Simon Klisse aus Lette schreibt in der Freizeit Lieder. Beruflich schwingt er den Kochlöffel

Ein Koch mit musikalischer Begabung

An seinem Schreibtisch im Elternhaus in Lette schreibt Simon Klisse an seinen Liedtexten, die es bereits bis ins Radio geschafft haben.

Lette. Mikrophon und Messer – das sind die Lieblingsgegenstände von Simon Klisse.

Der 18-jährigige Letteraner schreibt in seiner Freizeit Lieder, singt sie selbst ein. Beruflich steht er hinterm Herd, schwingt seit August 2009 regelmäßig Messer und Kochlöffel in einem Coesfelder Restaurant. Dort macht er seine Ausbildung. Und mit seinen beiden Begabungen – dem Songschreiben und dem Kochen – begeisterte Simon Klisse schon das Publikum, genauer gesagt: Hörer und Jury-Mitglieder.

So wurde die Musik des Drillings bereits bei „Radio Kiepenkerl“ in der Rubrik „Soundgarage“ gesendet. In der „Soundgarage“ werden regelmäßig Nachwuchsmusiker aus dem Kreis vorgestellt und ihre Songs gespielt. Simon Klisse alias „ScoeM“ ist so ein talentierter Songschreiber und -sänger. Er produziert so genannte „Deep Tracks“ – Lieder, in denen es vor allem um Gefühle und um die Verarbeitung von Ereignissen sowie Schicksalsschlägen geht. „Wenn ich Probleme habe – egal, welcher Art – dann schreibe ich darüber Texte und kann das alles dann besser verstehen und verarbeiten“, sagt Simon Klisse.

Lied für guten Kumpel im

Jugendarrest geschrieben

Angefangen mit dem Liederverfassen hat der 18-jährige Hobby-Musiker im März 2009. Damals ist ein guter Freund von ihm von zu Hause abgehauen, hat auf der Straße gelebt. Irgendwann fing er an zu klauen und andere „krumme Dinger zu drehen“, kam deshalb in den Jugendarrest. Simon Klisse nahm das zum Anlass, um einen Song über und für seinen Kumpel zu schreiben. Die Melodie und den Sound hat er im Internet gefunden – der Fachbegriff dafür lautet „Free Beats“. Über Headset hat Simon Klisse dann den Text eingesungen und auf Handy gespeichert. Per USB-Stick hat er den Track seinem Freund im Jugendarrest zukommen lassen. „Er war überglücklich, hat sich das Stück öfter angehört“, erinnert sich Simon Klisse. Seit dem hat der junge Musiker zahlreiche weitere Songs geschrieben und eingesungen. Mittlerweile besitzt er entsprechende PC-Programme und ein spezielles Studiomikrophon, das er an seinen Computer anschließen kann.

Die Lieder von „ScoeM“ basieren auf Reimschemen ebenso wie die Musik, die Simon Klisse selbst am liebsten hört: „Ich mag untergrundmäßige Musik, meist von eher unbekannten Musikern gemacht.“ Als seine Lieder und ein Interview mit Simon Klisse bei der „Soundgarage“ von „Radio Kiepenkerl“ liefen, saßen viele seiner Freunde und Bekannten vor dem Radio: „Das haben echt viele Leute gehört – auch rein zufällig“, berichtet der Letteraner, der sich in seiner freien Zeit neben der Musik dem Modelleisenbahnbau widmet. „Mein Vater wurde öfter darauf angesprochen – beim Einkaufen oder so.“

Das Gefühl, sich selbst im Radio zu hören, fand Simon Klisse „komisch, aber auch irgendwie cool.“ Seine Musik bietet er auf verschiedenen Internetseiten zum Download an – stets versehen mit einem Profil über seine Person. Auf den Seiten im Netz können die Songs auch bewertet werden: „Man ist immer gespannt, wie die Leute meine Musik so finden. Zum Teil sind auf den Webseiten echt bekannte Musiker unterwegs“, weiß Simon Klisse.

Nun will er zusammen mit einem Freund ein eigenes Heimstudio einrichten, um noch professioneller Musik machen zu können. Auch Auftritte sollen kommen; konkret ist aber noch nichts geplant. Simon Klisse und sein Freund suchen noch Mitstreiter, die Lust haben, eine „Crew“ zu bilden und in der Gruppe musikalisch aktiv zu sein. „Wir wollen uns treffen, Auftritte planen und uns Texte um die Ohren hauen.“ Interessierte können sich bei Simon Klisse unter Telefon (0157) 77044646 melden.

Persönlicher Traum ist es

ein Musikvideo zu drehen

Sein persönlicher Traum ist es, ein professionelles Musikvideo zu drehen, das dann auch gesendet wird. Aber beruflich möchte Simon Klisse nicht unbedingt Musik machen: „Das ist ein echt hartes Geschäft.“. Und außerdem gefalle ihm seine Ausbildung zum Koch sehr gut. Kein Wunder, denn auch auf diesem Gebiet bringt er großes Talent mit: Beim Kochwettbewerb „Frisenkrone Matjes Meisterschaft“ im Dezember gewann er zusammen mit drei Schulkollegen den ersten Platz. „Da ist mir echt eine Last abgefallen – schließlich hatte ich vier Monate lang keinen Tag frei, weil wir uns auf den Wettbewerb vorbereitet haben“, denkt Simon Klisse an den Moment der Siegerehrung zurück. Und dabei war sein Team vom Coesfelder Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg das jüngste: Die anderen beiden Gruppen bestanden aus Schülern des dritten Ausbildungsjahrgangs, Simon Klisse und seine Mitstreiter sind erst im zweiten Lehrjahr. Ihr Sieges-Gericht: Matjes in Schwarztee gebeizt mit Couscous von Mango, Minze und Himbeer in Teesoße.

Ihre Kochkünste der

strengen Jury gezeigt

Doch nicht nur kochen mussten die Wettbewerbsteilnehmer. Zuvor galt es sich zu bewerben – mit einem kompletten Konzept für ein Essen: Vom Einkaufsplan über die Finanzkalkulation bis hin zur Tischdekoration. Die Ideen und die Planung der Coesfelder Berufsschüler gefielen der Jury, so dass sie das Team zum Wettbewerb nach Schleswig-Holtstein eingeluden. Dort bekamen die angehenden Köche zunächst eine Betriebsführung durch das Unternehmen „Frisenkrone“. Anschließend stellten sie unter dem strengen Blick der Jury. Mitglieder ihre Kochkünste unter Beweis und gewannen.

Doch damit die Gerichtzubereitung so gut gelang, wurde zur Vorbereitung in jeder freien Minute gekocht: „Das war echt anstrengend – und ich hab jetzt echt keinen Hunger mehr auf Matjes“, schmunzelt Simon Klisse. Aber die Mühen haben sich gelohnt: Im Zimmer des Letteraners hängt nun eine riesige Urkunde. „Die macht sich bei Bewerbungen bestimmt gut“, hofft Simon Klisse. Zudem gab es einen Präsentkorb und ein Preisgeld von 1 000 Euro. „Damit haben wir schon Material für die Schule gekauft – Jacken, Messer und ähnliches“, erzählt Simon Klisse.

Bleibt offen, was für Erfolge der Letteraner in Zukunft erzielt – vielleicht schreibt er ja mal ein Lied über das Kochen und verbindet somit seine beiden Begabungen?

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