Ausbildung in Ferlach in Österreich

Magdalena Uphues möchte Büchsenmacherin werden

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Magdalena Uphues fing schon früh an, sich mit Gewehren zu beschäftigen.

Coesfeld. „Ich wusste schon sehr früh, dass ich etwas Handwerkliches machen möchte, weil ich viele Erfahrungen in dem Bereich gesammelt habe. Vor allem bei der Arbeit rund ums Holz“, erklärt Magdalena Uphues aus Stockum, die im September eine Ausbildung zur Büchsenmacherin anfängt. Sie geht dabei direkt aufs Ganze und verlässt für die Ausbildung Deutschland. Die 19-Jährige verschlägt es nach Österreich. „Ich wohne dann dort, wo viele Menschen Urlaub machen. Wohnen und Urlaub in einem, das klang gut für mich“, schmunzelt die 19-Jährige.

Aber was ist ein Büchsenmacher überhaupt? „Viele Leute, denen ich erzähle, dass ich die Ausbildung mache, wissen gar nicht, was das überhaupt ist“, berichtet Magdalena Uphues. Oft wird davon ausgegangen, dass Büchsenmacher Konservendosen machen. „Ich muss immer dabei sagen – die machen Jagdgewehre“, verrät die 19-Jährige.

Alles fing an, als die damals 13-Jährige auf einem Fest bei einem Luftgewehr-Preisschießen teilnahm. Das machte ihr so viel Spaß, dass sie sich bei der SG Coesfeld zum Sportschießen anmeldete. „Ab da war klar, irgendwann möchte ich mal ein eigenes Luftgewehr haben“, berichtet Magdalena Uphues. Als das Thema Zukunft aufkam, schlug ihr Vater Norbert Uphues vor, mal ein Praktikum bei einem Büchsenmacher zu absolvieren, weil die Begeisterung dafür schon länger vorhanden war.

Praktika im Bereich Büchsenmacher

Ihr erstes Praktikum machte Magdalena Uphues im Jahr 2015 bei der Firma Wulfert in Holtwick. „Seitdem habe ich echt Gefallen gefunden an dem Beruf“, sagt die 19-Jährige. Bei Wulfert werden Gewehre repariert und restauriert. Bei dem Praktikum durfte die Schülerin dann Schäfte bearbeiten und darauf Ferngläser montieren.

Jeder Betrieb hat eine eigene Richtung. Der Unterschied liegen bei Jagd- oder Sportgewehren, bei Waffenrestaurierung, -reparatur oder -herstellung. Nachdem Magdalena Uphues dann in den Bereich der Restaurierung schauen konnte, machte sie im letzten Jahr ein Praktikum im Allgäu. „Der Betrieb Blaser ist ein sehr großer Betrieb. Dort werden Jagdgewehre hergestellt“, erklärt die 19-Jährige. „Das war sehr industriell; das hat mir im Vergleich weniger gefallen“, berichtet sie. In der Firma hat jeder Mitarbeiter jeweils nur einen Schritt beim Produktionsprozess gemacht. „Das war ein bisschen wie Fließbandarbeit. Ich möchte später aber gerne am ganzen Gewehr arbeiten und nicht nur an einem Stück“, erklärt die Schülerin. „Man muss 130 Prozent geben“, erklärt Magdalena Uphues.

Ausbildung außerhalb von Deutschland

Die Reaktionen der Familie, Verwandten und Freunde sind durchweg sehr positiv. Aber warum Österreich? Die Frage stellen sich viele im Umfeld von Magdalena. „Ich war im Februar auf einer Jagd- und Hundemesse. Da habe ich mich mit jemandem unterhalten, der die Ausbildung in Österreich gerade absolviert hatte. Die wurde mir in dem Moment sehr schmackhaft gemacht“, erklärt die Stockumerin. Im gleichen Monat bewarb sich Magdalena an der Schule in Österreich. „Ich musste nicht lange warten, da wurde ich zum Schnuppertag eingeladen“, berichtet sie.

Für eine Nacht ging es dann mit dem Vater im Flieger nach Österreich. Als erstes gab es an der Schule eine Führung durch die Werkstätten. „Dort sind die Klassenzimmer in Werkstätten umgebaut worden, damit man viel praktische Fähigkeiten während der Ausbildung erlernt“, erklärt die Schülerin. Danach gab es die Möglichkeit, zwei Klassen zu besuchen und dort am Unterricht teilzunehmen. „Ich konnte mich mit vielen Schülern dort unterhalten, die mich in meinem Plan nochmals bestätigt haben“, erklärt Magdalena Uphues. Im Keller der Schule befindet sich ein Schießstand, der auch besichtigt werden konnte.

Die Ausbildung dauert insgesamt vier Jahre, in denen man seine eigene Kipplaufbüchse herstellt. Dabei ist die praktische Arbeit die wichtigste, und es werden ausschließlich Jagdgewehre hergestellt. Das hätte aber auch anders sein können. An der Schule wird auch ein Studium angeboten, in dem der Ingenieurstitel das Ziel ist. Dort werden die Waffen entwickelt, und die Theorie steht im Vordergrund. „Für mich war das nichts. Vermutlich würde ich dann später für die Bundeswehr arbeiten und die Waffen, die ich entwickeln würde, wären für Soldaten. Das Wissen, dass damit vielleicht Menschen getötet werden, hat mich abgeschreckt“, erklärt Magdalena. So entschied sie sich für die Ausbildung, um am Ende stolz ihre eigene Kipplaufbüchse in der Hand halten zu können.

Der Blick in die Zukunft

Und ihre Erwartungen an das neue Leben? „Ich freue mich darauf, für mich selbst verantwortlich zu sein und alleine klar zu kommen“, schmunzelt sie. „Dann kann nicht mehr Mama an allem schuld sein, was schief geht“, erklärt sie lachend. Es wird bestimmt eine Umstellung, aber die ersten zwei Wochen wird sie von ihrer Familie nach Österreich begleitet. „Damit ich nicht direkt ganz alleine bin“, erklärt die 19- Jährige. Von der Ausbildung erhofft sie sich, das Gewehr noch besser kennenzulernen und jeden Teil genauer zu erkunden.

Das Landleben ist die Coesfelderin aus Stockum schon gewohnt. Auch der Ort Ferlach ist klein. Der Schulweg dauert nur 15 Minuten. „Ich wohne zum Glück ziemlich nah an der Schule. Das macht es mir ein bisschen leichter“, so die 19- Jährige.

Am 31. August geht es schon los nach Österreich. „Das ganze fühlt sich noch gar nicht so nah an. Ich denke die ganze Zeit, es dauert noch ein paar Monate, bis es los geht“, berichtet Magdalena Uphues. Ob die Coesfelderin je wieder nach Deutschland kommen wird, steht noch in den Sternen. Was sie aber weiß, ist, dass sie später in einem kleineren Betrieb arbeiten möchte.

Von Pia Vogeshaus

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