In die Fußstapfen der Eltern getreten: Die „Apotheken-Dynastie“ der Enselings

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Von Generation zu Generation (von links): Anne Werschmöller, Michael Enseling, Marianne Enseling, Lotte Köhne und Barbara Köhne.

Nottuln/Lette. Dass Kinder beruflich in die Fußstapfen ihrer Eltern treten oder sogar einen Betrieb übernehmen, ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Doch Marianne und Max Enseling ist es gelungen, bei drei ihrer fünf Kinder die Leidenschaft für ihren Beruf zu wecken. Schon früh war für Michael Enseling, Barbara Köhne und Anne Werschmöller klar, dass sie in einer Apotheke arbeiten möchten.

Seit 1959 führten die Eltern verschiedene Apotheken. „Unsere Kinder haben die Licht- und Schattenseiten der Eigenständigkeit, aber auch des Berufs eines Apothekers, schon früh kennengelernt“, betont Marianne Enseling. Für die Kinder war es Normalität. „Unsere Eltern haben sich nie beschwert“, sagt Anne Werschmöller, die zweitälteste Tochter der Apotheken-Eltern. Auch ihre Schwester Barbara Köhne stimmt ihr zu: „Das ist für uns nie schlimm gewesen, wenn beim Mittagessen oder beim gemeinsamen Fernsehen jemand geklingelt hat und noch Medikamente haben wollte. Wir kannten es eben nicht anders.“

Das Apotheker-Ehepaar Marianne und Max Enseling bei der Eröffnung der Gerburgis-Apotheke 1980 in Nottuln.

Der Startschuss für die „Apotheken-Dynastie“ fiel 1959. In diesem Jahr pachteten Marianne und Max Enseling zum ersten Mal die Hirsch-Apotheke in Nottuln. Fortan arbeiteten sie Tag für Tag gemeinsam dort. „Leider konnte uns unsere Vermieterin vier Jahre später nicht zusagen, ob wir das Gebäude nach ihrem Ableben kaufen könnten“, so Marianne Enseling. Daraufhin kauften sie ein Grundstück in Lette, um dort ihren Traum von einer eigenen Apotheke zu verwirklichen. Zeitgleich verlängerten sie den Pachtvertrag in Nottuln um weitere fünf Jahre.

Im Mai 1964 begann dann der Bau des Apothekengebäudes auf dem Grundstück in Lette. „Wir wussten nicht, ob es sich lohnen würde in Lette mit seinen damals etwa 3000 Einwohnern eine Apotheke zu eröffnen. Deshalb haben wir zunächst einmal nur das Apothekengebäude gebaut und wollten dann im zweiten Bauabschnitt ein Wohnhaus daran bauen“, erinnert sich die gebürtige Münsteranerin. Acht Monate später eröffnete die Apothekerin dann die Marien-Apotheke in Lette. Sie zog mit ihren damals vier Kindern und einer Haushälterin in den Ladenraum neben der Apotheke, während Max Enseling allein in Nottuln wohnte.

Als das Wohnhaus in Lette fertig war, überlegte das Apothekerpaar die

Der Auftakt einer „Dynastie“ Familie Enselig vor der damaligen Hirsch-Apotheke in Nottuln.

Apotheke in Nottuln aufzugeben und ganz nach Lette zu ziehen. „Es war sehr schwierig für unsere junge Familie nur an den Wochenenden alle beisammen zu sein. Mittlerweile trafen wir uns auch noch jeden Dienstagabend auf halber Strecke, um die Zeit zwischen den Sonntagsbesuchen zu verkürzen“, erinnert sich Marianne Enseling. Als die Vermieterin der Apotheke in Nottuln dann doch mit einem Kauf einverstanden war, kaufte das Ehepaar die Räumlichkeiten und baute um. Dann ging es Marianne Enseling gesundheitlich immer schlechter. Daraufhin entschied sich das Ehepaar dafür, die Apotheke in Lette zu verpachten und gemeinsam wieder in Nottuln zu wohnen. „Mit der neuen Kinderpflegerin und Wirtschafterin war es mir dann 1971 wieder möglich, halbtags in der Apotheke meines Mannes zu arbeiten“, so Marianne Enseling. Als dann sechs Jahre später eine Apotheke in Nottuln direkt neben dem Ärztehaus eröffnet wurde, mussten Enselings handeln. Es wurde ein Grundstück in einer guten Lage in Nottuln gekauft, wo Marianne Enseling 1980 die Gerburgis-Apotheke eröffnete. Ein Jahr später beginnt Anne Werschmöller dann ihre Ausbildung als Pharmazeutisch-technische-Assistentin (PTA). Im Jahr 1982 nimmt sie ihr Pharmazie-Studium auf. Drei Jahre später beginnt ihre Schwester Barbara Köhne ihre Ausbildung zur PTA. Die beiden Schwestern sind sich einig: „Wir haben schon früh einige Gedanken daran gefasst, in die Fußstapfen unserer Eltern zu treten. Es war eben direkt vor unserer Nase und unsere Eltern haben uns viele Einblicke ermöglicht.“ Und auch für ihren Bruder Michael ging es 1987 mit dem Pharmazie-Studium los. „Im Grunde genommen habe ich schon zu Schulzeiten gewusst, dass ich in dem gleichen Zweig wie meine Eltern arbeiten wollte. Ich habe ja damals gesehen wie es bei ihnen war, da habe ich mir gar nicht so viele andere Alternativen überlegt“, schmunzelt Michael Enseling.

Nachdem Anne Werschmöller ihr drittes Staatsexamen bestanden hatte, arbeitete sie als Approbierte in der Gerburgis-Apotheke ihrer Mutter, die sie dann 1991 übernahm. Ihre Schwester Barbara Köhne half neben ihrer Ausbildung in der Hirsch-Apotheke bei ihrem Vater aus und studierte anschließend ebenfalls Pharmazie. Als dann auch ihr Bruder Michael Enseling sein Studium abschließt, arbeitete er zunächst in der Hirsch-Apotheke seines Vaters und übernimmt nur ein Jahr später von seiner Schwester Anne die Gerburgis-Apotheke. „Ich wurde schon ein wenig ins kalte Wasser geworfen. Meine Eltern haben mir gesagt: ,Mach es völlig alleine und wenn du Fragen hast, dann frag’“, erinnert er sich.

Nach 36 Jahren Selbstständigkeit fiel es Max Enseling nicht leicht, 1995 die Hirsch-Apotheke in die Hände seiner Tochter Anne zu geben. Im gleichen Jahr eröffnete die jüngste Tochter Barbara die Johannes-Apotheke in Lette. In den Räumlichkeiten befand sich zuvor die Apotheke ihrer Mutter.

Übrigens: Die Zukunft der „Dynastie“ ist bereits gesichert: Enkelin Lotte Köhne aus Lette hat gerade mit ihrem Pharmazie-Studium begonnen ...

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