Drei Schülerinnen des St.-Pius-Gymnasiums wagen Selbstversuch

Eine Woche ohne Internet

Orangensaft im Garten bei einem netten Plausch statt Surfen im Internet: Elisa Uphoff (von links), Sarah Benjamins und Alina Reiberg wagten den Selbstversuch und verzichteten für eine Woche auf das Internet. Den Laptop haben sie symbolisch (und natürlich nur übergangsweise …) entsorgt.

Coesfeld. Im verstaubten Lexikon und im unhandlichen Atlas stöbern statt schnell bei Google und Wikipedia zu recherchieren.

Ein Buch lesen statt sich einen Film übers Internet anzuschauen. Oder gar – noch altmodischer – zum Telefonhörer greifen (wie war nochmal die Nummer?) statt über Facebook oder ICQ mit den Freunden zu chatten. Das Internet ist längst allgegenwärtig im täglichen Alltag junger Menschen. Darauf verzichten? Eine Horrorvision! Für einen Tag? Schwierig. Für eine ganze Woche? Unmöglich! Oder doch nicht?

Drei Schülerinnen des St.-Pius-Gymnasiums haben sich vor einer Woche an den Selbstversuch gewagt. Seit vergangenem Mittwoch und bis zum heutigen Abend verzichten Elisa Uphoff, Sarah Benjamins und Alina Reiberg auf das Internet. Und, abgesehen von schulischen Pflichten, sogar überhaupt auf das Anschalten des Laptops. Acht Tage lang.

„In unserer Gruppe wollte

sonst keiner mitmachen“

Die drei 16-Jährigen aus Coesfeld und Lette wagen diesen Test im Rahmen des Pädagogikunterrichts in Klasse 10, wo in Arbeitsgruppen aktuell das Thema „Sucht“ bearbeitet wird. „In unserer Gruppe ,Selbstversuch‘ wollte sonst offenbar keiner mitmachen“, spüren die drei jungen Frauen durchaus das Mitleid ihrer Schulkameraden.

Warum sie das Experiment machen wollten? „Wir wollten uns selbst beweisen, dass man das eine Woche lang durchhalten kann“, sagt Elisa Uphoff. „Wenn man Urlaub im Ausland macht, kann man relativ leicht auf das Internet verzichten. Wir wollten aber mal sehen, wie es im Alltag klappt“, ergänzt Sarah Benjamins. Ein Mal, gesteht sie, habe sie kurz schummeln müssen. „Für eine wirklich wichtige E-Mail“, wie sie versichert. „Aber sonst bin ich standhaft geblieben!“

Das Fazit bis gestern Abend: Ungewohnt sei es gewesen, mitunter auch schwierig. Aber durchgehalten haben sie trotzdem.

„Für mich ist es deshalb besonders schwierig, weil ich in den Sommerferien an einem USA-Austausch teilnehme. Wir haben gerade die Kontakte bekommen. Und jetzt musste ich das Kennenlernen der Familie für einige Tage unterbrechen“, so Elisa Uphoff, die in der Freizeit Tennis und Volleyball spielt. „Auf die Tennisplätze der Anlage kam ich aber wegen der dort stattfindenden Kreismeisterschaften nicht immer drauf. Da muss man sich schon Alternativen suchen. Ich habe das Buch ,Der Vorleser‘ praktisch am Stück gelesen. Einmal war ich sogar joggen“, erzählt Elisa von ihren Eindrücken.

Um Lichtjahre zurück in

die Vergangenheit …

Alina Reiberg, die Letteranerin im Kreise des internet-freien Trios, fühlte sich gar um Lichtjahre in die Vergangenheit zurückversetzt: „Es ist ganz schön ungewohnt, zum Atlas oder Lexikon zu greifen anstatt mal eben schnell etwas zu googlen!“ Gestiegene innerliche Anspannung habe man vor allem auf dem Schulgelände wahrnehmen können. Alina: „Besonders wenn Klassenkameraden ihr Handy zücken und mobil ins Facebook gehen, denkt man sich: Prima, Leute – ich darf das grad‘ nicht!“

Immerhin, auch eine gute Seite der Medaille habe es gegeben, wie Sarah Benjamins festgestellt hat. „Im Informatikunterricht kam mir das Ganze schon zugute. Ich hatte ja eine prima Ausrede“, sagt sie mit einem zwinkernden Auge.

Schwierig sei es vor allem am Wochenende gewesen. Für Sarah sei dort die Erstkommunion ihres Bruders eine hervorragende „Ablenkung“ gewesen, die beiden anderen hatten da – trotz des guten Wetters, dass ja zu Aktivitäten im Freien geradezu einlud, die größten Probleme, ihre „Internet-Sucht“ im Zaum zu halten. Geklappt habe es trotzdem. „Ich habe sogar mein Zimmer aufgeräumt“, sagt Alina. Not macht eben erfinderisch.

Unter dem Strich aber seien sie doch positiv überrascht. „Ich hatte gedacht, dass es noch schwieriger wäre“, gesteht Sarah, die Zeit gut ohne das Internet ausgekommen zu sein. Und immerhin: Das Handy durften sie ja benutzen. „Ohne Handy? Das ginge gar nicht“, sind sich die drei Schülerinnen einig.

Auszüge aus dem Tagebuch

Wie es sich anfühlte, in den verschiedenen Situationen auf das Internet zu verzichten, und was sie stattdessen gemacht haben, haben Elisa Uphoff, Alina Reiberg und Sarah Benjamins jeweils in einem Tagebuch festgehalten. Einige Auszüge:

Tag 3, Freitag, 6. Mai:

„Mein Zimmer ist wieder sauber. Endlich hatte ich Zeit, es mal wieder aufzuräumen.“ (Sarah Benjamins)

„Die Kommunikation mit meinen Freunden läuft auch ganz gut, wir schreiben viel mehr SMS.“ (Elisa Uphoff)

Tag 4, Samstag, 7. Mai:„Ich merke, wie schwer es mir fällt, mich anders zu beschäftigen. Sonst würde ich jetzt an den Laptop gehen, aber heute nicht. Ich halte das durch!“ (Elisa Uphoff)

„Zurück zum Ursprung: Ich überlege, wann ich das letzte Mal das Lexikon oder den Atlas benutzt habe. Mit diesem Versuch geschehen noch Wunder.“ (Alina Reiberg)

Tag 5, Sonntag, 8. Mai:„Ich bin braun geworden. Ich lag den ganzen Tag draußen in der Sonne und habe gelesen.“ (Elisa Uphoff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare