Pieter van der Sloot besuchte Coesfelder Bühne

„Es war eine Sensation, dass wir ihn hatten!“

Trafen sich gestern an der Freilichtbühne (von links) Walter Syska, Pieter van der Sloot, Erika Benson, Mischa Karlov, Lolo Bleekmann und Moissi Prost.

Coesfeld. Damals, als Pieter van der Sloot nach Coesfeld kam, gab es keine einzige Bühne im Coesfelder Umkreis, die Operetten und Ballett machte.

Aber es gab Walter Syska und es gab die „Reichskrone“ in der Gartenstraße, ein Ort für tanzbegeisterte junge Leute. Und eben dort sollte die Freilichtbühne Coesfeld ihren Anfang finden – durch die Gründung der Ballettschule für die Freilichtbühne unter der Leitung von Syska und van der Sloot. „Das war alles nicht da“, erinnerte sich der heute 85-jährige begeisterte und noch immer aktive Balletttänzer van der Sloot über die Anfänge der Coesfelder Bühnengeschichte, als er am gestrigen Dienstag die Freilichtbühne im Jahr deren 60-jährigen Bestehens besuchte.

„Es ist die schönste

Erinnerung“

Die Tatsache, dass die Räume der Freilichtbühne noch gar nicht bestanden, sollte kein Hindernis für die Verwirklichung der Idee Syskas, die Ballettschule zu eröffnen, sein. Man wich eben auf andere Trainingsräume wie die Hallen der Lamberti- und der Freiherr-vom-Stein-Realschule aus, bis die Räumlichkeiten in Flamschen errichtet waren. „Man baute zusammen etwas auf, das gab ein einmaliges Gemeinschaftsgefühl“, erzählt van der Sloot. So entwickelte sich die Freilichtbühne mit der Bereicherung um die Ballettschule 1972 bis heute stetig (und sehr erfolgreich) weiter – zu van der Sloots Freude: „Es ist die schönste Erinnerung zu wissen, dass etwas weitergegangen ist, was man mühevoll gemeinsam aufgebaut hat.“

Van der Sloot selbst blieb nur zwei Jahre in Coesfeld, in denen er die kleinen und großen Tänzer in ihrer Begeisterung und ihrem Können unterstützte und förderte. „Pieter hatte immer einen Stock in der Hand“, lacht Syska, der selbst unter dem Welterfahrenen das Tanzbein schwang. „Natürlich nicht zur Prügel, sondern nur zur Korrektur der Haltung seiner Schüler.“

„In meiner Zeit in Coesfeld konnte ich auf meine Erfahrungen aus Italien zurückgreifen“, so van der Sloot. Und genau das mache die Sensation aus, ihn hier gehabt haben, erklärt Erika Benson, Leiterin der Sprachschule Benson und Mitbegründerin der Freilichtbühne, die neben Lolo Bleekmann mit zu van der Sloots „alten Ballettratten“ gehörte.

Der gebürtige Amsterdamer begann bereits mit sechs Jahren zu tanzen und steht mittlerweile stolze 77 Jahre auf der internationalen Bühne. Besonders glücklich sei der Umstand gewesen, dass zu seinen Anfangszeiten ein Petersburger Lehrer in seiner Heimatstadt war – „seitdem reise ich durch die Welt“, sagt van der Sloot. Es brachte ihn nach Russland, über das er als Vertreter des klassischen Balletts mit besonderer Begeisterung spricht. Doch auch in Rom, wo er „kolossale Bühnenerfahrung“ sammelte und zudem eine der ersten unabhängigen Ballettgruppen nach dem Krieg gründete, stand er auf der Bühne, ebenso wie in Australien, Japan, New York und Los Angeles, Nizza und Luxor.

„Ballett weitergeben, bis

ich nicht mehr kann“

Trotz seiner großen Erfolge und Erfahrungen zeigt sich der Niederländer bescheiden. „Jetzt hab ich zum Glück nicht mehr so viel zu tun, wo Mischa da ist.“ Gemeinsam mit Mischa Karlov, dem russischen Ballettänzer und Choreographen leitet van der Sloot mittlerweile in Münster, Telgte und Lüdinghausen professionelle Ballettzentren. Auf die Frage, wie lange er noch weitermachen möchte, antwortet er mit leuchtenden Augen: „Ich möchte das klassische, russische Ballett, dass leider immer weniger gepflegt wird, weitergeben. Bis ich nicht mehr kann.“

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