Gebürtiger Coesfelder Benedikt Eichhorn spricht über Kabarett und seine Zukunftspläne

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Seit über zwölf Jahren touren Benedikt Eichhorn (rechts) und Thomas Pigor (links) als Duo „Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten“ durch Deutschland – inzwischen mit ihrem neunten Programm.

Coesfeld. Kabarettist, Komponist, Pianist – es ist schwierig, in einem Wort zusammenzufassen, was Benedikt Eichhorn macht. „Alle drei Bezeichnungen zusammen passen am besten“, sagt Eichhorn. „Mit meinem Duo-Partner Pigor bin ich Kabarettist und Pianist. Außerdem komponiere ich Musicals und weitere Musik. Die Verbindung von Musik und Humor auf der Bühne hat mich schon lange fasziniert.“ Doch fast hätte der heute 56-Jährige eine andere Laufbahn eingeschlagen und wäre Lehrer geworden: „Ich habe nach dem Abitur angefangen, in Münster Geschichte und Musik zu studieren. Nach dem ersten Semester habe ich nach Essen gewechselt.“ Dort absolvierte Eichhorn auch sein erstes Staatsexamen, bevor er im Jahr 1992 „auf Verdacht“ nach Berlin zog. „Mein Referendariat habe ich sogar noch begonnen, aber nach drei Monaten bin ich endgültig in die Kleinkunstszene abgerutscht“, erzählt er schmunzelnd.

Nach seiner Ankunft in Berlin habe ihn die Großstadt zugleich abgeschreckt und fasziniert. „Als Landei war Berlin mit seiner Größe eine totale Wucht und ich kannte kaum jemanden. Deswegen musste ich mich in die Musikszene mühsam reinfummeln.“ Und weil es noch kein Internet gab, bewarb er sich auf jede Anzeige in den Zeitschriften „Tip“ und „Zitty“. „Und zwar wirklich jede. Von ‚Band sucht Keyboarder’ bis ‚Transe sucht Begleiter’ war alles dabei“, erinnert er sich lachend. „Das waren teilweise echt schreckliche Jobs, zum Beispiel eine Transe, die leider ein musikalisches Desaster war. Aber genau daraus hat sich später dann ein Gastauftritt in der ,Schwulen Sau’, einer Bar in Hannover, ergeben.“

Kabarettistische Anfänge im Gymnasium Nepomucenum 

Heute kann er sich ein Leben in einer anderen Stadt kaum noch vorstellen: „In Berlin bin ich wie ein Fisch im Wasser. Es gibt eine super Infrastruktur für meinen kulturellen Bereich – von kleinen Bars mit Open Stages bis zu großen Auftritten in Konzerthäusern.“ Geboren und aufgewachsen ist Eichhorn aber in Coesfeld. Hier, genauer gesagt in der Theatergruppe des Gymnasiums Nepomucenum unter der Leitung von Georg Möllers, entstand auch seine Leidenschaft für Musik und Kabarett. „Das war eine tolle Möglichkeit, mich in der Kleinkunst auszuprobieren.“

Im Jahr 1995 Duo mit Thomas Pigor gegründet

In Berlin lernte er auch Thomas Pigor kennen, mit dem er 1995 das Duo „Pigor singt – Benedikt Eichhorn muss begleiten“ gründete. Die Besonderheit des Duos: „Unser spezielles Bühnenverhältnis. Er ist der Herr und ich bin der Knecht. Er ist herrisch, autoritär, kraftvoll und der empfindliche Sänger. Ich bin der sonnige, freundliche und gefühlige Pianist, der alles falsch macht und psychisch brutal gequält wird, aber sich nicht wehrt. In dieser Krassheit war unsere Bühnenhierarchie Mitte der 90er Jahre was Neues.“ Das kam und kommt auch heute noch beim Publikum super an, denn: „Harmonie ist langweilig. Und die Rollen kamen uns beiden entgegen. Ich bin sowieso ein gut gelaunter, fröhlicher Mensch und kann die Demütigungen gut aushalten. Vor allem werde ich den Zuschauern so schnell sympathisch und sie freuen sich, wenn ich dann mein eigenes Lied spielen darf.“

