Initiative vom Verein Grafschaft Glatz e.V. Münster. Auch Museum möglich

Gedenkstätte „Heidehof“ in Lette angestrebt

Blick auf einen Teil der Baracken des „Heidehofes“, die sich in der Nähe von Lette befinden. Eigentümer der denkmalgeschützen Anlage ist Hilmar Stracke.

Lette. Bald könnte Bewegung in ein seit einiger Zeit gehegtes Vorhaben zum Letter Heidehof kommen.

„Die Grafschaft Glatz e.V. Münster, ein Verein schlesischer Vertriebener, hatte vor gut zwei Jahren eine Eingabe an den Stadtrat gemacht mit dem Vorschlag, den Bestand des Heidehofes als Gedenkstätte oder Lernort zu sichern“, so Gerold Wilken, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Lette e.V. (HVV). Im Sommer 2011 hätten Vertreter des Bezirksausschusses, des Vereins Grafschaft und des HVV das Barackenlager in der Letter Heide am Heidefriedhof besichtigt. „Wir sind nur informell beteiligt, weil der Eigentümer der Baracken Hilmar Stracke ist.“ Dieser und der Verein in Münster würden die Möglichkeiten einer Gedenkstätte jetzt näher prüfen. Der HVV habe von Harald Dierig aus Münster zwei E-Mails erhalten.

Ein großes Echo

von Zeitzeugen

Anfang November informierte dieser den HVV Lette, dass der Verein Grafschaft Glatz die Historikerin Ingeborg Höting aus Stadtlohn mit der Erstellung einer Konzeption für die projektierte Einrichtung einer Erinnerungsstätte mit Ausstellungs- und Lernort auf dem Heidehof verpflichtet habe. Und nun kürzlich informierte Dierig über einen Aufruf in der Heimatzeitschrift an Zeitzeugen, die nach 1946 im Lager gelebt haben.

Das Echo sei überaus groß. Der Vorsitzende vom Grafschaft Glatz e.V., Lothar Hoffart, sagt auf Streiflichter-Anfrage: „Wir rechnen im Sommer/Herbst 2013 mit den ersten Auswertungen der Untersuchung von Ingeborg Höting.“ Zu den Hintergründen des Vereins und den Beweggründen für diese Gedenkstätte erläutert Hoffart: „Wir haben 150 Mitglieder und eine ganze Reihe von Personen aus den umliegenden Kreisen von Münster. In Coesfeld wohnt Georg Jaschke. Der Heidehof war ein Vertriebenendurchgangslager für den Kreis Coesfeld. Die Heimatvertriebenen kamen vorwiegend aus den historischen deutschen Ostgebieten in Güterzugtransporten mit 1 500 bis 1 600 Menschen pro Zug in die damals britische Zone und wurden dann nach Weisung der Militärregierung verteilt.“ Hilmar Stracke habe den Heidehof vom Bundesvermögensamt erworben. Die zukünftige Nutzung des Gesamtgeländes stehe noch nicht fest.

„Erhaltenes Ensemble

einzigartig in der Region“

In einem Info-Blatt zur „Gedenkstätte „Heidehof/Heidefriedhof“ schreibt Harald Dierig, dass es unweit von Lette ein ehemaliges RAD-Barackenlager gab. Es habe in unmittelbarer Nachkriegszeit als Auffang- und Durchgangslager und später als letztes Obdach für vertriebene Senioren gedient. Ihre Gräber befänden sich im angrenzenden Heidefriedhof. „Nicht nur der vom HVV Lette gepflegte Heidefriedhof, sondern auch die ehemaligen Baracken sind noch vorhanden. Dieses erhaltene Ensemble aus der Nachkriegszeit ist für das Münsterland einzigartig.“

Daraus ließe sich durchaus eine würdige Gedenkstätte mit Hinweisschildern, Infotafeln, einem Gedenkstein und einem kleinen Museum gestalten.

Seit 1960 genutzt für den

Katastrophenschutz NRW

Heinz Lammers, Heimatforscher und Archivar aus Lette recherchierte, dass dort 1951 noch 19 Familien, darunter viele „Invaliden“, gewohnt hätten. Bis zum 1. Oktober 1946 sei es ein Durchgangslager für Flüchtlinge gewesen. „Vorhanden im Lager waren 153 alte Leute und zehn Mann Personal.“

1960 wurde das Flüchtlingslager aufgelöst und durch das Land NRW als „Katastrophenschutz-Zentrallager“ übernommen, seit Jahren nun aber schon nicht mehr genutzt

Zum Thema

1934 wurde die Sportschule in ein Auffanglager für die österreichische SA umgewandelt, und 1935 richtete der Reichsarbeitsdienst hier eine Truppführerschule ein. 1945 erfolgte die Unterbringung von Fremdarbeitern, ab 1946 diente der Heidehof als Flüchtlingslager. Er wurde Auffang- und Durchgangslager des Kreises Coesfeld für rund 10 000 Ostvertriebene, in dessen Baracken später ein Heim für alte und gebrechliche Vertriebene entstand.

Streiflichter-Ausgabe 2.1.2012

Von Reinhold Kübber

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