Vor 50 Jahren holte Jean Dieker den Vogel von der Stange

Ein Königsschuss mit Folgen

Jean Dieker und Eva Maria Elfers. Zwei Jahre nach dem Schützenfest nahm Dieker seine Königin zur Frau. [aK]Foto: Sommer[eK]

Coesfeld. Als Jean Dieker 1963 den Vogel von der Stange der Junggesellenschützen holte, hatte er eigentlich nicht mehr viel mit Coesfeld am Hut.

Eigentlich – denn Dieker, der tatsächlich Hans heißt – lebte und arbeitete damals in Krefeld und kam nur noch für größere Ereignisse in seine Heimatstadt. Das Schützenfest war ein solches Ereignis, wie er sich schmunzelnd erinnert: „Da war noch viel mehr los, als heute. Wir sind alleine am Schützenfest-Montag dreimal angetreten.“ Noch größer sein Schmunzeln, wenn er an das Vogelschießen denkt: „Geplant war damals gar nichts. Doch in einer Bierlaune wurde ich dann plötzlich doch zu einem Favoriten – und als ich dann montags auf einmal König war, war ich auf einen Schlag nüchtern.“ Mit wem er auf den Thron gehen würde, hatte er sich schon am Sonntag zuvor erdacht. Seine Königin ahnte allerdings nichts von ihrem Glück. Noch weniger ahnte seine auserwählte Regentin, Eva Maria Elfers, wie es noch weiter gehen würde...

Sie selbst war vor 50 Jahren 19 Jahre jung, arbeitete in der Lindenapotheke, als plötzlich Jean Dieker in die Apotheke kam. „Ich hörte, wie Jean mit meinem Chef redete“, so die Coesfelderin. „Ich kannte ihn kaum, unsere Eltern waren Bekannte – aber das war auch alles. Ich bekam mit, dass es darum ging, dass er den Vogel abschießen wolle.“ Doch als es dann darum ging, wer seine Königin werde, wurde sie nicht nur hellhörig – sie bekam auch schnell einen hochroten Kopf: „Er wollte mich zur Königin machen!“ Verunsichert ging sie nach Hause, wo ihre Mutter sie beruhigte: „Sie sagte, so ein Angebot darf man nicht ablehnen.“

Beim Vogelschießen kam es dann, wie es kommen musste: Dieker holte den Vogel von der Stange und Eva Maria Elfers wurde zur Königin. „Anfänglich war ich unglaublich nervös, aber das legte sich im Laufe der Schützenfesttage.“ Kaum waren die feierlichen Tage rum, verloren sich die zwei wieder aus den Augen. Doch so ein Schützenfestjahr ist lang, so Jean Dieker: „Wir hatten verschiedene Verpflichtungen, mussten immer wieder gemeinsam zu Veranstaltungen. Und auf einmal hat sich dann mehr entwickelt...“ Auf das gemeinsame Schützenfestjahr folgten weitere Treffen, zwei Jahre später folgte eine Verlobung, keine drei Jahre später wurde aus dem Königspaar ein Ehepaar und Dieker zog zurück nach Coesfeld, arbeitete fortan in Münster.

Das Schützenfest blieb ihm noch aus weiteren Gründen gut in Erinnerung: „Zu unser Proklamation spielte die englische Kapelle ‚King‘s Shropshire Light‘ – einmalig! Und die Jungs konnten trinken... Eine weitere Besonderheit war, dass wir nicht mit Kutschen durch Coesfeld fuhren. Weil es im Vorjahr einen Unfall gegeben hatte, kutschierte man uns in VW-Cabriolets durch die Gegend...“

Streiflichter-Ausgabe vom 19.6.2013

Von André Sommer

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