunächst werden die Äpfel geschält, geschnitten und gewürfelt. Währenddessen bereitet Maria Brambrink den Teig vor. 3 Kilogramm Mehl und 3 Liter Vollei (etwa 40 Eier) – so viel benötigt man, wenn man Pfannkuchen für 100 Kinder backt. Und für so viele Kinder kocht das Küchenteam jeden Tag (außer freitags). Zudem kommen mittwochs und donnerstags noch Essen für das Heriburg-Gymnasium hinzu. „Seit September beliefern wir an diesen zwei Tagen das Heriburg“, sagt Martina Krümpel, Hauswirtschaftsleiterin der Montessorischule. „Dann kochen wir noch zwanzig bis fünfzig Essen zusätzlich.“ Pro Woche ergibt das über 500 Essen, die das Küchenteam in einer verhältnismäßig kleinen Küche und mit relativ wenig Personal zubereitet. „Momentan sind wir meistens zu zweit oder zu dritt in der Küche“, sagt Krümpel. „Wir suchen aber Verstärkung. Durch das Essenausteilen am Heriburg haben wir viel zusätzliche Arbeit.“ Während Maria Brambrink noch den Teig vorbereitet, kocht Martina Krümpel Milchreis: „Den gibt es morgen als Nachtisch.“

Was täglich auf den Tisch kommt entscheidet Martina Krümpel, den wöchentlichen Speiseplan schreibt sie selbst. Der Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Schulverpflegung gibt den Rahmen vor. „Innerhalb von zwanzig Verpflegungstagen darf es zum Beispiel nur vier Mal frittierte oder panierte Produkte geben“, erklärt Krümpel. Jeden Tag auf dem Speiseplan stehen Getreide, Getreideprodukte oder Kartoffeln, Gemüse und als Getränk Wasser. „Wir achten auch auf Vollwertprodukte und kochen Vollkornreis und Vollkornnudeln. Am Anfang haben nicht alle Kinder das gegessen, aber inzwischen haben sie es akzeptiert und es ist selbstverständlich geworden.“ Zwei Mal im Jahr gibt es Grünkohl und in der Spargelsaison Spargeleintopf. „Da müssen die Kinder durch“, sagt Krümpel schmunzelnd. „Schließlich wird bei uns saisonal gekocht.“ Über das Essen gemeckert werde aber nur selten. „Wir haben die Regel, dass die Kinder erstmal alles probieren sollen. Wenn sie das Essen wirklich nicht mögen, ist es auch okay. Dann haben wir meist noch eine vegetarische Alternative und Salat mit Vinigrette. Keiner geht hier hungrig raus!“ In eine aufgestellte „Wunschbox“ können die Schüler Zettel mit ihren Essenswünschen werfen. Und zu besonderen Anlässen gibt es auch besondere Gerichte: „Zum Beispiel ist es schon zur Tradition geworden, dass sich die Viertklässler an ihrem letzten Tag ein Essen wünschen dürfen. Das ist meistens Pommes mit Currywurst.“

Jeden Tag gibt es ein Menü. Diese Woche stehen neben Apfelpfannkuchen eine Hackfleischporreesuppe mit Baguette, Schweinegulasch mit Knödeln und Rotkohl, Hähnchencurrygeschnetzeltes mit Reis und Salat und Rührei mit Salzkartoffeln und Spinat auf dem Speiseplan. „Zu Fleischgerichten bieten wir alternativ ein vegetarisches Gericht an“, sagt Krümpel. Schließlich sind einige Kinder Vegetarier. Und auch auf Allergien wie Gluten- und Laktoseunverträglichkeit achten die Köchinnen. „Das ist der Vorteil einer eigenen Küche“, so Krümpel. „Wir sind vor Ort und kümmern uns um diese Extras. Bei Caterern ist das oft nicht möglich.“ Und: „Bei uns werden keine Fertigprodukte oder Fertigsoßen verwendet. Wir bereiten alles selbst zu“, sagt die Hauswirtschaftsmeisterin, die zuvor im Stift Tillbeck und beim Betriebshilfsdienst arbeitete.

Gemüse, Obst und Fleisch werden von Lieferanten vor Ort geliefert. „Dort kann ich täglich anrufen und Sachen bestellen.“ Alle zwei Wochen bringt ein Großlieferant Milch und andere Grundnahrungsmittel. In drei großen Kühlschränken, drei Kühltruhen und einem Vorratsraum werden alle Lebensmittel gelagert. Neben der Zubereitung und Planung des Essens ist die 48-Jährige für die Hygienepläne und Reinigung zuständig. „Die meiste Zeit meiner Arbeit verbringe ich nicht mit Kochen, sondern mit dem ganzen Drumherum“, stellt die Coesfelderin klar. „Kochen ist höchstens die Hälfte von dem, was ich mache.“

Mina, die Tischdienst hat, bringt nach dem Essen die Teller weg. „Ich muss alles, was wir benutzt haben, abräumen“, sagt sie.

