Empfang der katholischen und evangelischen Kirche im Kreis Coesfeld

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In der voll besetzten evangelischen Kirche am Markt feierten die katholischen und evangeli-schen Christen gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst.

Coesfeld. Erstmalig haben die katholische und evangelische Kirche im Kreisdekanat Coesfeld zu einem ökumenischen Neujahrsempfang eingeladen. Anlass ist das Gedenken an 500 Jahre Reformation. „Es ist gut und wichtig, dass wir zusammen dieses Ereignisses gedenken und es gemeinsam begehen können“, sagte Kreisdechant Johannes Arntz. Viele Jahrhunderte sei dies unvorstellbar gewesen. „Doch uns verbindet so viel“, betonte er.

Das wurde auch in dem ökumenischen Gottesdienst in der voll besetzten evangelischen Kirche am Markt deutlich, der dem Empfang vorausging. Vorbereitet wurde er von Mitglieder der Pfarrei St. Lamberti und der evangelischen Kirchengemeinde in Coesfeld. In ihrer Dialogpredigt betonten Arntz und Superintendent Joachim Anicker, dass das Trennende und Verletzende seine Zeit gehabt habe. „Martin Luther hat vor 500 Jahren etwas wieder entdeckt: die Gnade Gottes. Sie ist das Wichtigste, das uns geschenkt wird“, sagte Anicker. Gott gebe den Menschen, was sie brauchen. „Er gibt uns Christen die Freiheit, die uns von der Sorge befreit, zu kurz zu kommen“, verdeutlichte der Superintendent. „Und damit auch die Möglichkeit, diese Welt so zu gestalten, dass sie für alle lebenswert ist“, übernahm Arntz den Gedanken. Die Christen seien aufgerufen, mit Hand und Mund diesen Gott zu bezeugen.

„Wenn wir einen Papst wählen müssten, dann so einen, wie Papst Franziskus. Er ist auch ein Reformator“, sagte Anicker mit Blick auf seinen katholischen Kollegen. Er setze sich für eine Kirche ein, die bedingungslos für die Menschen da sei. „Als Christen können wir gut zusammen auf unsere gemeinsame Mitte schauen, auf die Botschaft Christi. Wir dürfen vielfältig in der Feier des Glaubens sein, sind aber einig über das, was wir feiern. Gemeinsam sind wir vollständiger als jeder für sich allein“, hielt Arntz fest. Die beiden Vertreter der Kirchen machten deutlich, dass es gut sei, nebeneinander zu stehen und miteinander zu sprechen.

Musikalisch wurde der Gottesdienst von der katholischen Kantorei Anna Katharina unter der Leitung von Kantor Ralf Blasi und dem evangelischen Organisten Ulrich Wesseler gestaltet.

Beim anschließenden Empfang im Pfarrheim St. Lamberti nutzen die Gäste die Möglichkeit der Begegnung. Viele erinnerten sich noch an vergangene Zeiten, als beispielsweise auf dem Schulhof eine weiße Linie die Kinder unterschiedlicher Konfessionen trennte oder eine Heirat zwischen katholischen und evangelischen Christen undenkbar gewesen sei. „Wir möchten den ökumenischen Gedanken leben, um überzeugender eine friedlichere Welt zu gestalten“, richtete Arntz das Wort an die Gäste. Auch Anicker rief dazu auf, als Christen Farbe zu bekennen und die Stimme zu erheben. „Wir wollen versöhnen statt spalten, verstehen statt bekämpfen.“

Für Unterhaltung sorgten an dem Abend das Hoene-Duo aus Nottuln mit virtuoser Gitarrenmusik sowie Mitglieder des Improvisations-Ensembles „Placebotheater“ aus Münster.

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