Religionskurs des Nepmucenum verzichtet für die Aktion „Lichtblicke“ auf Handys

Fünf Tage ohne Smartphone

Coesfeld. Was wünscht man sich im Dezember mehr als eine ruhige, besinnliche Adventszeit?

Doch das Plätzchenbacken oder das gemütliche Adventskaffeetrinken mit der Familie wird heutzutage vielerorts ständig von Klingeltönen unterbrochen. Anrufe, Nachrichten in Whatsapp, SMS, die alle sofort beantwortet werden müssen. Eine besinnliche Adventszeit mit Smartphone? Unmöglich, dachten sich auch die Schüler des Religionskurses von Daniela Meyer am Gymnasium Nepomucenum. Kurzerhand entschieden sich die angehenden Abiturienten, fünf Tage auf ihr Handy zu verzichten. Und damit auch wirklich keiner in Versuchung kommt, doch auf sein Handy zu schauen, wurden die Geräte gleich allesamt in der Schule eingeschlossen.

Montag, fünfte Stunde. Eine ungewöhnliche Situation vor dem Lehrerzimmer. Über zwanzig Schüler stehen dort versammelt, alle mit einem Handy in der Hand. Eigentlich ist die Handynutzung hier verboten. Doch argwöhnische Blicke von Lehrern werden schnell abgewehrt: „Ich gebe mein Handy jetzt doch sowieso ab.“ Schnell werden noch die letzten Nachrichten verschickt. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, um Abschied vom Smartphone zu nehmen. Von den 25 Schülern des Religionskurses machen 20 bei dem Projekt mit. Hinzu kommen noch eine Handvoll Schüler der Q2 und Q1 des Nepomucenums, die die Idee gut fanden und Lust hatten, auch daran teilzunehmen. Eingepackt in Briefumschläge verschwinden die Handys im Tresor der Schule. Wie soll ich das bloß aushalten, fragt sich der eine oder andere Schüler und freut sich jetzt schon auf Freitagmittag. 

„Head up“ – so lautet das Motto des Projektes des Religionskurses. „Ziel ist es, zu beweisen, dass wir es auch ohne Handy aushalten“, sagt Marie Hommel, Schülerin des Religionskurses. Und: „Gleichzeitig wollen wir damit etwas Gutes tun“, ergänzt ihre Mitschülerin Wiebke Völker. Denn: Für jeden Tag, den die Schüler ohne ihr Handy aushalten, bekommen sie Geld von ihren Sponsoren. Die Spenden gehen an die Aktion „Lichtblicke“, die Familien in Deutschland mit finanziellen Problemen unterstützt.

Sponsoren füllen die

Spendenkasse – pro Tag

Wie die Idee für die Aktion entstanden sei? „Im Unterricht haben wir darüber gesprochen, dass sich Fünftklässler inzwischen schon verabreden, um per Whatsapp miteinander zu schreiben“, erzählt Wiebke. „Das fanden wir erschreckend.“ Mit einer siebten Klasse hat Daniela Meyer, Lehrerin für Deutsch und katholische Religion, bereits ein ähnliches Projekt durchgeführt. „Für zwei Tage haben wir komplett auf das Internet und das Handy verzichtet.“ Da dachte sich der Kurs: Das schaffen wir länger. Ganz ohne Internet ist es aber allein schon für die Schule schwierig. Deswegen entschieden sich die Schüler dafür, auf ihr Handy zu verzichten. 

Mittwochnachmittag – die Hälfte der Zeit ist geschafft. Ein Zwischenfazit: „Es fällt mir leichter als gedacht“, sagt Marie. Und auch Wiebke findet die Zeit ohne Handy „richtig entspannt“. „Ich mache meine Hausaufgaben viel konsequenter und bin nicht mehr so abgelenkt“, sagt sie. In manchen Fällen sei es aber schon etwas schwierig gewesen, berichten die Schüler im Unterricht: Der eine hat verschlafen, weil ihm mit dem Handy auch der Wecker fehlt. Der andere konnte Zuhause nicht Bescheid sagen, dass er später zurückkommt. Man ist schwerer erreichbar und Absprachen müssen per Festnetztelefon getroffen werden.

„Dabei ist mir erstmal aufgefallen, wie wenige Festnetznummern man nur noch kennt“, bemerkt Wiebke. Mit dem Handy fehlen vielen Schülern Kamera, Wörterbuch, Uhr, Wecker, Musik und noch vieles mehr. „So wird erstmal deutlich, für wie viele Dinge man sein Mobiltelefon heute im Alltag benutzt“, sagt Meyer. Doch der Handyverzicht habe auf jeden Fall etwas Positives, so der Kurs: Abends könne man schneller einschlafen, man habe mehr Freizeit, in freien Minuten könne man entspannen und abschalten und müsse nicht immer auf sein Smartphone gucken. Zudem gewöhnt man sich wieder Pünktlichkeit an. „Ich kann nicht kurz vorher Bescheid sagen, dass es doch später wird“, sagt Meyer. Trotzdem freuen sich die meisten Schüler schon auf Freitag.

Rekord: 800 verpasste

Whatsapp-Nachrichten

Freitagmittag, die fünf Tage sind vorbei. Ergebnis: „Alle Schüler haben die fünf Tage ohne Handy durchgehalten“, berichtet Daniela Meyer. „Am meisten habe ich Whatsapp vermisst“, sagt Wiebke. „Es ist schon sehr praktisch, wenn man schnell etwas vereinbaren oder nochmal nach den Hausaufgaben fragen will.“ Ohne Handy habe sie aber Zeit gehabt, mal wieder richtig zu lesen. „Ich fand die Woche super“, sagt Sabine Hoffmann. „Wenn keine Ferien wären, würde ich mein Handy noch eine Woche hier lassen.“

Und nicht nur für die Handybesitzer hat sich der Verzicht gelohnt. „Die Spendensumme, die wir durch die Sponsoren bekommen haben, beträgt etwa 400 Euro“, berichtet Daniela Meyer. Jetzt ist es soweit: Sie verteilt die Handys an die Schüler. Natürlich muss nun erstmal geguckt werden, wie viel man in den letzten Tagen verpasst hat. Schon beachtlich: 170 Nachrichten in Whatsapp, 269 oder sogar 800. Bei diesem Anblick überlegt sich der eine oder andere schon, ob er sein Handy überhaupt zurück haben möchte. Doch Lehrerin Daniela Meyer hat schon die nächste Idee: „Wir können während der Fastenzeit 40 Tage auf unser Handy verzichten ...“

SL-Ausgabe vom 23.12.2014

​Von Greta Lüking

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