Kinderhilfe Tschernobyl seit 20 Jahren aktiv. Ausstellungseröffnung am 26. April

Katastrophe und Engagement sind Thema einer Ausstellung

Weisen auf die Ausstellung anlässlich des 25. Jahrestags der Katastrophe von Tschernobyl und des 20-jährigen Bestehens der Kinderhilfe Tschernobyl ab dem 26 . April in der Sparkasse hin: (von links) Bernhard Heuermann (Buchhandlung), Thomas Bücking (Kinderhilfe Tschernobyl) und Christian Overhage (Sparkasse).

Coesfeld. So richtig zum Feiern zumute ist den Beteiligten nicht, schließlich ist der 25. Jahrestag einer schlimmen Katastrophe einer der beiden Anlässe für die Ausstellung, die ab dem 26. April in der Sparkasse Westmünsterland zu sehen wird: die Explosion eines Atomreaktors in Tschernobyl.

Der zweite Anlass ist da schon ein weitaus fröhlicherer: das 20-jährige Bestehen der Kinderhilfe Tschernobyl Coesfeld, über die Hunderte von Kinder aus der weißrussischen Stadt Svensk, die in dem riesigen von radioaktiver Strahlung betroffenen Gebiet liegt, bis heute Erholungsurlaub in der Sirksfelder Schule in Coesfeld verbringen konnten.

„Der Einsatz dieser Menschen, die sich über 20 Jahre ehrenamtlich engagiert haben für die Menschen, die die Katastrophe und deren Folgen hautnah miterlebt haben, ist gar nicht hoch genug zu bewerten“, findet Bernhard Heuermann, der sofort bereit war, die Ausstellung in der Sparkasse durch die Organisation einer Autorenlesung zu bereichern (siehe Programm).

Christian Overhage, Filialdirektor der Sparkasse Westmünsterland, die für die Ausstellung ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, erinnert sich an das erste Treffen zum Informationsaustausch mit Thomas Bücking von der Kinderhilfe Tschernobyl Coesfeld. „Das war im Januar. Da war uns die aktuelle Brisanz des Themas noch gar nicht bewusst. Seit Fukushima hat sich das natürlich geändert.“

Dabei sei es ursprünglich gerade ein besonderes Anliegen gewesen, die Katastrophe von Tschernobyl bei den Menschen in Erinnerung zu bringen. Beziehungsweise überhaupt für Aufklärung zu sorgen. Bücking: „Schüler einer zehnten Klasse haben uns kürzlich einmal gefragt: ,Tschernobyl? Was war das überhaupt?‘ Uns ging es deshalb auch darum, an die Katastrophe zu erinnern. Und darum aufzuzeigen, welche Auswirkungen sie für die Menschen in der Region hat.“

Bücking versucht es zu verdeutlichen: „Bei Hochwasser-Katastrophen wie an der Oder, die für die Menschen auch schlimm sind, kann irgendwann alles wieder weitestgehend aufgeräumt werden. Tschernobyl oder Fukushima sind damit nicht zu vergleichen. Da kann man nicht sagen: ,So, jetzt ist es abgehakt.‘“ Nach wie vor sei die Schilddrüsenkrebsrate in dem von der Katastrophe betroffenen Gebiet „exorbitant hoch“, so Bücking. „Das ist auf jeden Fall ein Indikator, dass schlimme gesundheitliche Schäden in Folge der Strahlung auch heute noch auftreten.“

In Coesfeld nutzen mittlerweile schon Kinder in dritter Generation die Chance, für ein paar Wochen abschalten und regenieren zu können – und dabei auch die westeuropäische Kultur kennenzulernen. „Wir leisten mit unseren Ferienfreizeiten auch einen Beitrag zur Völkerverständigung. Das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt. Die Kinder, die zu uns kommen, sind Brückenbauer zwischen dem freien, demokratischen Europa und dem diktatorischen Europa in Weißrussland“, so Bücking, der nun hofft, dass möglichst viele Coesfelder die Ausstellung besuchen werden.

Das Programm:

Ausstellung: An Themenwänden wird es Informationen über die Katastrophe im Jahr 1986 sowie deren Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit der Menschen im Umkreis geben, dazu Informationen über die Kinderhilfe Tschernobyl sowie deren Partnerschule in Svensk. Zu sehen sein wird die Ausstellung vom 27. April bis 6. Mai in den Räumlichkeiten der Sparkasse Westmünsterland, Münsterstraße 5, während der Öffnungszeiten.

Ausstellungseröffnung: Zur Eröffnung der Ausstellung am Dienstag, 26. April, um 18 Uhr haben sich Bürgermeister Heinz Öhmann und Bundestagsabgeordneter Karl Schiewerling angesagt. Letzterer wird auch über die aktuelle Entwicklung zum Thema Atomenergie in Berlin berichten. Interessierte sind willkommen.

Autorenlesung: Am Mittwoch, 27. April, ab 19.30 Uhr liest Merle Hilbk aus ihrem Buch „Tschernobyl Baby“ in der Sparkasse Westmünsterland. 2009 und 2010 reiste die Journalistin durch die verstrahlten Gebiet in Weißrussland und der Ukraine, bis hin zum Reaktor, sprach mit Frauen in kleinen Dörfern, fuhr durch die Sperrzone. Immer mit dabei: Mascha, Merle Hilbks 1986 in der Nähe von Tschernobyl geborene Freundin. Sie gehört zur Generation der „Tschernobyl-Babys“, die in den 90er Jahren zu Erholungsaufenthalten in deutschen Gastfamilien waren und die ihren ganz eigenen Blick auf die Katastrophe haben … Organisiert wird die Lesung von der Buchhandlung Heuermann. Der Eintritt ist frei, über Spenden freut sich die Initiative. „Generell“, so Thomas Bücking, „fließen keine Spendengelder in die Ausstellung und die Aktionen. Dass das möglich ist, dafür sind wir unseren Sponsoren sehr dankbar.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare