Monika Laukamp und Dorothee Grösbrink sind seit zehn Jahren Messdienerinnen. Als Kind durfte nur dies nur eine von ihnen

„Kirche ohne Frauen? Unvorstellbar!“

„Ohne Messdiener ist alles doof!“ Die humorvolle Zeichnung mag übertreiben. Aber die Messdienerinnen sind überzeugt: „Kirche ohne Frauen“ ist unvorstellbar.

Coesfeld. Sie decken den Kirchenaltar ein, tragen die Flambeaus oder schwenken das Weihrauchfass – Messdienerinnen und Messdiener, die Assistenten des Priesters oder Diakons, sind aus den Gottesdiensten der katholischen Kirche gar nicht mehr wegzudenken!

Männer und Frauen, Jungen und Mädchen können als Messdienerin und Messdiener tätig werden. Dass das weibliche Geschlecht dabei nicht immer akzeptiert war, hat Monika Laukamp selbst noch erfahren. „Als Kind bin ich regelmäßig mit meiner Familie in die Kirche gegangen. Es war immer etwas besonderes, die Jungs zu sehen, die in der Messe dienten. Ich wollte das unbedingt auch machen, damals ging es aber nicht“, erinnert sich die 47-Jährige.

Die späte Chance zum

Einstieg genutzt

In den Kindestagen der Coesfelderin war es in der Pfarrgemeinde Maria Frieden nicht gängig, Mädchen am Ministrantendienst teilhaben zu lassen. Das hat sich jedoch geändert – in Coesfeld vor rund einem Vierteljahrhundert. Heute ist Monika Laukamp als Messdienerin tätig, genau wie Dorothee Grösbrink. Sie kam durch ihre Schwester auf die Idee, Messdienerin zu werden. „Ich bin jetzt seit über zehn Jahren dabei“, sagt die 19-Jährige.

Monika Laukamp hingegen bekam als Kind nicht die Chance, Jugendarbeit bei den Messdienern zu erfahren. Daher wurde sie Pfadfinderin in St. Lamberti „Da habe ich dann Jugendarbeit erlebt.“ Und nachdem sie jahrelang nicht an den Ministrantendienst gedacht hatte, kam vor etwa zehn Jahren die Gelegenheit, als Messdienerin anzufangen – und zwar als Erwachsene!

„Ein paar Familien haben sich gefragt, wie die Kinder motiviert werden können, in der Kirche tätig zu bleiben. So kam die Idee auf, selbst mitzumachen“, erzählt Laukamp. Es war die Geburtsstunde der „Oldies-Messdiener“ der Maria-Frieden-Gemeinde. „Ich war anfangs die einzige Frau, mittlerweile sind wir jedoch zu zweit“, sagt die Späteinsteigerin.

Von dem früheren Ungleichgewicht der Geschlechter bekommt Dorothee Grösbrink als Messdiener-Gruppenleiterin haute nicht mehr viel mit. „Wir trennen zwar die Gruppenstunden nach Geschlechtern, das ist aber nur wegen der unterschiedlichen Interessen. Unterschiede bei den Aufgaben gibt es keine.“

Immer mehr Frauen tätig,

auch in höheren Ämtern

Die verschiedenen Aufgaben der Messdiener richten sich nicht nach dem Geschlecht, sondern nach dem Alter. Was das Besondere am Ministrantendienst ist, da sind sich die Messdienerinnen einig: „Es ist nicht nur der Dienst am Altar, sondern auch die Gemeinschaft, die entsteht“, sagt die Schülerin. Und die wird durch gemeinsame Aktivitäten gestärkt – so geht es dann schon mal in die Eislaufhalle, zu gemeinsamen Übernachtungen im Pfarrheim oder in ein Ferien- oder Fronleichnamslager, außerdem sorgen Fußballturniere bei Groß und Klein für Spaß! Dabei jeweils wichtig: „das Gleichgewicht zwischen Kirche und Spaß“, wie es die Liebfrauenschülerin formuliert.

Für Monika Laukamp ist der Dienst am Altar nicht mehr wegzudenken. „Ich glaube, ich könnte schlecht ohne das Messedienen!“ Und dass anders herum die Frauen für den Dienst am Altar nicht mehr wegzudenken sind, das weiß die zweifache Mutter auch: „Kirche ohne Frauen ist unvorstellbar!“

Zwar habe es einmal eine distanzierte Haltung zu Messdienerinnen gegeben, aber: „Davon merkt man mittlerweile nicht mehr viel. Es sind immer mehr Frauen in der Kirche tätig, auch in höheren Positionen. Es gibt viele Frauen, die leiten und vorbereiten und damit das Ganze erhalten“, sagt Dorothee Grösbrink.

Streiflichter-Ausgabe vom 9.1.2013

Von Anna Tiffe

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