Die Kolping-Familienferienstätte Salem feiert 20-jähriges Bestehen

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Diskutierten über die Zukunft vom Ferienland Salem: von links Ulrich Vollmer (Bundessekretär Kolpingwerk Deutschland), Uwe Slüter (Vorsitzender des Kolping-Familienferienwerk Salem e.V. sowie Diözesangeschäftsführer Kolpingwerk Diözesanverband Münster), Hamburgs Erzbischof Dr. Stefan Heße, Benedikt Vollmer (Geschäftsführer Kolping-Familienferienwerk Salem e.V.) und Dr. Alexander Herb (Verband der Kolpinghäuser / AG Familienferienstätten / Katholischer Arbeitskreis Familienerholung)

Kreis Coesfeld/Salem. 300 Ehrenamtler aus ganz Deutschland haben in Mecklenburg am Bau und an Renovierungsarbeiten der Kolping-Familienferienstätte „Ferienland Salem“ mitgewirkt – Dutzende auch aus dem Kreis Coesfeld. Geschäftsführer Benedikt Vollmer pendelt alle vier bis fünf Wochen von seinem Coesfelder Arbeitsplatz beim Kolping-Diözesanverband Münster nach Salem. Am Wochenende feierte die Einrichtung mit rund 100 Gästen und Rednern ihr 20-jähriges Bestehen – unter anderem mit einer Reihe Kolpingmitglieder aus dem Kreis Coesfeld, die ehrenamtlich manch eine Stunde in dem Haus gearbeitet haben. Gefeiert wurde nicht ohne Grund: Mit rund 30 000 Übernachtungen pro Jahr und 38 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Anlage auch ein bemerkenswerter Wirtschaftsfaktor in der Region

„Das Ferienland Salem ist ein touristisches Aushängeschild – mit toller Architektur und mit einer tollen Lage hier am Kummerower See. Ich bin als Bürgermeister froh darüber“, würdigte Axel Müller, Bürgermeister der Stadt Malchin, die Einrichtung, die ursprünglich bei Waren am Müritzsee errichtet werden sollte (siehe Artikel unten). „Als der Stadtrat von Waren aber in nichtöffentlicher Sitzung darüber abstimmte, ob die Junge-Pioniere-Einrichtung an einen katholischen Verband verkauft werden soll, winkte der Stadtrat ab. An Katholiken sollte die Immobilie nicht gehen“, berichtete Malchins Bürgermeister, damals beruflich in Waren tätig. „Heute bin ich natürlich froh, dass die Ferienstätte hier in Malchin gebaut wurde.“ Seitens der Stadt fasse man Investitionen am Kummerower See ins Auge, so etwa des Ausbau des Hafens.

Auch Angelika Groh, Tourismuskoordinatorin Kummerower See, und Markus Frielinghaus, Geschäftsführer der SeenLandAgentour GmbH, die seit 20 Jahren mit einer Segelschule und Kanutouren zum Freizeit-Angebot der Einrichtung beiträgt und auch den Hochseilgarten betreibt und das Matratzenlager-Gebäude mietet, lobten die Einrichtung und die Zusammenarbeit mit ihr.

Hamburgs Erzbischof Dr. Stefan Heße würdigte die Bedeutung vom Ferienland Salem als Ort kirchlichen Lebens und bezeichnete es als „Biotop des Glaubens“ – in einer Region, in der drei Prozent der Bevölkerung katholisch, drei Prozent evangelisch und der Rest ohne Konfession sei.

Karl Schiewerling, Initiator vom Ferienland Salem, zeigte die Schwierigkeit auf, trotz gestiegener Anforderungen an Urlaub ein kostengünstiges Angebot zu machen, obwohl so gut wie gar keine öffentlichen Familienurlaubszuschüsse mehr gezahlt werden. Es gelte, den Charakter der Einrichtung als eine mit religiösem Angebot und mit Gemeinschaftserlebnissen weiter zu erhalten. „Dies muss man einfach hier vor Ort erleben“, so der Nottulner.