Satirische Chansons – so nennen Eichhorn und Pigor ihre Musik. Viele ihrer Songs handeln von politischen und aktuellen Themen, zum Beispiel deutscher Identität, der Burka oder auch maulenden deutschen Rentnern im Ausland. „Als Kabarettisten wol len wir unterhalten. Mich nerven die Kabarett-Prediger, wir unterhalten. Mich nerven die Kabarett-Prediger, die sagen: ‚So sehe ich die Welt und so müsst ihr das jetzt auch sehen.’“ Denn Pigor und Eichhorn wollen etwas anderes erreichen: Das Publikum überraschen, interessante neue Gedanken wecken und intellektuell herausfordern. „Und hinter allem steckt ein gewisses Ironielevel.“ Für diese Mischung schätzt sie nicht nur ihr Publikum. Sie wurden bereits mit zahlreichen Auszeichnungen wie dem Deutschen Kabarettpreis (1997), dem Deutschen Kleinkunstpreis (1999) und dem Deutschen Chansonpreis (2010) belohnt. In diesem Jahr wurde ihnen der internationale Radio-Kabarettpreis „Salzburger Stier 2018“ verliehen.

Musik und Songtext für Musical „Hammerfrauen“

Nebenbei schreibt der zweifache Familienvater Musicals. Zum Beispiel über künstliche Intelligenz und Mülltrennung im Weltraum oder Frauen im Baumarkt. So hat er zum Beispiel die Musik und Songtexte für das Musical „Hammerfrauen“ verfasst, das im Herbst auf Tour geht. Worum es geht? „Frauen im Baumarkt“, fasst Eichhorn zusammen. Ein Pärchen will heiraten. Der Mann, passionierter Heimwerker, lässt einen Hochzeitstisch im Baumarkt einrichten – und meldet auch gleich seine Verlobte zu einem Handwerkerkurs für Frauen an. „Diese Kurse gibt es wirklich“, sagt Eichhorn. „Da lernen Frauen bei Sekt und Schnittchen, wie man Fliesen legt.“ Schließlich freunden sich die Frauen an und übernehmen für eine Nacht die Kontrolle im Baumarkt. Das Musical wird am 30. September in Duisburg und am 2. Oktober in Recklinghausen aufgeführt.

Lebenslauf bis ins Jahr 2052 fortgeführt

Wer die Internetseite von Benedikt Eichhorn besucht, der kann sich einen Eindruck vom Humor des Künstlers verschaffen. Denn hier findet sich sein persönlicher Lebenslauf – bis ins Jahr 2052! Ein kurzer Ausblick: Im Jahr 2032 wird er das Angebot, Papst zu werden, ablehnen. 2042 wird er den Raketenführerschein machen und im Jahr 2050 werden schließlich so viele Klone von Benedikt Eichhorn existieren, dass nicht mehr feststellbar sein wird, wer der wahre Eichhorn ist. „Das war ein Mordsspaß, sich das auszudenken“, schmunzelt Eichhorn. „Besonders die Idee, dass der Lebenslauf nicht aufhört, sondern bis in die Unendlichkeit festgeschrieben ist, hat mich fasziniert.“ Ob er tatsächlich das Angebot, Papst zu werden ablehnen würde? Er zögert einen Moment. „Ich würde das Zölibat abschaffen, den Weihraucheinsatz verdoppeln und am dritten

Tag zugunsten einer Päpstin zurücktreten.“

Ab 2019 Auftritt in der Operette „Frau Luna“

Doch er hat auch einen Plan B für die Zukunft, wenn es mit dem Raketenführerschein und den Klonen nicht klappt: „Erstmal Urlaub machen. Und dann stehen dieses Jahr noch Auftritte mit Pigor und die Arbeit an verschiedenen Musicals an“, so Eichhorn. Das nächste große Projekt startet Anfang 2019. „Da spiele ich in der Operette ‚Frau Luna’, die im Tipi am Kanzleramt aufgeführt wird, mit. Eine irre Geschichte, vor allem durch den Cast: Es spielen nur Berliner Kleinkünstler mit. Das ist eine extrem verrückte Mischung.“

In seiner Heimatstadt Coesfeld ist Eichhorn inzwischen eher selten. Als Teenager empfand er die Stadt als „langweilig und öde“, wollte weg, doch: „Heute finde ich es hier sehr harmonisch und fühle mich sauwohl, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin.“ Im nächsten Jahr führt es Eichhorn wieder mal beruflich in die Heimat: Am 20. November 2019 treten Pigor und er gemeinsam mit ihrem Programm „Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten: Volumen 9“ im Konzerttheater auf.

Zur Person:

Seit 1995 tritt Benedikt Eichhorn gemeinsam mit Thomas Pigor als Duo auf. Das aktuelle Programm der beiden Künstler lautet „Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten“. Weitere Infos zu Benedikt Eichhorn gibt es im Internet auf www.benedikt-eichhorn.de.

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