Kuban Basoglu, türkischer Austauschschüler, verbringt ein Jahr in Coesfeld

Erstes Weihnachten mit 18 Jahren

Coesfeld. Adventskranz, Adventskalender, Tannenbaum und Krippe – was für die Deutschen selbstverständlich zu Weihnachten gehört, war für Kuban Basoglu neu.

Denn der türkische Gastschüler, der ein Jahr in Coesfeld bei Familie Kapels lebt, feierte dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachten. „Natürlich habe ich vorher schon mal etwas von Weihnachten gehört“, sagt der 18-Jährige aus Istanbul. Aber die christliche Weihnachtsgeschichte kannte er nicht genau. „In Istanbul leben nur wenige Christen. Die meisten Menschen sind Muslime und feiern den Ramadan. Ich bin aber Atheist“, erklärt er. Trotzdem bekäme er auch im Winter Geschenke: „Wir feiern und beschenken uns zu Neujahr. Dann haben wir auch einen Weihnachtsbaum.“ Doch der große Unterschied zu dem Tannenbaum in seiner Gastfamilie: „In der Türkei haben wir einen Plastikbaum. Ich habe niemals gedacht, dass der Tannenbaum ein richtiger Baum ist“, lacht er. Der Baum wurde am Heiligabend geschmückt. Abends ging es dann mit der ganzen Familie in die Kirche. „Dort war eine besondere Atmosphäre“, berichtet Kuban, der seit September in Deutschland ist. „Die Lichter waren toll. Ich habe versucht, die Predigt zu verstehen und das, was ich verstanden habe, fand ich auch sehr schön. Nach dem Gottesdienst hat dann jeder jeden umarmt.“ Wieder zuhause gab es das Weihnachtsessen – „die Hauptsache an Weihnachten“, schmunzelt Kuban. „Wir haben viel zu viel gegessen.“ Auch wenn er nichts von seinem Wunschzettel bekommen hat, freut er sich dennoch über die Geschenke. „Ich habe einen Fotoapparat, Gutscheine, ein Heft und eine CD mit vertonten Gedichten von Edgar Allan Poe bekommen.“ Insgesamt sei Weihnachten ein Fest der Ruhe und Entspannung. „Die Weihnachtsfeiertage waren sehr ruhig. Nur die zwei Tage vor Weihnachten waren anstrengend. Bis dahin hatte ich nämlich noch keine Weihnachtsgeschenke und musste mich dann noch um alles kümmern“, sagt Kuban. „Weihnachten war auf jeden Fall ein gutes und besonderes Erlebnis“, stellt er klar. „Und wahrscheinlich war es mein erstes und letztes Weihnachten...“

Silvester feiert er in Hannover mit anderen Austauschschülern. „Ich freue mich darauf, mal aus Coesfeld rauszukommen. Im Gegensatz zu Istanbul ist hier natürlich sehr wenig los“, sagt der 18-Jährige, der noch bis Juli bei Familie Kapels lebt. Als er im September in Deutschland ankam, sprach er kaum Deutsch. Das hat sich inzwischen aber geändert. Manche deutschen Wörter müsse er zwar noch durch englische ersetzen, aber es werde besser. „Deutsch ist eine schwere Sprache, weil es sehr viele verschiedene Regeln gibt.“ Was er sich für das neue Jahr und seine restliche Zeit in Deutschland wünsche? „Ich habe mit Ju-Jutsu angefangen und würde gerne den gelben Gurt machen. Und ich möchte meine Zeit hier genießen und Spaß haben.“ Das sei schließlich das Wichtigste bei einem Schüleraustausch.

SL-Ausgabe vom 30.12.2014

Von Greta Lüking

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