Kaplan Andres Fink verabschiedet sich am Samstag von der Anna-Katharina-Gemeinde

„Es gilt, einen anderen Sprachstil zu finden“

Immer auch für einen Spaß (und ein spaßiges Foto) zu haben: Kaplan Andreas Fink mit einem befreundeten Brautpaar, das er kürzlich traute.

Coesfeld. Andreas Fink ist diese Woche auf Abschiedstour.

„Tschüss“ sagen heißt es bei Nachbarn und Mitarbeitern sowie bei den Gruppen, die der 39-Jährige in den vergangenen vier Jahren während seiner Tätigkeit als Kaplan in der Anna-Katharina-Gemeinde begleitet hat. Am Wochenende endet für den gebürtigen Rheinländer, der kürzlich sein zweites Pfarrexamen abgelegt und damit die Befähigung erlangt hat, ein Pfarramt zu übernehmen, seine erste Stelle als Kaplan und damit auch das Kapitel Coesfeld. Mitte August schägt er ein neues Kapitel auf, als Kaplan in der Propsteigemeinde Mariä Himmelfahrt in Kleve. „2013 soll dort der jetzige Propst in den Ruhestand gehen und ein neuer Propst eingeführt werden. Ich soll den Übergang moderieren“, sagt Andreas Fink mit einer großen Portion Vorfreude auf die neue Aufgabe. „Die Vorfreude ist schon da – auf auf eine neue Stadt, auf neue Menschen und auch auf eine neue Wohnung.“

Indes: Gedanklich richtig intensiv beschäftigt, so sagt er, habe er sich mit der neuen Stelle noch nicht. Schließlich gebe es ja erst einmal noch einige Aufgaben in Coesfeld zu erledigen. Am Samstag, 23. Juli, verabschiedet er sich offiziell von der Pfarrgemeinde, im Rahmen eines Gottesdienstes ab 17 Uhr in der St.-Ludgerus-Kirche inklusive anschließendem Spätschoppen auf dem Kirchplatz.

Als der studierte Theologe 2007 nach seiner Tätigkeit als Diakon in Duisburg nach Coesfeld gekommen sei, gibt Fink zu, habe er sich erst einmal an die Coesfelder Gemeinde „gewöhnen“ müssen. „Im Gottesdienst erlebe ich die Menschen öfter als ein Publikum, das vor allem zuhören und manchmal auch von ,denen da vorne‘ unterhalten werden möchte. So sind sie vielleicht geprägt.“ Mehr und mehr habe Fink aber erkannt, dass „auch viele Leute von sich heraus etwas machen können. Das gilt es als Seelsorger zu erkennen, zu wecken und zu bestärken.“ So sei etwa die Arbeit mit dem Team der Anstoß-Gottesdienste ein überaus kreatives, belebendes und auch für ihn persönlich lehrreiches Element gewesen. Er habe, sagt Fink, seinen Platz in der Gemeinde gesucht – und gefunden!

Generell sei der theologische Ansatz für ihn ein großes Anliegen in seinem (Gemeinde-)Leben. „Für mich heißt das Wort ,Berufung‘ nicht, dass Gott jemanden im wörtlichen Sinn ruft wie wir uns unter Menschen rufen. Es meint für mich zu entdecken, mit meinen Fähigkeiten und Talenten an dieser Stelle als Priester den richtigen Platz gefunden zu haben. Der Kirche fehlt heute manchmal die richtige Sprache, um ihre Botschaften und Anstöße so zu formulieren, dass sie die Menschen mit deren heutigen Weltbild erreichen kann. Vielleicht gilt es da, einen anderen Sprachstil zu finden.“

Auch die Jugend gelte es, derart mit einzubinden, dass ihr auch Freiräume eingeräumt werden. „Manchmal“, so Fink, „werden viele Arbeiten, die die Jugendlichen in der Gemeinde leisten, von den Erwachsenen als selbstverständlich hingestellt.“ Den Fusionsprozess der Messdienerschaft Anna Katharina, den Fink begleitet hat, bewertet er positiv. Auch wenn hier verschiedene Typen von Gruppenleitern aufeinander gestoßen seien, habe man doch zu einem Miteinander gefunden. Deshalb gilt sein besonderer Dank an die Messdiener – „für deren Offenheit und für deren Engagement, das die Erwachsenen manchmal nicht recht zu würdigen wissen.“ Besonders viel Freude hätten Fink die Fahrten mit Firmlingen nach Assisi, München und Köln) im Rahmen der Firmvorbereitung gemacht.

Übrigens: Gestaltet wird der Gottesdienst am Samstag vom Kirchenchor Anna Katharina und dem Percussionisten Lars Rohlfs. Dessen Engagement ist gleichzeitig das Geschenk der Gemeinde an den scheidenden Kaplan.

