Jubiläums-Musik-Festival

Jubiläum in Coesfeld: 20 Jahre Festival "Rock am Turm"

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Die Planungen für das Jubiläums-Festival laufen beim komplett ehrenamtlichen Organisationsteam, das sich aus einem 13-köpfigen Planungs-Kern und knapp 100 Helfern zusammensetzt, auf Hochtouren.

Coesfeld. Der Name „Rock am Turm“ ist vielen im Kreis Coesfeld ein Begriff und gehört für Fans zur Kreisstadt wie die Berkel. Am Freitag, 17. Juli, und am Samstag, 18. Juli, geht das zweitägige Festival in die nächste Runde. Dabei feiert das Coesfelder Musik-Event sein 20-jähriges Bestehen. Seit 2001 möchten die Veranstalter mit der für Besucher kostenlosen Open-Air-Party so ein Zeichen gegen Intoleranz und Extremismus setzen. Ins Leben gerufen wurde „Rock am Turm“ ehrenamtlich vom Team des Offenen Jugendtreffs der katholischen Kirchengemeinde Anna-Katharina. Im Gespräch mit den Streiflichtern blicken die Organisatoren auf zwei Jahrzehnte Festivalgeschichte zurück. Passend zum Jubiläum warten sie 2020 mit einigen Neuerungen auf.

Mit gerade einmal 300 Besuchern und einer Dauer von einem Tag gab es „Rock am Turm“ erstmalig im Jahr 2001. „Wir haben damals vom Land NRW 500 Euro Fördergeld bekommen und waren schon super glücklich“, erklärt Sozialarbeiter Matthias Ebbert, ehrenamtlicher Organisator des Festivals. 2009 kamen schon 2 500 Interessierte nach Coesfeld. Heute zieht das seit 2011 zweitägige Festival über 4 500 Besucher in seinen Bann – und das aus ganz Deutschland und sogar den Niederlanden. Viele Gäste reisen aus dem Ruhrgebiet an, aber auch Gäste aus Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein waren bereits bei Rock am Turm dabei. „Wir hatten schon einen Festival-Besucher, der extra sechseinhalb Stunden Anfahrt für Rock am Turm auf sich nahm“, sagt Ebbert.

Festival seit 2010 auf anderem Gelände

In 20 Jahren Festival-Geschichte hat sich aber nicht nur die Besucher-Anzahl verändert, sondern auch der Austragungsort. In den ersten Jahren feierten die Musik-Fans auf dem Schulhof der Laurentiusschule in Coesfeld. Der weiße Laurentiusturm gab dem Event übrigens seinen Namen. 2010 zog Rock am Turm um und wechselte zum heutigen Gelände am Dreischkamp. Die dort ansässige Fabrik bietet seitdem die kostenlose Nutzung ihres Geländes für das Festival an. „Das war eine riesige Arbeitserleichterung für uns“, erklärt Ebbert. Der Umzug sei wegen der wachsenden Besucherzahlen nötig gewesen.

Der Rockmusiker und Bassgitarrist Steffi Stephan spielte im Jahr 2008 beim Coesfelder Festival „Rock am Turm“. Stephan ist Produzent aller Live-Alben von Udo Lindenberg & Panikorchester.

Das Wachstum bringt für die Veranstalter ebenfalls einen Anstieg der Kosten und des bürokratischen Aufwands mit sich. „Die Kosten für Rock am Turm sind mittlerweile fünfstellig“, verrät Organisator Christian Schemmer. Um weiter dem Motto „umsonst und draußen“ treu bleiben zu können, ist das komplett ehrenamtliche Organisationsteam, das sich aus einem 13-köpfigen Planungs-Kern und knapp 100 Helfern zusammensetzt, auf Unterstützung von außen angewiesen. Das Sponsoring von Unternehmen aus der Region sei sehr wichtig. „Einige Unternehmen sind sehr großzügig. Dafür sind wir dankbar“, erklärt Matthias Ebbert. Darüber hinaus finanziert sich Rock am Turm über Rücklagen, den Verkauf von Speisen und Getränken, einer Tombola, weitere Spenden-Aktionen sowie dem Merchandise-Verkauf. Das gesamte Rock-am-Turm-Team dankt unter anderem Edith und Jochen Eckert von Vereinsbedarf Eckert in Coesfeld für die Unterstützung beim Bedrucken des Merch.

