Hubertus Grimm wuchs in Lette auf und ist mit 36 ein gefragter Schauspieler

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Der in Lette aufgewachsene Hubertus Grimm fühlt sich als Schauspieler auf Theaterbühnen ebenso wohl wie vor TV-Kameras.

Coesfeld. Vor vierzehn Tagen haben ihn fast 5 Millionen Fernsehzuschauer im ZDF in der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung „Das Geheimnis der weißen Taube“ gesehen, aktuell steht er in Essen in dem Theaterstück „Das Lächeln der Frauen“ auf der Bühne und vielen ist er aus Serien wie „Heiter bis Tödlich“, „Soko“ oder auch an der Seite von Hannelore Elsner in „Ein Sommer im Burgenland“ bekannt. Doch einige aus dem Raum Coesfeld kennen ihn auch abseits von Film und Theater: Seine Kindheit und Jugend hat Schauspieler Hubertus Grimm nämlich in Lette verbracht – heute wohnt er allerdings in Berlin. „Da hat man in meinem Beruf einfach viel mehr Möglichkeiten als in Coesfeld“, gesteht der 36-Jährige lachend. Und diese Möglichkeiten haben ihm bislang zu einer guten Karriere verholfen.

2006 spielte er in „Wege zum Glück“ in seiner ersten Fernsehserie mit, danach folgte eine Hauptrolle im Fernsehfilm „Tod aus der Tiefe“ an der Seite von Lavinia Wilson und Fahri Ogün Yardim. „Das war auf jeden Fall ein weiterer Karriereschritt“, erinnert sich Grimm. „Außerdem war es toll, nach einem Jahr Serie einen Thriller zu drehen. Denn die Arbeitsabläufe unterscheiden sich schon ein wenig.“

Diese Abwechslung sei ihm sehr wichtig. „Wenn man eine Rolle über einen längeren Zeitraum in einer Serie spielt, ist das total schön, weil sie sich entwickeln kann, es viele Räume und Möglichkeiten gibt“, meint er. „Aber es kommt irgendwann der Punkt, an dem eine Rolle nicht zufriedenstellend weitererzählt wird oder Geschichten stagnieren, einem die Abwechslung fehlt – dann sollte man aufhören.“

Dass er nach seiner Rolle in einer Serie ein Engagement für einen Spielfilm bekommen hat, sei für ihn sehr wichtig gewesen. „In Deutschland ist es für einen Schauspieler nicht unerheblich, an welchem Projekt er beteiligt ist“, weiß Hubertus Grimm. „Die Entscheidungsträger wollen jemanden, der in einer Soap spielt, nicht unbedingt in einem Tatort sehen.“ Diese Teilung sehe er eher kritisch. „Eine Soap zu machen, ist harte Arbeit und eine gute Schule. Allabendliches Text lernen für den nächsten Tag ist dabei nur ein Aspekt. Ich persönlich habe in dem einen Jahr enorm viel über Disziplin und Arbeiten unter starkem Zeitdruck gelernt und dabei gleichzeitig gelernt, mir und der Rolle inneren Raum und ein wenig Freiheit zu verschaffen.“

Sein Studium absolvierte er an der Hochschule für Musik & Darstellende Kunst in Stuttgart. Ausgebildet wurden er und seine Kommilitonen zum Beispiel in Improvisation, Fechten, Dramaturgie, dem klassischen Rollenstudium, aber auch Tai Chi. „Wir haben fast jeden Tag mit Tai Chi begonnen. Im Sommer trafen wir uns dafür sogar im Park.“ Obwohl die Zeit arbeitsintensiv war, hat er sein Studium als sehr schön in Erinnerung. „Ein Kommilitone hat einmal zu mir gesagt, er fühle sich, als wäre er für vier Jahre im Ferienlager“, lacht der 36-Jährige. „Ich finde, das trifft es ganz gut!“

Schon bevor er mit seinem Studium begonnen hatte, stand Grimm regelmäßig auf der Bühne. „Dass ich Schauspieler werden wollte, war mir schon recht früh klar“, erinnert er sich. „Aber auf dem Dorf hatte man nicht so den Kontakt zum Theater.“ Mit 16 sei er dann zur Coesfelder Freilichtbühne gekommen. „Die Freilichtbühne war das Beste, was mir damals passieren konnte. Sie hat mich in meinem Berufswunsch nochmal bestärkt.“ Heute gefällt es ihm vor der Kamera genauso gut wie auf der Bühne. „Am liebsten wäre mir, im Winter Theater zu spielen und im Sommer Filme zu drehen“, sagt Hubertus Grimm. „Aber das würde jeder andere Schauspieler vermutlich auch sagen.“

Die Abläufe am Theater seien oft geregelter als an einem Filmset. „Man probt erst einige Wochen und dann folgen die Vorstellungen. Außerdem ist der Kontakt zum Publikum natürlich unmittelbar und dadurch extrem bereichernd“, erzählt er. „Beim Film wiederum muss man häufig spontan und sehr gut vorbereitet sein. In gewisser Weise arbeitet man im Vorfeld eigenständiger. Dann ist der erste Drehtag, man hat gerade erst seine Kollegen kennengelernt und plötzlich fängt es an zu regnen. Dann wird von jetzt auf gleich alles wieder umgestellt und man dreht die Szene, die für die nächste Woche geplant war.“

Besonders gern erinnert sich Hubertus Grimm an 2011. „Wir haben fast das gesamte Jahr über auf Mallorca für eine Serie gedreht und mit fünf Darstellern in einer großen Finca gelebt. Diese Monate waren wunderschön.“ Außerdem sei es entspannend zu wissen, wie man die nächsten Wochen verbringt. „Wenn man eine feste Rolle in einer Serie hat, ist man über mehrere Monate gebucht“, weiß er. „Ist das nicht der Fall, kommen Filmangebote nicht selten erst zwei Wochen vor Drehstart.“

Obwohl er schon seit einigen Jahren in Berlin lebt, bedeutet Lette für den Schauspieler immer noch Heimat: „Ich habe in Lette zwanzig Jahre meines Lebens verbracht und meine Familie lebt immer noch dort.“ Als er sechs Monate alt war, ist er mit seinen Eltern in den Coesfelder Stadtteil gezogen. Geboren wurde er in Tansania. „Mein Vater war damals als Arzt in einer Missionsstation tätig“, erklärt der 36-Jährige.

Für die Zukunft wünscht sich Hubertus Grimm, dass er auch weiterhin als Schauspieler Erfolg hat. „Ich möchte mit meinem Beruf meinen Lebensunterhalt bestreiten, und zwar ein Leben lang“, sagt er. Dies sei ihm heute – als Vater von zwei Kindern – noch wichtiger als vor einigen Jahren. „Man bekommt immer wieder mit, dass Kollegen aufgeben, weil der Job ihnen zu unsicher ist. Diesen Gedanken kann ich schon verstehen“, meint er. „Aber ich hoffe, dass ich auch noch über die Rente hinaus als Schauspieler aktiv sein werde.“

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