Coesfelder Stammtisch zu Gast in Polen. Italien gegen Kroatien miterlebt

Bei der EM hautnah dabei

Müde Knie bei Peter Hoffmann (vorn) nach der Radtour zum Stadion in Posen: Gemeinsam mit (von links) Manni Grüter, Frank Demmer, Hannes Nolte, Dirk Brünnemann, Klaus Himmel, Christian Frieling und Günter Entrup holten sie ihre Tickets für das Spiel Italien gegen Kroatien für den Folgetag ab.

Coesfeld. Mit langen Hosen, Pullover und dicken Jacken stiegen neun Coesfelder Fußballfans mit großer Vorfreude auf die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine in den Nachtzug von Hamm nach Posen.

Als sie nach siebeneinhalb Stunden pünktlich, zwar etwas durchgerüttelt, aber gut ausgeruht den Bahnhof von Posen erreichten, konnten sie getrost auf ihre Winterkleidung verzichten, denn bei über 25 Grad und Sonnenschein waren kurze Hosen gefragt. Spätestens jetzt hatte auch den Letzten das EM-Fieber gepackt. „Die halbe Stadt war in irischer Hand“, berichtet Christian „Krause“ Frieling von der Ankunft.

Schnell noch das Hotel in der Altstadt bezogen – das übrigens haben die Coesfelder bereits ein Jahr im Voraus gebucht – ging es dann schließlich in Richtung großer Fanmeile, „die bei Spielen mit polnischer Beteiligung mit bis zu 30 000 Menschen rappelvoll war“, sagt der 26-jährige Bänker der Sparkasse Westmünsterland. Bei Spielen der Löw-Elf war dagegen gähnende Leere. „Wir haben überhaupt nur wenige Deutsche getroffen.“ Die Iren waren in der Vorwoche weit in der Überzahl. „Das hat sich nach ihrem Ausscheiden jetzt sicher gelegt“, grinst Frieling. Er hat gut Lachen, denn die Deutschen sind mit drei Siegen ins Viertelfinale eingezogen. Doch der Fünftage-Tripp hatte nicht nur Fußball zu bieten. Auch Kulturelles kam nicht zu kurz. So unternahmen die Fußballfreunde eine Radtour zum Stadion in Posen, in dem sie am nächsten Tag das Vorrundenspiel Italien gegen Kroatien (1:1) besuchten. Vier Karten hatten sie sich bereits im Vorfeld organisiert, „den Rest haben wir von einem Holländer an der Ecke gekauft, der hatte noch einen Stapel übrig. Die Karten waren sogar billiger als über die UEFA. Wir haben für die beste Kategorie 100 Euro bezahlt. Etwas stutzig waren wir zwar, aber als wir die mit den Originalen verglichen hatten, waren wir uns zu 90 Prozent sicher, dass die echt sind.“

Auch beim Essen und Bier mussten die Coesfelder nicht so tief in die Tasche greifen. „Für einen halben Liter haben wir 1,50 Euro bezahlt. Und eine Sperrstunde gab es auch nicht“, schmunzelte er. Ob eine Fahrt mit dem Taxi oder der Straßenbahn – von Abzockerei sei keine Spur gewesen. Der Weg zum Stadion habe aber eine gefühlte Ewigkeit gedauert.

„Die Tram hat keine Vorfahrt, sondern sortiert sich in den Straßenverkehr ein.“ In Sachen Sicherheit in und ums Stadion haben sich die Coesfelder keine Sorgen gemacht. Im Gegenteil: „Die Einheimischen waren sehr freundlich und haben jeden Scherz mitgemacht.“ Die Infrastruktur rund ums Stadion sei teilweise noch nicht ganz abgeschlossen: „Aber von chaotischen Zuständen, wie man es so aus der Ukraine hört, haben wir nichts mitbekommen.“ Am vergangenen Samstag ging es dann gut gelaunt nach Deutschland zurück. Diesmal umgekehrt: Erst mit kurzen Hosen und spätestens mit dem Umstieg in Berlin, kamen sie nicht mehr um ihre langen Hosen drumherum.

Streiflichter-Ausgabe vom 20.6.2012

Von Sebastian El Saqqa

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