„Rock am Turm“ lockt mit hochkarätigem Line-Up

Das über die Jahre hinweg hochkarätige Line-Up von Rock am Turm wird unter anderem durch die internen Verbindungen des Orga-Teams ermöglicht. So traten beispielsweise schon die Bands „Swiss + Die Andern“, „Tri State Corner“ oder „Die Kassenpatienten“ in Coesfeld auf. Eine bestehende Freundschaft zum Veranstaltungsleiter des bekannten Hamburger Klubs „Große Freiheit“ sorgte bereits für einige Musik-Größen bei Rock am Turm. Viele Bands unterstützen zudem die Botschaft des Festivals. Denn nicht nur mit dem Motto „umsonst und draußen“ sondern auch mit dem Motto „Extremismus – Intoleranz – Nein Danke!“ setzte Rock am Turm ein Zeichen. Coesfeld soll bunt bleiben, so das Anliegen der Organisatoren. „Wir sehen uns durchaus politisch“, so Ebbert. Christian Schemmer ergänzt: „Wir leben in einer Zeit, in der es unglaublich wichtig ist, sich zu bekennen.“

Das Team vom „Pommestempel“ – hier aus dem Jahr 2015 – versorgt die hungrigen Festival-Gäste.

Neben dem politischen Aspekt steht natürlich auch die Musik im Vordergrund. Passend zu zwei Jahrzehnten Rock am Turm, haben die Veranstalter 2020 Highlights der gesamten Festival-Geschichte mit dabei. Bis jetzt sind zehn Acts bestätigt. Eine Neuerung im Programm betrifft den Freitag. Die „Oldie Night“ fällt in diesem Jahr weg. Stattdessen wartet ein Jubiläumsabend auf die Besucher. Am Freitag stehen die Tanzgruppe „Kids mit Handicaps“ sowie die Bands „Kapelle Petra“, „Die Kassenpatienten“, „Tri State Corner“ und „Silent Revenants“ auf der Bühne. Am Samstag heizen „ZSK“, „Dog Eat Dog“ und „Rantanplan“ dem Publikum ordentlich ein. In der Mittelalter-Taverne wird die Band „Squirrels n’ Roses“ spielen. „Das Festival ist für alle Besucher von null bis 99 Jahren“, berichtet Matthias Ebbert. Deswegen wird es am Samstag wieder einen Familiennachmittag geben. Kinderliedermacher Klaus Foitzik wird vor Ort sein. Auf die kleinen Gäste warten zudem eine Bimmel-Bahn, Zuckerwatte und Kinderschminken.

Auf dem Festival-Gelände werden außerdem Info-Stände von „Coesfeld for Future“, „Sea Shepherd Conservation Society“ und „Viva con Agua“ zu finden sein. Weitere Aktionen, unter anderem zur Geschichte des Festivals, sind ebenfalls in Planung.

„Kids mit Handicaps“ eröffnet das Musik-Event

Alle Interessierten können das 20-jährige Jubiläum von Rock am Turm am 17. und 18. Juli auf dem Gelände am Dreischkamp 26 besuchen. Beginn am Freitag ist um etwa 18 Uhr. Traditionell werden die „Kids mit Handicaps“ der Tanzschule Falk das Wochenende eröffnen. Gegen 1 Uhr endet das Programm. Am Samstag geht es ab 14 Uhr weiter mit dem Familiennachmittag. Um circa 18 Uhr startet das Konzert-Programm für die Großen. „Der Übergang ist dabei fließend“, sagt Marius Wolters vom Orgateam. Gegen halb zwei endet das Festival. Wie in den Vorjahren wird es in der Fabrik wieder eine Rock-am-Turm-Aftershow-Party geben. Weitere Infos auf www.rockamturm-coesfeld.de.

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