„Bewusstsein fürs Klima schärfen“

Interview mit der neuen Klimaschutzmanagerin Julika Fritz und Wolfgang Zeisberg

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Am 12. Februar stellt sich die neue Klimaschutzmanagerin Julika Fritz – hier mit ihrem Kollegen Wolfgang Zeisberg – der Öffentlichkeit vor.

Coesfeld. Die FridaysForFuture-Bewegung hat den Klimaschutz immer stärker in das Bewusstsein der Bürger gerückt. Den Anschub hierfür gab die heute 17-jährige Schwedin Greta Thunberg, die nicht nur die Jugendlichen, sondern auch Erwachsene weltweit auf die Straße brachte, um die Politik und Co. wachzurütteln und diese an das auf der Weltklimakonferenz in Paris 2015 im Weltabkommen manifestierte Versprechen zu erinnern: den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Schon bevor die junge Schwedin auf die Straße ging, entwickelte die Stadt Coesfeld im Jahr 2017/18, gefördert von Bundesmitteln und mit Unterstützung eines Fachbüros, ein Integriertes Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept. Jetzt gilt es, dieses Konzept umzusetzen. Streiflichter-Redakteurin Yvonne Reher sprach mit der neuen Klimaschutzbeauftragten der Stadt Coesfeld und Wolfgang Zeisberg vom Fachbereich Planen und Umwelt.

Frau Fritz, Sie haben Ihren Bachelor in Landschaftsökologie abgeschlossen. Dazu gehörte auch das Modul Klimatologie. In diesem Bereich haben sie Ihre Masterarbeit geschrieben. Zielgerichtet? 

Julika Fritz: Ich hatte eigentlich keinen direkten Berufswunsch. Doch für Umweltthemen habe ich mich immer interessiert. Und in der Familie wurde auch darüber viel gesprochen. Meine Mutter hat ein großes Umweltbewusstsein. Um die Umwelt zu verstehen, habe ich Landschaftsökologie studiert. Aber erst im Master habe ich mich auf Klimatologie spezialisiert und meine Masterarbeit in dem Gebiet geschrieben. Inzwischen habe ich meine Mutter in Sachen Umweltbewusstsein überholt (schmunzelnd).

Klimaschutzmanagerin ist keine Berufsausbildung, sondern nur ein Begriff. Wo sehen Sie, Frau Fritz, ihre Aufgabe? 

Julika Fritz: Ich möchte die Stadt Coesfeld unterstützen, Projekte voranzubringen und dabei den Blick auf den Klimaschutz zu richten.

Wolfgang Zeisberg: Unser Integrierten Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept bietet den Rahmen und sieht eine Vielzahl von konkreten Maßnahmen vor. Die werden wir jetzt nach und nach angehen.

Was fiel Ihnen als erstes auf, als Sie zum ersten Mal in Coesfeld waren? 

Julika Fritz: Mit der Promenade wirkt die Stadt wie ein kleines Münster.

Apropos Grün und Luft: Sind Frischluftschneisen (freigehaltene Flächen in Städten, die zur Versorgung der inneren Stadtbezirke mit zirkulierender Luft dienen) für Coesfeld denkbar? 

Julika Fritz: Über die Bedeutung von Frischluftschneisen wird auch in Coesfeld diskutiert, etwa im Zusammenhang mit den Fürstenwiesen. In der Innenstadt merken wir, wie sehr uns der neu gestaltete Schlosspark zugute kommt.

Herr Zeisberg, welche Projekte hat die Stadt Coesfeld für den Klimaschutz in Angriff genommen, welche stehen demnächst an? 

Wolfgang Zeisberg: Wir haben verschiedene Maßnahmen gemacht: sei es die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik oder die energetische Sanierung von Schulen. Weitere Themen sind Verkehr und Grünflächen. Zur Verbesserung der Artenvielfalt wurden etwa die Straßenränder an der Coesfelder Straße und an der Rekener Straße in Staudenbeete umgestaltet. Eine große Maßnahme wird die Sanierung des Schulzentrums an der Holtwicker Straße sein.

Was machen Sie, Frau Fritz, Herr Zeisberg für den Klimaschutz? 

Julika Fritz: Ich ernähre mich weitgehend vegan, kaufe meine Kleidung in Secondhand-Läden. Ich besitze kein Auto und habe auch in der nächsten Zeit nicht vor, eines zu kaufen. Ich fahre Fahrrad. Darüber hinaus ist es mir wichtig, Sachen zu reparieren, anstatt immer neu zu kaufen. 

Wolfgang Zeisberg: Ich habe zu Hause seit über zehn Jahren eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach. Ich fahre maximal zweimal im Jahr mit dem Auto zur Arbeit. Dann kann es auch mal vorkommen, dass ich auch an diesen Tagen in den Fahrradkeller gehe und denke, wer hat mir mein Fahrrad geklaut (so Zeisberg lachend). Urlaub machen wir, wenn möglich, mit der Bahn. Und auch unser Einkaufsverhalten haben wir so geändert, dass wir selbst Verpackungsmaterialien mitnehmen und soweit wie möglich auf Kunststoff verzichten.

Am Mittwoch, 12. Februar, um 17 Uhr stellt sich die neue Klimaschutzmanagerin Julika Fritz in der Sitzung des Ausschusses Umwelt Planen Bauen im Sitzungssaal des Coesfelder Rathauses vor. Darüber hinaus werden die Mitglieder an diesem Tag in der Sitzung über die Abwicklung der Projekte aus dem Integriertes Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept beraten.

Zur Person Julika Fritz

Die neue Klimaschutzmanagerin der Stadt Coesfeld ist gebürtige Heidelbergerin. Aufgewachsen ist die heute 27-Jährige in Leverkusen. Dort machte sie ihr Abitur. Direkt danach zog sie nach Münster, um Landschaftsökologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu studieren. Ihre Masterarbeit schrieb sie im Bereich Klimatologie. In ihrer Freizeit singt sie im Hochschulchor in Münster.

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