Kreisbrandmeister

Interview mit Christoph Nolte: Keine Nachwuchssorgen bei der Kreisfeuerwehr

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Mit 17 Jahren ging Christoph Nolte in die Feuerwehr. Der 59-jährige Kreisbrandmeister hat es nie bereut, sich in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.

Kreis Coesfeld. Junge Menschen für die Jugendfeuerwehr oder überhaupt für die Feuerwehr zu begeistern, ist in manchen Landstrichen in Deutschland schwierig. Das digitale Zeitalter, deutlich mehr Alternativen in der Freizeitgestaltung und eine andere Bedeutung des Ehrenamtes tragen ihren Teil dazu bei. Wie sich im Kreis Coesfeld die Situation darstellt, darüber sprach Streiflichter-Redakteurin Yvonne Reher mit dem Kreisbrandmeister Christoph Nolte.

Gibt es Nachwuchssorgen bei der Kreisjugendfeuerwehr? 

Christoph Nolte: Nein! Wir haben durchweg positive Erfahrungen gesammelt.

Was machen Sie anders als die Kollegen in anderen Regionen? 

Nolte: Wir haben uns vor Jahren dem VdF NRW (Fachverband für Fragen des Feuerwehrwesens und der Rettungsmedizin) angeschlossen. Mit seiner Unterstützung machen wir Werbung in den Kindergärten und Schulen. Wir sind auch immer auf der CoeMBO (Coesfelder Messe zur Bildungs- und Berufsorientierung) vertreten. Es hat viel mit Ehrenamtlichkeit zu tun. 

Wie viele junge Menschen gibt es in der Kreisjugendfeuerwehr? 

Nolte: Wir haben gut 300 Jugendliche in der Kreisjugendfeuerwehr. Es könnten noch mehr sein. Wir haben Wartelisten. 

Wartelisten? Warum werden sie nicht alle aufgenommen? 

Nolte: Wir benötigen eine adäquate Betreuung und Beschäftigung für den Nachwuchs. Und diese sind aufgrund der personellen Situation nicht immer leistbar. 

Wie alt müssen die Jugendlichen sein, um in die Jugendfeuerwehr aufgenommen zu werden? 

Nolte: Zwölf Jahre müssen sie alt sein. Vor rund 30 Jahren sind die ersten Mädchen in die Jugendfeuerwehr aufgenommen worden. 

Kommen heute noch Mädchen hinein? 

Nolte: Heute ist es Usus, dass Mädchen dabei sind. Wenn sie kommen, dann in der Regel mit einer Freundin. 

Was lernt der Feuerwehrnachwuchs? 

Nolte: Sie werden eingeführt in die Fahrzeug- und Gerätekunde. Eine Schere mit einem Eigengewicht von rund 25 Kilogramm können wir ihnen natürlich noch nicht in die Hand geben. Bei den Dienstabenden stehen vor allem das Gemeinschaftsleben und das Kameradschaftsgefüge im Vordergrund. Spielerisch werden sie an die Erste Hilfe und auch an die Reanimation herangeführt. 

Wie stärken Sie den Zusammenhalt zwischen den einzelnen Feuerwehren im Kreis? 

Nolte: Wir veranstalten jährlich einen Kreisjugendfeuerwehrtag, ein Pfingstlager und spielen einen Wanderpokal aus. 

Eignen sich auch Räumlichkeiten außerhalb des Feuerwehrgerätehauses? 

Nolte: Nein, das Gerätehaus ist das Haus der Feuerwehr. Und die Jugendlichen sollten durch die gleiche Tür gehen, wie die anderen Feuerwehrkameraden auch. 

Was benötigt der Feuerwehrnachwuchs? 

Nolte: Eigene Räumlichkeiten, in denen sie sich zurückziehen können. Sie müssen nicht unbedingt Gespräche mitbekommen, wenn die Feuerwehrkameraden gerade von einem schweren Einsatz kommen und sich darüber unterhalten. Es sind nicht gerade immer jugendgerechte Themen. 

Wie viele der elf Feuerwehren im Kreis erfüllen diese räumlichen Voraussetzungen für den Feuerwehrnachwuchs? 

Nolte: Beispielsweise Dülmen, Coesfeld und künftig auch Ascheberg und Billerbeck. Letztere bauen neue Feuerwehrgerätehäuser, in denen dieser Punkt Jugendfeuerwehrraum berücksichtigt wurde. 

Wie viele Jugendliche bleiben auch im Erwachsenenalter in der Feuerwehr? 

Nolte: Wir haben ganz wenige Austritte. Mehr als 80 Prozent bleiben uns erhalten. Wenn sie mit 17/18 Jahren in die aktive Zeit der Feuerwehr gehen, ist es auch meistens die Zeit ihrer schulischen Weiterentwicklung. Einige gehen. Die Prägung bleibt. Einige schieben an ihrem Ausbildungsort oder Studienort ihren Dienst. Gehen uns also nicht verloren. Momentan können Sie über Nachwuchssorgen in der Kreisfeuerwehr nicht klagen. Zurzeit gibt es rund 1 400 aktive Feuerwehrkameraden im Kreis Coesfeld. 

Meinen Sie, das wird sich in den nächsten 20 Jahren ändern? 

Nolte: Ja! Der demografische Wandel wird uns auch erreichen. Auch wenn für uns die Welt zurzeit rosarot ausschaut. Damit die Kommunen auf Dauer eine leistungsfähige Freiwillige Feuerwehr haben, müssten sie Motivationshilfen schaffen.

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