Coesfelder Jens Wolfers traf seine Traumfrau bei der Kinderhilfe Tschernobyl

1 600 Kilometer, andere Sprachen, andere Sitten

Der Trank der Liebe soll dazu führen, dass der Bund der Familie fröhlich, süß und berauschend ist.

Coesfeld. Jeden Tag treten in Deutschland Frauen und Männer vor den Traualtar, um sich im Kreis von Familie und Freunden das Jawort zu geben.

Auch Jens Wolfers und Angelika Siuduchina sind seit Anfang September verheiratet. Doch ihre Ehe ist etwas ganz Besonderes. Jens kommt aus Coesfeld, Angelika aus Svensk in Bellarus, Weißrussland. 1 600 Kilometer trennen die Heimatorte der beiden voneinander. Seit 2009 sind die Lehrerin für Deutsch und Englisch und der Metallbauer ein Paar.

Kennengelernt bei Erholungsfreizeit

Kennengelernt hat sich das ungewöhnliche Paar vor über zehn Jahren. 1998 nahm Angelika an einer Erholungsfreizeit der Kinderhilfe Tschernobyl teil. Sie und die anderen Kinder der Besuchergruppe kamen aus dem Strahlungsgebiet des Unglücksreaktors in Tschernobyl. Auch Jens war damals an der Sirksfelder Schule, weil seine Eltern Mitglieder der Kinderhilfe Tschernobyl sind. „Wir haben zusammen gespielt, obwohl wir kein Wort von dem anderen verstanden haben“, erinnert sich der heute 24-Jährige.

Zwei Jahre später besuchten Jens und seine Familie die Heimat von Angelika in Weißrussland und lernten das Familienleben und den Alltag dort kennen. „Svensk ist ein kleines Dorf mit etwa 1 000 Einwohnern. Der Ort ist nicht mal auf einer Google-Karte zu finden“, erzählt Angelika von ihrer Heimat.

Im Jahr 2006 kam Angelika wieder nach Deutschland, dieses Mal als Betreuerin und Dolmetscherin. „Ich habe eine Schule besucht, in der sehr intensiver Deutschunterricht angeboten wurde. Deshalb konnte ich als Dolmetscherin gut gebraucht werden“, erklärt die blonde junge Frau. Wie sie schließlich 2009 ein Paar wurden, wissen die beiden noch ganz genau. „Wir haben viel geredet und uns zusammen um die Kinder der Erholungsfreizeit gekümmert“, erinnern sie sich. Seit dem stand das junge Paar über Handy und sms in Kontakt, es gab weitere Besuche in Belarus und Deutschland. Im gleichen Jahr wurde der Kontakt zueinander erleichtert, denn Angelika wurde als Austauschstudentin an der Gutenberg-Universität in Mainz angenommen. „Das war dann wirklich keine Entfernung mehr“, schmunzelt Jens.

Beziehung wurde auf die Probe gestellt

Durch die zahlreichen gegenseitigen Besuche in dieser Zeit wurde die Beziehung auf die Probe gestellt - und sie hielt stand. „Diese Zeit hat für unsere Beziehung eine sehr wichtige Rolle gespielt. Wir konnten lernen wie es ist, zusammen zu leben und wir haben uns nochmal besser kennengelernt“, sagt die 23-Jährige Angelika.

Ein großer Schock war es für Jens‘ Eltern nicht, als er im Mai diesen Jahres von den gemeinsamen Hochzeitsplänen sprach. „Wir haben uns sehr für die beiden gefreut, auch wenn wir uns Gedanken über die Entfernung gemacht haben“, sagt Wiltrud Wolfers, die Mutter von Jens. Und diese Gedanken waren wahrscheinlich berechtigt, denn wie soll man heiraten mit zwei Familien und zwei Freundes- und Bekanntenkreisen, die aus verschiedenen Ländern kommen, die fast 2000 Kilometer voneinander entfernt sind? Jens und Angelika haben dennoch eine gemeinsame Feier in Belarus zustande gebracht und nicht nur das: Sie haben es auch geschafft, die unterschiedlichen Traditionen ihrer Heimatländer miteinander zu vereinen.

Traditionen aus Deutschland und Belarus

So musste Jens am 3. September, dem Hochzeitsmorgen, als Prinz vor seine Braut treten, um sie mit Pralinen, Rubel und Euro aus dem Elternhaus freizukaufen. Am Standesamt wurde das Paar von fünf landesüblich gekleideten Frauen begrüßt. „Leider habe ich nicht alles verstanden, was dort gesagt wurde. Dafür haben meine Russischkenntnisse einfach nicht ausgereicht“, bedauert Katharina Wolfers, die jüngere Schwester von Jens. Der weißrussischen Tradition zufolge hat Jens nun die Oberhand in der Ehe, denn er hat das größere Stück von dem Brot abgebissen, mit dem Wiltrud Wolfers, die Mutter des Bräutigams, das frisch vermählte Paar nach der Trauung empfangen hat. Bis zwei Uhr in der Nacht feierten die Gäste das junge Paar und auch am nächsten Tag wurde weiter gefeiert.

Zurück in Deutschland kehrt der Alltag ein

Inzwischen haben sich Jens und seine Familie längst wieder an den deutschen Alltag gewöhnt - näturlich mit Angelika an ihrer Seite. Was bleibt, sind die Erinnerungen an ein einzigartiges Hochzeitserlebnis in Weißrussland. Zur Zeit wohnen Angelika und Jens noch bei Familie Wolfers, doch schon bald wollen sie sich eine eigene Bleibe suchen. Für Jens steht fest: „Es ist wunderbar, endlich mit seiner Traumfrau vereint zu sein.“ Und das einfach so, ohne die weite Enfernung und viel zu hohe Telefonrechnungen.

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