Die Dreharbeiten beim Märchenfilmprojekt der Stadt haben begonnen

Von Glückskindern, Königen und dem Traum der Schauspielerei

Der weiß, wie‘s geht: Filmemacher und Medienpädagoge Rudolf Gier-Seibert aus Münster gibt den Laien-Schauspielern auf der Bühne kleine Regieanweisungen. Die Kids hören gespannt zu.

Coesfeld. Normalerweise hat keiner was dagegen, wenn es im Jugendhaus Stellwerk am Coesfelder Bahnhof mal etwas lauter wird. In dieser Woche jedoch werden die Kids öfter mal ermahnt, etwas leiser zu spielen. Und das hat seinen Grund, denn die lauten Geräusche stören die Dreharbeiten für einen ganz besonderen Film:

In Kooperation mit dem Münsteraner Filmemacher und Medienpädagogen Rudolf Gier-Seibert lässt die Stadt Coesfeld das Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ verfilmen. Das Medienprojekt in den Osterferien gehört inzwischen schon fast zur Tradition des Ferienprogramms. „Uns war es besonders wichtig, dass möglichst viele Personen vorkommen“, begründet Gabi Kaudewitz vom Jugendamt die Auswahl des Grimmschen Märchens.

Und dieses bietet ideale Voraussetzungen für die Dreharbeiten im Stellwerk: Ein Glücksjunge, ein böser König, barmherzige Müllersleute und Räuber, eine Maus, eine Kröte, ein Fährmann und der Teufel persönlich bilden unter anderem die Personenkonstellation.

Mit zwanzig Kindern und 50 kleinen Szenen wird das Filmprojekt derzeit in die Tat umgesetzt. Um wirklich allen Teilnehmern mehrere Auftritte zu ermöglichen, wurde der Originaltext minimal umgeschrieben. „Im eigentlichen Märchen kann das Glückskind vor dem Teufel fliehen. In unserer Geschichte wird der Junge von den anderen Leuten befreit“, erklärt Kaudewitz.

Die Organisatoren zeigten sich begeistert vom gestrigen Beginn der Dreharbeiten. „Die Kinder sind sehr interessiert und konzentriert. Außerdem zeigen sie eine tolle Motivation und Spielfreude“, stellte Gier-Seibert fest. Und die brauchen die kleinen Nachwuchsschauspieler wohl auch, denn einige Szenen müssen mehrmals aufgenommen werden, um das richtige Zusammenspiel von Mimik, Gestik und Sprache zu erreichen.

Der zwölfjährige Simon Timmer jedenfalls hat kein Problem mit dem vielen Text in seiner Hauptrolle als Glückskind. „Man bekommt die Sachen ja vorgesagt.“ Auch Marie Nemec hat mit ihrer Rolle als Müllersfrau mehrere Auftritte. Die Neunjährige spielt gerne Theater und hat dank einer Schulaufführung bereits Erfahrung auf der Bühne. „Wenn ich groß bin will ich Schauspielerin werden, so wie Celina Gomez“, erklärt sie. Nicht nur vor der Kamera sind die Sechs-bis Zwölfjährigen an dem Projekt beteiligt. Zwar wurden die Kulissen und das Drehbuch von einer Aufführung in Münster übernommen, aber die Kinder sollen die Anfangsszene selber gestalten. „Die wird nämlich nur in Bildern dargestellt“, verrät Kaudewitz.

Wenn dann am Freitagmittag alles im Kasten ist, beginnt die Detailarbeit: Szenensortierung, Schnitte, Übergänge und Musikhinterlegung. Kaudewitz und Gier-Seibert rechnen in zwei bis drei Wochen mit der Fertigstellung des Films. Der soll dann in einer tollen Premiere den Familien der Schauspieler präsentiert werden. „Natürlich bekommt jeder Teilnehmer auch eine DVD, damit man sich die Aufnahmen später nochmal anschauen kann“, verspricht Kaudewitz.

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