SL-SERIE: Die Coesfelder Tageseltern – was Kindertagespflege leisten kann ...

Ein eingespieltes Team

Coesfeld. Viermal die Woche bekommt Ella Besuch. Jeweils für drei Stunden.

Dass der fünf Monate ältere Hagen mit ihr gemeinsam zuhause die vielen „Spiel-Ecken“ im Erdgeschoss des geräumigen Einfamilienhauses auf dem Herteler erkundet, das ist für das 15 Monate junge Mädchen aus Lette ganz normal. Schließlich ist Hagen für sie sozusagen ein „Tagesbruder“. Hagen, das ist das Tageskind von Maria Peter (31), Ellas Mama.

Eine gewisse Loslösezeit habe Hagen schon gebraucht, als er im Juli mit damals 14 Monaten die ersten Male bei seiner Tagesmutter war, berichtet dessen Mama, die Coesfelderin Ina Hamacher. „Das ist ja auch ganz normal für die Zeit, in der das Kind erst ein Vertrauensverhältnis zu einer bis dahin fremden Person aufbauen muss. Aber ich wusste: Wenn ich ihn auch anfangs mal weinend hier gelassen habe, ich habe ihn mittags immer lachend wieder abgeholt!“ Nach ein paar Mal sei der Schalter plötzlich umgelegt gewesen. Und mittlerweile habe er sich längst prächtig eingewöhnt. Dass mit Ella noch eine nahezu gleichaltrige Spielgefährtin dabei ist, macht die Sache ja auch noch mal spannender ...

Für Ina und Frank Hamacher war nach der Geburt ihres zweiten Kindes schnell klar, dass nach zwölf plus zwei Monaten Elternzeit beide Elternteile wieder arbeiten gehen würden. „Ich habe da großes Glück, dass ich eine Stelle habe, bei der ich zehn Stunden die Woche an vier Tagen flexibel arbeiten kann“, sagt die bei Andante als Beschulungskraft in der Jugendhilfe tätige Ina Hamacher. Ihre Tochter Edda (4) geht seit zwei Jahren in den Herz-Jesu-Kindergarten in Goxel, unweit des Familiendomizils. „Dass ich von zuhause erst zum Kindergarten, dann nach Lette und von dort nach Coesfeld zur Arbeit fahren muss (und den selben Weg umgekehrt zur Mittagszeit), nehme ich gerne in Kauf, wenn ich weiß, dass mein Sohn in guten Händen ist – und noch nicht schon im Kindergarten in einer großen Gruppe mit zehn, zwölf Kindern. Das hätte für Hagen eine Reizüberflutung sein können“, erklärt Ina Hamacher, warum sie sich für die Betreuung ihres Sohnes zunächst für eine Tagesmutter entschieden hat.

Die Entscheidung fiel diesmal umso leichter, weil auch ihre Tochter Edda schon bei einer Tagesmutter war – und nicht bei irgendeiner. „Edda war damals auch schon bei Maria“, verrät Ina Hamacher. Und auch Edda hatte dort schon eine gleichaltrige Spielkameradin: Luisa, die ältere Tochter von Maria Peter. „Ja“, bestätigt auch die Tagesmutter, „die Konstellation hat bei unseren Kindern auf jeden Fall sehr gut gepasst.“

Der Hauptspielort für Bällebad, Bausteine, Bastelutensilien und Co. ist für Hagen nun an vier Tagen in der Woche vormittags das Wohnzimmer von Maria und Michael Peter. „Zwischendurch kann aber auch die Diele oder ein Kinderzimmer spannender sein“, sagt Maria Peter augenzwinkernd. Und vor allem: Wann immer das Wetter es zulässt – am Schönsten sei es sowieso draußen an der frischen Luft. Der große Außenbereich des einstigen Bauernhofs und die Nähe zum Streichelzoo Wigger seien Vorteile, die Hagen sehr genieße. „Er schaut auch gern den Pferden unseres Nachbarn zu“, schmunzelt Maria Peter.

Dass sie sich als gelernte Zahntechnikerin dazu entschieden hat, sich für die Kindertagespflege schulen zu lassen, sei der richtige Schritt gewesen, sagt sie. „Es ist eine tolle Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen!“ Ina Hamacher pflichtet ihr da bei. „Für beide Seiten. Für die Tagesmütter. Und für die Mütter!“

Maria Peter kann sich gut vorstellen, neben Hagen ein zweites Kind zu betreuen, auch über den Vormittag hinaus (Kontakt über die FBS, und ein weiterer Artikel unter http://streiflichter.com/-7348.html).

Neue SL-Serie

Wenn Mama und Papa berufstätig sind, stellt sich für Eltern oft diese Frage: Soll das Kind gleich in eine U2- oder U3-Gruppe in die Kita gehen – oder erst von einer Tagespflegeperson betreut werden? In Coesfeld werden zurzeit 56 Kinder von 20 Tagesmüttern betreut. Um sich enger zu vernetzen, haben diese das Netzwerk der Tagesmütter in Coesfeld gegründet. In einer neuen Serie stellen die Streiflichter das Netzwerk sowie einige Beteiligte vor: Tagesmütter und Familien, die die Tagespflege in Anspruch nehmen.

Kindertagespflege in Coesfeld

Die Kindertagspflege ist eine flexible und individuelle Betreuungs- und Fördermöglichkeit für Kinder bis 14 Jahren. Die Kindertagespflege ist ein pädagogisches Angebot der Kinderbetreuung und bedeutet, dass ein Kind ganztags oder auch nur für einen bestimmten Zeitraum des Tages im Haushalt der Tagesmutter oder des Tagesvaters betreut wird. Dabei stellt die Kindertagespflege eine gleichberechtigte Alternative zur Betreuung in Kindertageseinrichtungen dar. Eltern haben die Möglichkeit, individuell eine Betreuung für das Kind zu organisieren.

Das Angebot der Kindertagespflege richtet sich besonders an Eltern mit Kindern in den ersten drei Lebensjahren, kann aber auch bis zum 14. Jahren – neben dem Besuch einer Kindertageseinrichtung oder der Schule – in Anspruch genommen werden. Dabei stehen besonders berufstätige Mütter und Väter im Fokus. Aber auch während einer Schul-, Berufs oder Hochschulausbildung kann das Angebot der Tagespflege angenommen werden.

Die Kindertagespflege wird öffentlich finanziert, die Stadt Coesfeld übernimmt auf Antrag die Kosten für die Betreuung des Kindes. Wie bei der Betreuung in der Kindertagesstätte wird abhängig vom Bruttoarbeitslohn ein Elternbeitrag an das Jugendamt fällig. ​

SL-Ausgabe vom 17.12.2014

​Von Raphael Haag und Florian Kübber

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