„Man sollte Kirche nicht nach einer Landkarte unterteilen“

Andreas Fink über die Frontstellung Coesfelder Gemeinden

Coesfeld. Anlässlich seines Abschieds aus der Anna-Katharina-Gemeinde gibt Kaplan Andreas Fink interessante Einblicke in seine Sichtweise zu Gemeinde-Themen. Fink über …

… seine Erfahrungen mit Jugendlichen auf seiner ersten Station als Kaplan: „Ich hatte von Jugendarbeit vor meiner Arbeit in Coesfeld noch nicht so viel Ahnung. Ich habe gelernt, wie Jugendliche sind und wie ich sie und ihre Anliegen ernst nehmen kann. Ich habe versucht, über gemeinsames Erleben herauszuhören, was sie bewegt. Wobei man im Gegenzug auch etwas von ihnen verlangen kann: sich mit dem Glauben zu beschäftigen.“

… seine Vorstellung einer aktiven Gemeinde: „Hier machen viele aktiv mit. Aber die Linie ist sehr stark vorgegeben. Das ist nicht so meine Grundvorstellung. Ich betrachte mich als Priester nicht in erster Linie als Leitfigur, ich glaube mit den Menschen zusammen, sehe mich als Moderator des Glaubens. So ist das bei unserem Anstoßkreis-Team, wo Menschen für den Gottesdienst Texte schreiben und sie selbst vortragen. Kein Mensch spricht die Sprache eines jeden. Da braucht es viele Menschen, die Glauben vermitteln, damit man viele erreichen kann. Es ist ein erstrebenswertes Ziel, Menschen zu bestärken, den Glauben in die eigene Hand zu nehmen.“

… ein besonders schönes Erlebnis: „Wir haben mit Firmlingen mal eine Talkrunde in der Kolping-Bildungsstätte gemacht und dazu Erwachsene eingeladen. Ein Gast sagte am Ende: ,Wisst ihr: Ob ihr euch später an alle Inhalte von heute erinnern könnt, ist egal. Aber wenn ihr euch in 20 Jahren daran erinnern könnt, dass hier ein bärtiger Mann saß, dem Kirche wichtig ist – dann freue ich mich!‘ Das ist Glaube. Wir Priester können das Ruder alleine nicht rumreißen, die schrumpfenden Gottesdienstzahlen nicht aufhalten. Wichtig ist, dass wir, die Priester und die ,Laien‘, das, was wir leisten können, (anspruchsvoll) leisten – und die Menschen dann (anspruchslos) selbst frei entscheiden lassen, ob sie es annehmen oder nicht. Anders als es früher in der Kirche der Fall war. Heute ist Glaube eher ein Angebot!“

… eine Großfusion der Coesfelder Pfarrgemeinden: „Es gibt eine gewisse Frontstellung zwischen den Großgemeinden Anna Katharina und St. Lamberti. Man sollte Kirche aber nicht nach einer Landkarte unterteilen, nach dem Prinzip: Wir sind zuständig für die einen, aber nicht für die anderen. Die Einstellung der Menschen zum Ort Kirche ist auch eine Generationsfrage, etwas wächst erst nach und nach zusammen. Bei den Jüngeren wird es in einigen Jahren so sein: Wer in einer Kirche etwas sieht, das ihn inspiriert, der geht auch dorthin. Kirche und Gemeinde lebt vom Glauben, den die Menschen mittragen. Eine räumliche Abgrenzung durch territoriale Pfarrgrenzen finde ich nicht hilfreich. Kirche ist da, wo Menschen ihren Glauben leben – ob am Kirchturm, in den Pfarrbüros oder irgendwo im Wohnzimmer. Daher sehe ich einer Großfusion in Coesfeld, die sicher in absehbarer Zeit kommen wird, durchaus gelassen entgegen. Denn das Entscheidende ist nicht die Struktur, sondern der gelebte Glaube.“

Finks Nachfolger: Fabian Tilling

Coesfeld. Mitte August, am Wochenende 21./22. August, nimmt der Nachfolger Andreas Finks seinen Dienst als Kaplan in der Anna-Katharina-Gemeinde auf: Fabian Tilling, gebürtig aus Neviges bei Velbert stammend, weist zwei Parallelen zu seinem Vorgänger auf: Er stammt ebenfalls aus einer rheinischen Diözese. Und für ihn ist es ebenfalls die erste Stelle als Kaplan. Andreas Fink hat Fabian Tilling kürzlich bereits in einem Vorgespräch kennengelernt. Und hat einen positiven Eindruck gewonnen: „Er weiß, was er will, und ist sehr zugänglich.

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