Ehepaar Schomaker lebte bis 1954 im Kolpinghaus

Die Kindheit im Kolpinghaus verbracht

Gabriele Vöcking im Schankraum des Kolpinghauses 1952 mit ihren Eltern Hermann und Elisabeth Schomacker und einer Cousine (rechts).

Coesfeld. „Ich war zwei Jahre alt, als mein Vater im Krieg fiel und wir lebten auf dem Hof der Großeltern in Ostpreußen. 1945 sind wir geflüchtet.“ Hedwig Vöcking blickt auf die Zeit zurück, die folgte – und die sie bis 1954 im Kolpinghaus in Coesfeld verbrachte.

Wie sich ihr neun Jahre älterer und ältester Bruder Arnold erinnert und ihr erzählt habe, seien sie mit dem Planwagen des Großvaters zum Bahnhof Heiligenbeil gebracht worden, hätten kurze Zeit in einer Siedlung gewohnt und seien dann mit einem Frachtschiff im Januar 1945 nach Pillau-Gotenhafen gefahren. Nach 14 Tagen ging’s weiter mit dem Passagierschiff Gustlov, von dort aus zur Insel Rügen, dann mit dem Zug nach Flensburg. Dort lebten sie in einem von Engländern beaufsichtigten Lager, das Ende Februar von diesen aufgelöst wurde. „Dann fanden wir Unterschlupf in einem großen Zimmer auf einem Bauernhof in Unewatt-Langballig. Meine Mutter Hedwig Schwark arbeitete in einem Krankenhaus in Glücksburg“, so Gabriele Vöcking. „Im September 1949 kam sie auf dem Weg zur Arbeit ums Leben. Sie wurde von einem Motorradfahrer erfasst“, schildert sie noch tief bewegt die weiteren Erlebnisse. Damals war sie sechs Jahre alt.

Ihre 15-jährige Schwester machte eine Ausbildung in einem katholischen Krankenhaus in Schermbeck. „Der damalige Kaplan Völker las dort im Krankenhaus die Messe. Er fragte seine Schwester Elisabeth Schomaker in Coesfeld: ‚Könnt ihr das Kind nicht aufnehmen?’“ Hermann Schomaker, Kastellan des damaligen Kolpinghauses Coesfeld, und seine Ehefrau Elisabeth nahmen Gabriele Schwark als Pflegkind auf.

„Am Nikolaustag 1949 zog ich mit sieben Jahren ins Kolpinghaus ein, damals das sogenannte Bühnenhaus in der Weberstraße. In der ersten Etage war der Gastraum, darüber die Wohnung meiner Eltern mit meinem Zimmer, das ein Fenster zum entstehenden Saaltrakt hatte. Damals wurde der Bau des Saals durch Lehrlinge und Gesellen in der Kolpingsfamilie, die sich nach Feierabend ständig einstellten, zu Ende gebracht und mein Zimmerfenster zugemauert. Mein Vater war Gründungsmitglied und Vorsitzender im Kolpinghaus e.V.“

Im großen Gebäude auf dem Hof sei die Küche entstanden und im hinteren Teil ein Stall gewesen, in dem immer zwei Schweine gefüttert wurden. „War eine große Feier im Haus, bekamen diese das Leckbier, wonach sie dann lustig im Kreis liefen. Meine Aufgabe war es, die für die Schweine benötigten drei Ballen Stroh mit einer Gummikarre von den Bauernhöfen Brambrink und Althoff herbeizuschaffen“, so Gabriele Vöcking weiter. „In einem kleineren Haus zur Weberstraße war der Kindergarten St. Lamberti, wo ich nachmittags manchmal mit den Kleinen spielen durfte. Beim Weiterbau des Kolpinghauses entstanden über dem Saal Zimmer für durchreisende Gesellen und weitere Gästezimmer. Der zweite Stock wurde zum Lehrlingsheim ausgebaut. Der erste Heimleiter Dönnebrink übernahm die Betreuung. Es zogen immer neue Lehrlinge ein, etwa 30 bis 40. Diese wurden vom Haus mit Butterbroten und Henkelmännern versorgt“, erzählt sie. Ihre Aufgabe bestand auch darin, Aufschnitt vom Metzger zu holen und beim Belegen der Brote zu helfen. Im großen Saal gab es oft Theater- und Tanzveranstaltungen oder beispielsweise Vogelausstellungen. „Als die Lamberti-Kirche renoviert wurde, kam das Coesfelder Kreuz in den Kolpinghaussaal. Hier wurde jeden Tag, außer sonntags, die heilige Messe gefeiert. Zum 1. November 1954 verließen wir das Kolpinghaus. Meine Eltern hatten ihr Geschäftshaus an der Kleinen Viehstraße wieder aufgebaut, das im Krieg zerstört worden war.“

Was bedeutet ihr das 150-jhrige Jubiläum der Kolpingsfamilie Coesfeld? „Es gibt mir die Möglichkeit, das Geleistete meiner Eltern für Kolping Coesfeld ein wenig darzustellen. Das bin ich ihnen schuldig.“

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