Inzwischen ist es kurz vor zwölf Uhr. Es duftet schon lecker nach Pfannkuchen. Aber bis um 12.30 Uhr die ersten hungrigen Kinder die Mensa stürmen, müssen noch jede Menge Pfannkuchen gebacken werden. Im Frimagarer kann Maria Brambrink acht kleine Pfannkuchen nebeneinander backen. Die fertigen Pfannkuchen werden im Wärmetransportwagen gelagert. Für die glutenfreien und laktosefreien Pfannkuchen muss der Teig extra angerührt und in separaten Pfannen gebacken werden. Währenddessen bereitet Martina Krümpel für jeden Tisch ein Schälchen mit Zimt und Zucker vor und stellt den Nachtisch bereit.

12.20 Uhr. Langsam wird die Zeit knapp. Deswegen stellt Krümpel den Herd an und backt in drei Pfannen gleichzeitig weitere Pfannkuchen. Nadine, die Mutter eines Schülers, kommt in die Mensa. Heute hilft sie beim Essenausteilen und Aufräumen. „Jeden Tag hilft hier eine Mutter“, erklärt sie. „Wir teilen das untereinander auf, sodass jeder ein bis zwei Mal im Monat dran ist.“ Und Krümpel weiß diese Hilfe zu schätzen: „Ohne die Unterstützung der Eltern wären wir aufgeschmissen.“ Die vier Klassen der Montessori-Schule essen in zwei Etappen. Von 12.30 bis 13.15 Uhr sind heute die Delfine und Eulen dran. Anschließend, von 13.15 bis 14 Uhr, ist für die Geckos und Fledermäuse Essenszeit.

Kurz vor halb eins. Als erstes kommt Anton in den Essensraum und setzt sich auf seinen Platz. Jedes Kind hat hier nämlich seinen festen Platz hier, der auf den jeweiligen Tischkarten steht. „Ich habe schon großen Hunger“, sagt Anton und sein Magenknurren bestätigt das. „Was gibt es denn heute?“ – „Pfannkuchen.“ – „Lecker!“, ruft er. „Pfannkuchen mag ich gerne, am liebsten mit Apfel“, sagt die sechsjährige Malou. „Ich mag lieber Pfannkuchen ohne Apfel“, sagt ihre siebenjährige Freundin Marleen. Zum Glück kann heute jeder selbst entscheiden, ob er Pfannkuchen mit oder ohne Apfel haben möchte.

Als alle Schüler der Delfin- und Eulenklasse auf ihren Plätzen sitzen, ertönt ein Gong der Klangschale und die Kinder werden ruhiger. „Heute gibt es Pfannkuchen“, sagt Stephanie Kalisch, Ganztagsleitung der Übermittagsbetreuung. „Guten Appetit!“ Sie und Nadine gehen von Tisch zu Tisch und verteilen Pfannkuchen. Im Nu haben die ersten Kinder ihren Pfannkuchen schon aufgegessen und melden sich, um einen Nachschlag zu bekommen. In der Küche wird fleißig weitergebacken. Schließlich kommen gleich noch die anderen zwei Klassen. Bereits um 12.45 Uhr sind die ersten Kinder fertig. Der Tischdienst bringt das Geschirr weg. „Immer zwei Kinder von jedem Tisch haben Tischdienst“, erklärt Schülerin Mina. Diese Woche ist sie an der Reihe. Anschließend gibt es Nachtisch. Nacheinander füllen sich Matteo, Josua, Malou, Marleen und Anton Joghurt und Fruchtpürree in ihre Schälchen. Ob ihnen das Essen in der Mensa schmeckt? „Meistens ist es sehr gut“, sagt Matteo. „Am liebsten mag ich die Lasagne.“ „Die Spinatlasagne ist wirklich super“, bestätigt Josua. „Mein Lieblingsessen ist die Kartoffelsuppe“, sagt Malou. Marleen mag am liebsten Pizza und Anton isst am liebsten Nudeln. Beim Nachtisch sind sich die fünf einig: „Eis und Schokopudding!“ Als alle mit dem Nachtisch fertig sind, verlassen die Kinder nach und nach den Essensraum. Der Tischdienst bringt wieder das Geschirr weg und wischt den Tisch ab. „War lecker, Martina!“, ruft Phillip in die Küche.

Einige Minuten herrscht nun Ruhe. Eine Pause können Köchinnen Martina Krümpel und Maria Brambrink aber nicht machen. Denn wenn um 13.15 Uhr die Gecko- und Fledermausklasse mit knurrenden Mägen in die Mensa kommen, geht das ganze Spiel wieder von vorne los …

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