Eigenleistung machte die Anlage möglich

Die Ursprünge der Familienferienstätte Salem am Kummerower See liegen in der Zeit der DDR, wie sich Karl Schiewerling lebhaft erinnert. Er war der Initiator und Motor der Kolping-Familienferienstätte Ferienland Salem.

Eigentlich waren in der DDR alle katholischen Vereine verboten. Einzig und allein Kolping gab es – weil die Satzung vorsah, dass die Priester der Gemeinden grundsätzlich die Leitung der Kolpingvereinigungen hatten; daher gewährte der Staat die Existenz von Kolpingsfamilien. Anfang der 1980er Jahre kamen dann die ersten Partnerschaften zwischen Kolpingverbänden dies- und jenseits der deutsch-deutschen Grenze zustande.

„Damals gab es Partnerschaften von Kolpingsfamilien in Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Waren (Müritz) und Gral-Müritz mit Kolpingsfamilien hier im Kolping-Diözesanverband Münster“, erklärt Karl Schiewerling, der 1984 bis 2009 Geschäftsführer des Kolping-Diözesanverbands Münster war. In der Regel gingen persönliche Besuche vom Westen in den Osten. „Aber als die DDR in den späten 1980er Jahren die Reisevorschriften lockerte und ab da Personen ab 70 Jahren in die Bundesrepublik reisen durften, gab es eine ganze Reihe Besuche von Kolpingern aus der DDR hier im Bistum Münster. Auch bei uns zu Hause in Nottuln haben wir zwischen 1986 bis 1989 wohl so jedes Jahr rund 30 Personen beherbergt“, erinnert sich Karl Schiewerling. Mit den Gästen aus der DDR ging es auf Rundreisen hier in der Region, „und unter anderem haben wir auch unsere Kolping-Familienferienstätte in Olpe im Sauerland besucht“, so Schiewerling.

Als dann 1989 die Wende kam und später auch die Wiedervereinigung, entstanden allein in Mecklenburg-Vorpommern zehn gemeinnützige Ferienstätten – neun davon an der Ostsee –, die mit öffentlichen Mitteln mitfinanziert wurden. „Ferienanlagen hatte es in DDR-Zeiten auch schon gegeben – aber sie waren Personen vorbehalten, die sich gut ans DDR-System angepasst hatten. Das normale ,Fußvolk’, etwa Katholiken, musste sich meist mit Camping zufrieden geben“, fasst Karl Schiewerling zusammen.

In den runden Tischen nach der Wende wurde an die Kolpingvertreter der Wunsch herangetragen, dass in Mecklenburg-Vorpommern auch so etwas wie die Familienferienstätte Olpe entstehen möge. „Hierfür hatten wir dann bei Waren eine Anlage der ,Jungen Pioniere’ der SED ins Auge gefasst, die wir übernehmen wollten“, erinnert sich Karl Schiewerling. Allerdings platzte dieser Plan, und die Suche nach einem neuen Platz begann.

Gefunden wurde der mitten in Mecklenburg am Kummerower See. Dort entstand das „Ferienland Salem“, benannt nach dem Ortsteil des Ortes Malchin, zu dem das sechs Hektar große Areal zählt. 42 Appartements mit insgesamt 200 Betten sind in der Anlage entstanden, eine Kapelle, eine Mehrzweckhalle, ein Kindergarten und eine Segel- und Surfschule, ein Klettergarten und einiges mehr.

„Viele Kolpingmitglieder aus ganz Deutschland – aus NRW, Leipzig, Dresden, Hamburg, aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz – haben hier in die Anlage viel Herzblut gesteckt. Rund 30 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden investierten sie hier bereits beim Bau. So haben beispielsweise die Kolpinger aus Warendorf allein eine große Grillhütte, die bis zu 250 Personen Platz bietet, gebaut“, so Karl Schiewerling.

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