Kulturelles Schaffen prädestinierte Georg Veit zum Kulturdezernenten

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Als Georg Veit 2014 Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster wurde, hängte sich der Coesfelder eine Karte des Münsterlands an die Wand in seinem Arbeitszimmer.

Coesfeld/Münster. Die Entscheidung, den Beruf des Lehrers für Latein, Geschichte und Philosophie am Gymnasium Nepomucenum an den Nagel zu hängen und das Amt des Kulturdezernenten der Bezirksregierung in Münster anzutreten – „dafür habe ich nicht nur einen Abend vor dem Kaminofen nachgedacht“, bekennt Georg Veit.

Unterstützt von seiner Frau und seinen drei inzwischen erwachsenen Kindern nahm der damals 55-Jährige dann aber das Jobangebot an und ist seit Mai 2014 Leiter des 14-köpfigen Teildezernatsteams Kultur und Weiterbildung, das zuvor Hans-Peter Boer aus Nottuln geleitet hatte.

„Ich habe eine tolle Mannschaft – und auch sonst macht mir die Aufgabe viel Spaß“, hat Georg Veit seine Entscheidung keineswegs bereut – auch, wenn er sich in so manche neue Materie hineinknien musste: „Das Arbeiten in einer Behörde und als Leiter eines Behördenteams, viele neue Kontakte und nicht zuletzt die Ministerialbürokratie und die Kooperation mit dem Kultur- und Schulministerium in Düsseldorf“, zählt Georg Veit auf.

Tatsächlich ist er häufig in der Landeshauptstadt. Denn es ist das Geld aus dem Landeshaushalt, das er und sein Team in Abstimmung mit den Ministerien verwaltet. „Im NRW-Jahresetat sind momentan 220 Millionen Euro Kulturmittel eingestellt – 0,3 Prozent des Gesamtetats von 75 Milliarden Euro. Von diesen 220 Millionen Euro entfallen 17 Millionen Euro Kulturförder- und zwölf Millionen Euro Weiterbildungsmittel – etwa für die Volkshochschulen – auf den Regierungsbezirk Münster. Da ist es die Aufgabe für unser Team, die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel sicherzustellen“, zeigt Georg Veit auf.

Dabei gibt es eine Reihe weitgehend fester Posten wie etwa 1,2 Millionen Euro, die an die Ruhrfestspiele fließen, rund 2,5 Millionen Euro, die pro Jahr an die 120-köpfige Neue Philharmonie Westfalen in Recklinghausen gehen oder auch die rund eine Million Euro, die das Stadttheater Münster pro Jahr erhält.

„Über die vielen festen Förderposten hinaus ist es unsere Aufgabe, neue Projekte zu initiieren, Kulturakteure zu beraten und für Projekte zusammenzubringen, die dann auch finanziell gefördert werden“, so Georg Veit. In diese Kategorie gehörte 2017 auch das Projekt „Tanz!Land!“, das Tanzakteure aus Emsdetten, Ahlen und Dülmen zusammenführte – entsprechend der Programmatik der Initiative regionale Kulturpolitik NRW, die auch eine eigene Homepage hat. „Tanz!Land!“ gibt es auch 2019 wieder. Und im Bereich Weiterbildung sind es ab 2015 beispielsweise die Flüchtlings-Integrationskurse in den Volkshochschulen, bei denen das Team um Georg Veit involviert ist.

Was den gebürtigen Velener dabei besonders reizt sind die Kontakte mit den Menschen – Regierungs- und Behördenmitarbeiter, Kulturvereinsakteuren, Tänzern, Schauspielern – um nur einige zu nennen. Dabei schöpft er aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz vergangener Jahre, in denen er selber sehr schöpferisch war.

Begonnen hat das schon in der Volksschule. „Ich war acht, neun Jahre, als ich Kasperletheaterstücke schrieb“, so der 63-Jährige. In der Internatsschule in Maria Veen lernte er Blockflöte, spielte dort im Orchester, lernte Gitarre zu spielen und wirkte beim Schultheater mit. Nach der Bundeswehr wollte er an die Kunstakademie Düsseldorf, wurde aber abgelehnt. Während des Lehramtsstudiums arbeitete er in einem Zeichenstudio, malte „Karikaturen und Männekes“, war Frontman und Saxophonist der Rock’n’Roll-Cover-Band „Me and the Rest“, trat damit im „Odeon“ in Münster und „in manchen Scheunen“ auf, „tobte mit Rockabilly auf der Bühne“. Auf der Studiobühne der Uni Münster spielte er bei drei Stücken mit – zweimal hatte er die Hauptrolle –, zeichnete weiter und gestaltete Skulpturen, inszenierte bei seinem Referendariat mit Schülern Masken- und Figurentheater auf Latein, schrieb darüber ein Buch für Lehrer. In seinen 25 Jahren als Lehrer am Nepomucenum organisierte er Ausstellungen, baute mit Schülern fürs Stadtmuseum Coesfeld das 1620er-Stadtmodell, arbeitete an der Konzeption des Stadtmuseums, gründete die Initiative Bischofsmühle, organisierte Kunstausstellungen und Lesungsabende, war als Vertreter von „Pro Coesfeld“ fünf Jahre Kulturausschussvorsitzender, schrieb und veröffentlichte Gedichte und zehn Bücher mit fiktionalen, belletristischen Texten, schrieb fachdidaktische Aufsätze und Satiren und war Mitinitiator der Coesfelder Kulturnächte.

„Dass ich so einiges in den verschiedenen Kultursparten gemacht habe, hat mich wohl für das Amt des Kulturdezernenten empfohlen“, so Veit. „Auch, dass mir Sprechen vor Publikum nichts ausmacht.“ Das beweist er unter anderem auch als Vorsitzender der Annette-von-Droste-Gesellschaft.

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