Lucky bringt Abwechslung und Freude

Therapie-Begleithund Lucky besucht die Kita St. Marien in Lette

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 Wenn Schäferhund-Mischling Lucky zusammen mit seinem Frauchen Foelke Marten zu Besuch in der Letteraner Kita St. Marien ist, freuen sich die Kinder, wie beispielsweise der fünfjährige Lion (von links) und die sechsjährige Pauline, darauf mit dem ausgebildeten Pädagogik- und Therapiehund zu spielen. 

Lette. „Lucky, du musst jetzt raus“, sagt Lion. Der Fünfjährige öffnet die Tür. Gehorsam folgt Hund Lucky ihm und verlässt den Raum. Nun ist die Luft rein und Pauline und Lion stellen sich die Frage: „Wo können wir uns vor Lucky verstecken?“ Unter dem Tisch, hinter dem Sofa, im Holzhäuschen? Dort hinein kriecht Pauline und Foelke Marten, die die tiergeschützte Förderung gemeinsam mit ihrem Hund Lucky durchführt, hilft ihr, das Häuschen mit einer Decke zuzuhängen. Auch Lion hat schon ein Versteck gefunden. Er krabbelt schnell in den Kriechtunnel hinein: „Hier findet Lucky mich bestimmt nicht.“ Die beiden sind nicht mehr zu sehen. Ob Lucky sie wohl finden wird?

Foelke Marten holt Lucky wieder herein. Er schnuppert kurz und schon hat er Pauline gefunden. Auch Lion im Tunnel entdeckt der Schäferhund-Mischling im Nu. Lucky schlabbert über Lions Kopf, Lion lehnt seinen Kopf gegen das warme Fell. Pauline streichelt über Luckys Kopf und nimmt ihn in den Arm. „Super, du bist ja richtig mutig geworden“, freut sich Foelke Marten.

Einmal in der Woche, jeden Freitag, besucht Lucky, der eine Ausbildung zum Pädagogik-/Therapie-Begleithund in Rheine absolviert hat, gemeinsam mit seinem Frauchen Foelke die Letteraner Kita St. Marien. „Darauf freuen sich die Kinder immer schon die ganze Woche und zählen richtig die Tage“, sagt Sonja Kitzmann, Erzieherin in der Sonnengruppe. Und nicht nur die Kinder freuen sich auf Lucky – „auch Lucky freut sich jedes Mal auf die Kinder und fängt an laut zu quietschen vor Vergnügen, wenn wir die Kita betreten. Er macht die Arbeit sehr gerne“, weiß Foelke Marten. Und dass, obwohl er inzwischen schon alt ist: 13 Jahre. „Deswegen ist er jetzt auch in Altersteilzeit“, sagt Foelke Marten schmunzelnd. „Aber er wäre sehr enttäuscht, wenn er nicht mehr arbeiten würde.“

Der Schäferhund-Mischling ist nicht nur kinderfreundlich, er lässt sich auch gerne auf verschiedene Spiele ein.

Lucky bewertet nicht und interessiert sich nicht für die Hintergründe und Geschichten der Kinder. „Dafür zeigt er direkte Rückmeldung auf das Verhalten der Kinder“, so Foelke Marten. Lion und Pauline befestigen inzwischen bunte Tücher mit passend farbigen Wäscheklammern am Kriechtunnel. Dabei wird auch mal Lucky mit einem Tuch zugedeckt. „Ich stelle die Materialien zur Verfügung, gebe ansonsten aber wenige Vorgaben“, erklärt Foelke Marten. „So werden die Kinder selbst kreativ. Und wenn das Vertrauensverhältnis stimmt und eine geschützte Atmosphäre herrscht, fangen die Kinder automatisch und unbewusst an, an ihren eigenen Problemen zu arbeiten.“ So haben schon Kinder, die zunächst taktile Probleme hatten, es schließlich zugelassen, dass Lucky Quark von ihrer Hand ableckt. Andere Kinder, die zunächst Angst vor dem „großen schwarzen Hund“ hatten, trauten sich nach einiger Zeit mit Lucky zu kuscheln. Und ein Kind, das große Angst vor der Dunkelheit hatte, konnte tatsächlich mit Lucky zusammen in einer dunklen Höhle sein.

Therapiehund Lucky hilft gemeinsam mit seinem Frauchen Foelke Marten Kindern, hier Lion und Pauline, Probleme zu bewältigen.

Egal ob Schwierigkeiten im emotionalen und sozialen Bereich, in der Bewegung oder im kognitiven oder sprachlichen Bereich: „Durch die Arbeit mit dem Tier entsteht eine unbewusste Problembewältigung und die Kinder haben die Chance, Vertrauen in ihr eigenes Können zu entwickeln“, sagt Foelke. „Auf diese Weise möchte ich die Integration fördern.“ Aber: „Nicht in Eins-zu-eins-Situationen, sondern in kleinen Gruppen mit zwei bis drei Kindern.“ Denn: „Jedes Kind, nicht nur die Integrationskinder, profitiert von einem positiv gestalteten Hundekontakt“, ist sich die ausgebildete Krankenschwester sicher. Was dabei besonders wichtig sei? „Ich muss meinen Hund selbst sehr gut kennen, um zu erkennen, wann er überfordert ist.“ Doch der ist zum Glück tiefenentspannt. „Es können auch mal drei bis acht Kinder auf ihm herumklettern und das interessiert ihn wenig“, erzählt Foelke Marten schmunzelnd. Pauline und Lion pusten inzwischen mit Strohhalmen Leckerlis auf Lucky zu, der freudig und gespannt wartet. „Damit trainieren die beiden spielerisch ihre Mundmotorik“, erklärt Foelke, die neben Lucky noch zwei weitere Hunde hat: „Buddy und Holly. Buddy hat auch die Ausbildung in Rheine abgelegt. Mit ihm kann ich allerdings nur im Altenheim arbeiten. Und Holly befindet sich momentan in der Ausbildung.“

Nach einer halben Stunde wird es für Pauline und Lion Zeit, sich von Lucky zu verabschieden. Die nächsten Kinder, Adelia und Pia, warten schon gespannt und dürfen als nächstes zu Lucky. „Das hat Spaß gemacht. Bis nächste Woche, Lucky“, sagt Lion und streichelt den Hund. Auch Pauline tätschelt Luckys Kopf zum Abschied. Die beiden gehen zum Händewaschen, Lucky aber muss im Raum bleiben. „Du hast ja auch keine Hände, die gewaschen werden können“, sagt Pauline. Die Sechsjährige freut sich schon darauf, Lucky nächste Woche wiederzusehen. „Ich mag ihn sehr gerne“, sagt sie schüchtern.

Auch die Erzieherinnen der Kita St. Marien sind begeistert von Lucky. „Er ist eine große Bereicherung und bringt Abwechslung. Bei ihm öffnen sich die Kinder nochmal ganz anders und trauen sich mehr zu“, sind sich Sonja Kitzmann und Heike Knoebel einig.

Nach circa zweieinhalb Stunden in der Kita ist Lucky müde und erschöpft. „Das ist auch ganz schön anstrengend für ihn“, sagt Foelke Marten. „Jetzt braucht er erstmal eine Pause.“ Aber er freut sich bestimmt schon auf den nächsten Besuch in einer Woche …

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