Ergänzende unabhängige Teilhabe-Beratung

Interview mit Dirk Nattefort von der EUTB: „Wir beraten auf Augenhöhe“

+
Dirk Nattefort bietet die Teilhabeberatung für den Kreis Coesfeld unter anderem im Büro am Jakobiring an.

Kreis Coesfeld. Nach Hilfe zu fragen ist vor allem bei Menschen mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen im Alltag manchmal unumgänglich. So kann es beim Einkaufen das Tragen von Wasserflaschen oder der Ticketkauf am Bahnhof sein. Die Ergänzende unabhängige Teilhabe-Beratung (EUTB) bietet für diese Menschen Unterstützung bei Fragen rund um Teilhabe, Rehabilitation und Inklusion und gibt auch Hilfestellung bei der Antragstellung von Leistungen. Streiflichter-Mitarbeiterin Lotte Köhne hat Berater Dirk Nattefort zum Angebot in Coesfeld befragt.

In welchen Bereichen bieten sie Beratungen an und wer kann sie in Anspruch nehmen? 

Dirk Nattefort: Die Beratung richtet sich zunächst einmal an alle Menschen mit Beeinträchtigungen oder chronischen Erkrankungen und ihre Angehörigen. Dabei ist es nicht von Bedeutung, wie stark die Einschränkung oder Erkrankung ist. Wir verstehen uns in einer Art Lotsen-Funktion, in der wir es uns zur Aufgabe machen die richtigen Einrichtungen oder Ansprechpartner für die Betroffenen zu finden. So hatte ich vor Kurzem einen Fall, wo eine Mutter sich für ihren Sohn mit kognitiver Einschränkung über eine ,in leichte Sprache’ verfasste Führerscheinprüfung informiert hat. Das war ein sehr spezieller Fall. Insgesamt handelt es sich um ein niederschwelliges Angebot, welches unabhängig von Versicherungen ist. Wir benötigen keine Versichertennummer oder sontige personenbezogene Daten. Wir möchten über Möglichkeiten und Gesetzlichkeiten informieren.

Wie läuft eine solche Beratung ab und was ist für Sie besonders daran?

Nattefort: Meistens kommen die Betroffenen mehr als einmal zur Beratung. Manchmal kommen Betroffene auch ,nur’ um Frust und Ärger abzulassen. Wir dienen dann als Puffer und sortieren gemeinsam die Gedanken vor dem nächsten Schritt. Viele unserer Kollegen sind selbst auch betroffen. So können wir eine sogenannte „Peer-to-Peer-Beratung“ anbieten und eigene Erfahrungen weitergeben, Tipps geben, wie man mit Menschen mit Behinderung umgeht, mitfühlen und auf Augenhöhe beraten. Ich selbst bin auch als Angehöriger betroffen. Und das ist gleichzeitig das Besondere daran und eine Herausforderung, die eigene Betroffenheit außenvorzulassen.

Hier geht es zur Webseite der EUTB im Kreis Coesfeld

Momentan ist die EUTB ja ein Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW e.V. Wie soll das in Zukunft aussehen? 

Nattefort: Das Projekt läuft gesetzlich noch bis 2022. Danach wird es von der Bundesregierung evaluiert und hoffentlich als entfristetes Angebot weiterlaufen, damit nicht jedes Mal ein Projektantrag gestellt werden muss, aber die Betroffenen auch in Zukunft Anspruch auf unsere Beratung haben. Uns ist es wichtig dieses kostenlose Angebot weiterhin anzubieten, weil es für viele Betroffene und Angehörige eine gute Anlaufstelle bietet.

Weitere Infos auch im Büro am Jakobiring 20, Tel. (02541) 7378643 und 7379454.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare